So. 17.05. – Debden – Cambridge – 38 km/210 Hm

6.36 Uhr – Auch heute wieder kurz nach fünf wachgeworden. Diesmal, um diesen wunderbaren Sonnenaufgang zu sehen. Heute soll es nicht regnen. Der Dauerregen ist für Dienstag und Mittwoch angekündigt, bevor dann das schöne Wetter kommen soll.

Ich hatte keine Krämpfe gestern Abend und habe keine Kopfschmerzen heute Morgen. Das ist schon mal sehr schön!

Ich folge im Wesentlichen der Lauf des River Cam.

Cambridge war römischer Posten an der Via Devana, die von Essex nach Chester führte. Nach den Römern kamen die Angeln, dann die Wikinger, dann die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer. Damals wurde der Gluss Granta genannt, die Stadt Grentabridge. Die Universität wurde 1209 gegründet und besteht aus 31 Colleges. Mitglieder der Universität Cambridge haben 125 Nobelpreise erhalten. Man muss an einem College angenommen worden sein, um an der Universität studieren zu dürfen. Fun fact: Die Universitätsdruckerei wurde 1520 von einem Mann aus Siegburg gegründet.

8.56 Uhr – Die Kaffeemaschine war völlig verkalkt. Für meine vier Tassen hat sie eine Dreiviertelstunde gebraucht und ist immer noch nicht fertig. Also lasse ich einen Teil des Wassers drin.

Brote, Rohkost, alles zubereitet und verpackt. Abfahrt in den «Pausentag».

9.05 Uhr – Weiter Blick gen Norden. 15° C und etwas Wind von Westen.

9.24 Uhr – Audley End House, öffnet um zehn, wie mir der freundliche Parkwächter mitteilte.

9.54 Uhr – Auf dem übernächsten Hügel ist die Aussicht toll und die Haltebucht ein guter Platz für den Morgengruß. Für heute: Zufriedenheit, Hören, Neugier, Hier-Ankommen, Dankbarkeit. Ok, es gibt nur vier Himmelsrichtungen, aber Dankbarkeit drängte sich am Ende, zu Recht, noch auf.

10.05 Uhr – Sehr schöne Landschaft. Viele Rennradlerinnen aller Altersstufen sind hier unterwegs.

10.50 Uhr – Bald fängt die Stadt an. Die Wolken sehen nach Drama aus.

10.55 Uhr – Hochmoderner Industriepark.

11.17 Uhr – Kühe grasen auf der Wiese. Das junge Rind läuft extra am Rand entlang, um mich vorbeizulassen. Erinnert mich an eine Wanderung auf den Pic de Canigou in den Pyrenäen mit unserem jüngsten Sohn. Bin kurz vor der Innenstadt.

Vorne beginnt die Innenstadt.

11.23 Uhr – Alle wollen «punten». Die Seufzerbrücke sieht man vom Wasser natürlich besonders schön. Ich lasse sie aus.

Auf der King’s Parade. Links das King’s College. Alain Turing hat hier studiert. Beim Trinity College wurde er wegen schlechter Prüfungsleistungen nicht genommen.

Die berühmte Kapelle.

Ich radle jetzt mal von Fotomotiv zu Fotomotiv.

Great St. Mary, die Universitätskirche.

Markt.

Wow, hier gibt es sogar anständiges Brot!

Die Round Church aus dem 12. Jhd., mit der an die Grabeskirche in Jerusalem erinnernden Form.

12.55 Uhr – Zwei schöne lange Telefonate, Toastessen und einen Regenschauer später setzte ich jetzt die self-guided hop-on-hop-off (vom Fahrrad) Besichtigungstour fort.

St. John’s College.

Direkt daneben das Eingangstor zum Trinity College.

Mit großem Innenhof und, rechts, der obligatorischer Kapelle.

Leider kann ich erst um 15 Uhr auf das Zimmer.

Rechts Trinity College.

Venedig für Engländer.

Das müsste das Hotel sein.

13.29 Uhr – Auf dem Hinterhof des Hotels. Ich frage mal, ob mein Zimmer schon fertig ist.

Der nette Mensch an der Rezeption geht bei Housekeeping fragen, ob das Zimmer schon fertig ist.

Leider nicht. Ich gebe ihm meine Radtaschen und frage nach dem Evensong im King’s College. Man soll 30 bis 45 min vorher in der Schlange anstehen.

Im Park wird Quidditch gespielt. Ein großes, lustiges Durcheinander, scheint mir. Seit 2022 hat man es aus Protest gegen die transfeindlichen Äußerungen von J.K.Rowling international in Quadball umbenannt.

14.11 Uhr – Ab 15 Uhr kann man sich für den Evensong in der King’s College Chapel anstellen.

14.54 Uhr – Eine Kugel Eis und einen kleinen Spaziergang später steh ich jetzt in der Schlange in der Sonne.

Die Schlange hinter mir wächst.

15.14 Uhr – Wir spazieren zum Eingang.

Blick zurück zum Tor.

Beim Einzug. Gebaut, wie ein hochkant stehender Schuhkarton, mit verschwenderischer Pracht.

Im Chorgestühl.

Perpendicular Style, dem Stil der englischen Hochgotik, in Vollendung, gebaut 1446 bis 1515 in der Zeit der Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster.

17.54 Uhr – Der Knaben- und Männerchor hat wunderschön gesungen, vom Dirigenten lebhaft unterstützt. Zwei Lieder aus dem Gesangbuch wurden von der Gemeinde mitgesungen. Wieder ein sehr bewegendes Erlebnis. Ich wäre nicht darauf gekommen, daran teilzunehmen, wenn wir nicht vor Jahren in Oxford mal bei einem Evensong gewesen wären.

Auf dem Heimweg war es kühler, jetzt regnet es. Die Wäsche hängt an der Leine. Nach dem Regen werde ich zum Essen zurück in die Fußgängerzone laufen.

Der ist echt!

19.11 Uhr – Ich bin nach kurzer Suche beim Italiener links an der Brücke gelandet. Mein Hunger kann sich sehen, bzw. hören lassen.

So langsam komme ich an. Die ersten Tage war ich wegen Zug, Fähre, spätem Start in Canterbury, Platten Reifen, London und überhaupt allem doch ein bisschen angespannt. Der Regen hat es nicht besser gemacht. Gestern und heute waren dann quasi einfache Radausflüge, mit schöner Landschaft und relativ früher Ankunft. Ich freue mich auf die nächsten Etappen.

20.23 Uhr – Ich hatte immer noch die Dessertkarte vor mir, da hat mich der junge Kellner gefragt, woher ich komme, und mir dann erzählt, dass er mit einem spanischen Freund ein Startup für Personalentwicklungssoftware gegründet hat, gestern mit möglichen Investoren in München gesprochen hat und übermorgen nach Mailand fliegt. Er ist erst 22 Jahre alt und hat seinen Abschluss in Cambridge gemacht. Vom Geld, das er in vielen Stunden hier im Restaurant verdient hat, finanziert er sein Startup, aber die international virtuell arbeitenden Software-Entwickler bekommen noch kein Gehalt, nur Firmenanteile. Mit Marketing für seine Firma war er sehr schnell und überzeugend. Er will vor allem die Welt bereisen, und natürlich Geld machen. Keine Ahnung, warum er mich angesprochen hat. War sehr interessant.

Espresso und Nachtisch. Gab es ja tagsüber nicht.

21.52 Uhr – Statt den etwas launischen Roman von Stephan Fey zu lesen, schaue ich mir «King Arthur» (mit Til Schweiger als Sohn des Sachsenführers) an.

23.26 Uhr – Die Guten haben gewonnen.

Gute Nacht!

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