6.30 Uhr – Boah, bin ich müde! Keine Kopfschmerzen vom Cidre, immerhin. Noch nach Mitternacht wurden mit lautem Klirren Glasflaschen in einen Container geschüttet, abgeholt wurde er aber erst grad eben.
Der Himmel ist wolkenlos. Es soll heute 29° C warm werden in Liverpool. Laut Vorhersage werden die nächsten Tage weniger warm, es bleibt aber trocken. Hört sich gut an.
7.44 Uhr – Das Müsli hat mich schon ausreichend gesättigt. Beim Essen und Kaffeetrinken höre ich Deutschlandfunk, eine schöne Beschäftigung. Ich muss nur darauf achten, dass das Handy am Ladestrom bleibt, da ich es sonst auf der Fahrt umständlich aus der Powerbank nachladen muss.
8.30 Uhr – Wie gerade der nette Koch aus dem Pub sagte, ein perfekter Tag zum Radfahren. Abfahrt.

Ich verlasse heute den Fernradweg und fahre nach Blackburn. Das liegt kurz vor Nelson, wo sich noch immer die kleine Fabrik von Carradice befindet. Die Firma hat 1988 meine Radtaschen gefertigt. Mehr dazu morgen. Mal gespannt, wie die Strecke ist, die ich mir für heute rausgesucht habe. Es wird hügelig.
8.40 Uhr – Nach der lauten, trubeligen Lebendigkeit in der Stadt gestern Abend, ist es heute sehr angenehm ruhig und leer. 23° C im Schatten. Das dünne Sommershirt reicht jetzt schon.

8.55 Uhr – Everton Park – Sehr schöner Blick, über Liverpool bis zu den walisischen Bergen, der die Anstrengung wert ist.
9.17 Uhr – Eine grüne Welle hat mich auf einer vierspurigen Straße zügig aus der Stadt gespült.

9.26 Uhr – Nicht schön, neben der sechsspurigen Straße, aber ich komme gut voran. Es wird immer wärmer.

10.12 Uhr – In einem Tesco an der A580 gab es wieder einzelne Äpfel, aber weißen Joghurt Greek Style nur in 500g. Dann gibt es nachher halt ein fettes Müsli.
Um hier einen Kaffee zu trinken bin ich noch zu wählerisch. Bald verlasse ich ja die nach Manchester führende A-Straße.

Der Schatten auf dem Radweg ist sehr angenehm. Trotzdem etwa 28° C. Der sanfte Wind kommt eher von vorne.

10.44 Uhr – Das war wirklich unnötig, musste aber wohl irgendwann mal passieren. An den Drückampeln steige ich ungern ab, weil es ja so viele davon gibt. Lieber halte ich mich am Pfosten fest, während ich warte. Aber dort befindet sich auch oft die Bordsteinabsenkung, die erfordert, dass ich die Bremsen extrem festhalten muss. Wenn ich das nicht mache, rollt das Rad zur Seite. Vorhin kippte es unter mir um, schlug gegen mein Knie. Es ist aber nur eine kleine Abschürfung. Betaisodona drauf, Pflaster drüber, fertig. Allerdings fühlt sich das Rad grad an, als sei es schief. Kann aber auch an den verspannten Muskel liegen.
Das war die Ampel an der ich die A580 verlassen habe. Jetzt geht es nach Norden.
Das Schaltkabel hatte sich bei der extremen Verdrehung unter der Lampe verfangen. Jetzt lenkt es sich wieder normal. Puh!

11.20 Uhr – Im Billinge Bakehouse, auch ohne Radler sehr nett hier. Das ist jetzt gut für die Nerven. Beim Tesco und hier habe ich mal mit Bargeld gezahlt, um an etwas Kleingeld für Trinkgeld zu kommen. Für Trinkgeld stehen oft Dosen auf der Theke.
Ich bin jetzt wieder etwas entspannter. Die laute Straße, der viele Verkehr, das strengt mich an, wie der Trubel in der Stadt. Mit dem leckeren Kuchen kam jetzt etwas Genuss in den Tag. So kann es weitergehen.
Gleich geht es bergab nach Wigan zum River Douglas, danach in die Hügel, am Round Loaf (330 m) entlang.
11.55 Uhr – Eben war es noch brechend voll, jetzt wirkt der Laden wie ausgestorben. Ich habe mir noch frisches Wasser gezapft und den Buff nass gemacht, den ich auf dem Kopf habe. Weiter!

Die Berge sind kahl, wahrscheinlich handelt es sich um Hochmoore.

13.07 Uhr – Auf einer vielbefahrenen Straße. Vorhin wurde ich aus einem überholenden Auto mit einer Wasserpistole beschossen. Ich habe mich ordentlich erschrocken. War aber vielleicht trotzdem nicht böse gemeint.
31° C hier im Schatten, auf der Straße war das Thermometer schon bei fast 41° C. Die leichte Brise ist weiterhin toll, die Anstiege bisher moderat. Noch 24 km und 270 Hm.

13.22 Uhr – Das Eis zieht eine Menge Leute an. Kann ich verstehen.

13.28 Uhr – Breiter, schattiger Kanalweg. Leider noch ohne Bank.

13.57 Uhr – Eine freie Bushaltestelle an der vierspurigen Straße. Nicht schön, aber, jetzt muss es sein. Habe echt Hunger.
14.39 Uhr – Das hat richtig gut getan, auch meinen Nerven. Uhps, da hält ja doch mal ein Doppeldeckerbus direkt vor mir.
500 g griechischer Joghurt waren genau richtig. Der Baguetterest von Sonntag war noch gut, der Camembert auch. Also, jetzt weiter.

14.56 Uhr – Biergarten, Eiswagen, aber jetzt bin ich aufs Weiterfahren eingestellt.

15.07 Uhr – Windy Harbour heißt es hier. Jetzt bin ich den Moor-Hügeln schon sehr nahe. Ich fahre links dran vorbei.

15.24 Uhr – Hatch Brook Waterfall.

Mit sehr wenig Wasser. Also, eigentlich gerade mal ein Rinnsal. Ein Wanderer meinte, ich sollte im Winter mal kommen. Außerdem habe sein Hund vorhin komisch geguckt. Dann sei ihm mein rotes Shirt aufgefallen. Es ist die gleiche Farbe wie beim Postboten, auf den den Hund immer reagiert. Er sei aber ein netter. War er auch.

Der Wasserfall liegt am Rand des Wheeton Moors.
Jetzt wieder den Hügel runter und weiter nach Blackburn.

Blick zurück: War ein ordentlich steiler Anstieg.
15.57 Uhr – Feniscowles – Sechs schnelle Kilometer auf der A674. Ich halte kurz an, um den Puls zu beruhigen. Noch 5,5 km und einmal auf und ab.

Diese Sperren kosten extrem viel Nerven. Ich muss das Rad vorne so hoch heben, dass der Lenker über den langen Blechen ist. Ich passe nur sehr knapp neben das Rad. Wenn ich die Taschen vorne abnehmen würde, ginge es sicher leichter. Bisherige solche Sperren waren zwar auch so eng, aber weniger lang. Der Lenker passe schräg hindurch. Aber die Frage ist doch: Wozu müssen Radler hier so gegängelt werden? Oder soll das verhindern, dass Kühe das Gebiet verlassen? Dann täte es aber ein Kuhgatter. Boah, ich könnte mich echt aufregen!

Ansonsten ist es sehr schön hier.

16.22 Uhr – Witton Country Park, der fast bis zur Stadtmitte reicht. Er gehörte mal zu einem Herrenhaus, wurde 1800 gestiftet.

16.38 Uhr – Noch dreihundert Meter.

16.43 Uhr – Am Ziel.
18.16 Uhr – Der Mann an der Rezeption war sehr nett. Er kam raus, weil er mich wohl auf einer Überwachungskamera gesehen hat, und hat mir hinter dem Haus die Tür zum Innenhof geöffnet. Das Zimmer ist sehr großzügig, aber auch sehr warm. Der Ventilator schafft etwas Abkühlung.
Alles ist gewaschen und wahrscheinlich nach dem Essen schon trocken. später werde ich mal das Fenster öffnen und schauen, wie die Luft ist, die reinkommt.
Die Kathedrale ist von 1926. ich bin aber auch sowieso zu spät dran.
Gleich mache ich mich auf zum Abendessen. Dass ich das kurzärmelige Hemd und die Sandalen so oft brauchen würde, hatte ich nicht erwartet.

Die Kathedrale ist gleich um die Ecke.

Vor ihr verläuft die Darwen Street mit vielen Restaurants. Ich nehme wieder Indisch.
Blackburn hatte ab dem 13. Jhd. eine blühende Textilproduktion, erst basierend auf häuslicher Wollweberei, später auf industrieller Basis, und brachte es zum Titel Welthauptstadt der Weberei und wuchs von 5.000 auf über 130.000 Einwohner. Im 20. Jhd. brach die Textilindustrie jedoch ein und am Ende waren alle Webereien geschlossen und meist abgerissen. 2015 hat ein schottischer Designer eine der Fabriken gerettet. Der Stadtrat versucht, lange mit Unterstützung von EU-Geldern, die Stadt wieder zu beleben, die heute etwa 120.000 Einwohner hat. Sie gehört schon zu Grafschaft Lancashire.

20.16 Uhr – So viel dazu. Essen war sehr lecker.
Vorhin habe ich versucht, das Fenster im Zimmer zu öffnen, also nach oben zu schieben. Ist mir nicht gelungen. Könnte vernagelt sein, oder ich kapiert es nicht. Ganz wenig zieht es durch die Spalten. Vielleicht kann der Mann an der Rezeption etwas dazu sagen. Sonst muss halt der Ventilator die ganze Nacht laufen.

Auf einem kurzen Verdauungsspaziergang. Die Statue erinnert an den Equal Pay Act von 1970, der die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern regelt.
20.50 Uhr – Ich traf beim Reinkommen den netten Mann vom Hotel. Er ist mit aufs Zimmer und hat mir gezeigt, wie ich das Fenster öffne. Wieder etwas gelernt. Bin sehr froh, da es hier oben über 28° C sind.
Die Zimmer, die ich ja alle schon im Januar gebucht habe, sind immer für eine Überraschung gut. Mit dem offenen Fenster hat das heutige nun einen Platz ziemlich weit oben.
21.12 Uhr – immer noch 28° C. Nun gute Nacht!