Sa. 23.5. – Weston – Chester – 47 km/180 Hm

7.21 Uhr – Mit den Ohrstöpseln bin ich eingeschlafen. Als ich um halb eins wach wurde, war es draußen völlig ruhig. Danach bin ich mehrfach aufgewacht und habe viel Wasser getrunken, weil ich Durst hatte. Ein Bier als letztes Getränk abends ist einfach nicht gut.

Um kurz vor fünf fing es an mit leichten Kopfschmerzen. Vor einer Stunde habe ich dann doch mal eine Tablette genommen, die erste dieser Reise. Noch merke ich keine Wirkung. Also besser mal aufstehen und mit Kaffee dagegen angehen.

9.09 Uhr – Die Kopfschmerzen sind besser geworden. Es ist etwas bewölkt, das ist auch gar nicht schlecht. Der Wind kommt aus Westen, also von vorne, aber nicht sehr stark, wenn ich das richtig verstehe.

9.21 Uhr – Abfahrt.

Heute geht es noch einmal weiter nach Westen. Nach zehn Kilometern kommt Nantwich, nach 26 km Beeston Crag, eine Burgruine aus dem 12. Jhd., die auf einer Anhöhe liegt. Oliver Cromwell hat sie 1646 schleifen lassen. Chester wurde 79 von den Römern gegründet. Wilhelm der Eroberer ließ eine Festung bauen. Die Stadtmauer ist noch fast vollständig erhalten. Die Kathedrale, in Teilen noch aus dem 11. Jhd. scheint sehenswert.

10.07 Uhr – Nach sehr gemütlichen zehn Kilometern bin ich in Nantwich. Im Park am Fluss und auch hier in der Stadt hat fast jeder einen Hund dabei. Das Foto soll aber zeigen, dass es Bäckereien gibt! Morgen und übermorgen bekomme ich in der Unterkunft kein Frühstück, muss mir also Vorräte zulegen oder eine Bäckerei aufsuchen.

Sehr einladend, aber zu früh.

Hübsche Kirche, ich geh mal kurz rein.

Hier ist viel Betrieb, ein Pfingst-Event der Gemeinde, sehr lebendig.

Interessante Blüten. Was das wohl ist?

Rechercheergebnis: Fackellilien, auch Raketenblumen genannt. Vielen Dank nach St. Augustin!

11.12 Uhr – Tilly’s Bunbury: Endlich ein Café für Radler, ausschließlich Radler, scheint es. Mir kamen auch schon sicher zwanzig entgegen.

11.47 Uhr – Sehr nett mit anderen Radlern erzählt. Ein fünfundsiebzigjähriger Mann macht 13.000 Meilen im Jahr. Er ist früher Rennen gefahren. Die Räder sehen hier alle teuer aus. Das nächste Café soll an der Ruine Beeston sein. Das ist gleich um die Ecke. Man müsse einfach die Facebook-Seite des lokalen Radclubs aufsuchen, dort würden alle Cafés empfohlen.

Endlich mal mit der richtigen Herde zusammen zu sein macht sehr viel Spaß. Beschwingt bin ich weiter gefahren.

11.56 Uhr – Da vorne ist die Burg schon. Schon schön, dass auf dem Weg nach Norden alles von der Sonne angestrahlt wird.

12.16 Uhr – Bezahlt und jetzt rauf auf den Hügel.

Auf dieser Fläche hat man Reste einiger bronzezeitliche Rundhäuser und viele Artefakte aus der Zeit gefunden.

Rekonstruktion eines Hauses aus der Zeit von 800 v.Chr. Sie wurde nur mit den auch damals genutzten Werkzeugen gebaut.

Die beiden Guides mit den roten Polo-Shirts können jedes Detail erklären.

Feuerstelle, links Betten.

Webstuhl.

Jetzt zur Birg: Gelungener Ersatz für die Zugbrücke.

Tolle Sicht heute.

Liverpool und Chester sind von hier gut zu sehen.

Wir sind nur fünfzehn Kilometer von der Nordgrenze von Wales entfernt, die wahrscheinlich bei den Hügeln am Horizont liegt.

Es gibt durchaus ein paar schöne Fotomotive hier oben.

Keine Hunde sondern viele junge Familien.

13.24 Uhr – Gleich neben dem Eingang ist ein weiteres fahrradfreundliches Café. Das hatten mir schon die netten Radler erklärt. Ich habe aber auf einer Picknickbank innerhalb der Mauer mein Schinkensandwich aus dem Hotel gegessen.

Nur noch etwas mehr als zwanzig Kilometer zu fahren. Das Zimmer ist ab 15 Uhr fertig. Das passt also.

13.43 Uhr – Blick zurück mit Kanal-Café.

Gestern habe ich noch damit gehadert, dass es keine Cafés an der Straße gibt. Und heute kommen gleich mehrere!

Der Birg Weg im Hintergrund. Hier wurde schon Heu gemäht, aber vielleicht nur für Silage.

Das ist mal ein großer Heuwender!

14.29 Uhr – Kurzer Stopp in St. Peter’s in Waverton.

Viel Jungs in weiß, weit verstreut über einen Rasen: Cricket?

15.11 Uhr – Am Kanal entlang in die Innenstadt von Chester.

Sehr eng hier, direkt unter der Stadtmauer wurde dieser Kanal in den Sandstein geschlagen. Der River Dee fließt auf der anderen Seite der Stadt.

Drei Schleusen direkt hintereinander. Hier fahre ich vom Kanal weg auf den Stadthügel hinauf.

Über die Straße kann man weit nach Westen in die Ebene schauen. Die Stadt liegt ziemlich erhöht.

Es ist so voll, da fällt der kleine Elefant Janya gar nicht auf.

15.22 Uhr – Der Eingang zur Kathedrale, die im roten Sandstein erbaut ist. Er wurde im 16. Jhd. im Perpendicular Style hinzugefügt.

One der Vorgängerbauten wurde von Leofric, Earl of Mercia und seiner Frau, der legendären Lady Godiva, gestiftet.

Im Wesentlichen ist der Baus aus dem 12./13. Jhd. im gotischen Stil erbaut.

Die Eastgate Clock aus dem 19. Jhd.

15.33 Uhr – Ankunft.

16.07 Uhr – Habe mich etwas beeilt, jetzt sitze ich rechtzeitig zum Evensong im Chorgestühl der Kathedrale.

Mittelschiff

Chor, wo der Evensong stattfand. Am Ende fragte mich mein Sitznachbar, ob ich von weit her gekommen sei. Er besucht demnächst seinen Neffen in Heidelberg.

Lady Chapel hinter dem Chor.

Westfenster.

Nördliches Querschiff. Hier sieht man noch einige Rundbögen der romanisch-normannischen Abteikirche.

Kreuzgang aus dem 16. Jhd. mit Fenstern, wohl gegen die Kälte.

Eines der vielen ausgestellten Stoff-Kunstwerke.

Bargeld ist wirklich nicht mehr nötig in England. Selbst die Kerzen zahlt man bargeldlos. Eine Kerze für alle zu Hause, eine für alle, denen ich hier begegne.

Jetzt kommen noch ein paar Fotos von typischen Fachwerkhäusern von denen es hier wirklich viele gibt.

In den alten Häusern gibt noch viele kleine Geschäfte.

Aber auch größere. Einen kleinen Tesco-Supermarkt habe ich aufgesucht, um Brot, Käse, Joghurt Apfel und Müsli für das Frühstück und den Tag morgen zu kaufen. Die Einkäufe wollte ich am liebsten sofort verspeisen. Hunger, nehme ich an.

19.40 Uhr – Jetzt sitze ich beim Thai und trinke Zitronenlimonade. Die Limonade ist so intensiv, dass ich sie mit Sprudel verdünne.

Reispudding mit Kokoseis zum Nachtisch.

20.47 Uhr – Jetzt denke ich, dass ich satt bin. Morgen kann ich ja frühstücken, wann ich will, also z.B. um sieben Uhr.

21.03 Uhr – Ich mache noch, wie viele andere, einen Abendspaziergang auf der Stadtmauer.

River Dee.

Ich laufe nicht ganz um die Stadt, sondern zurück bis zur Uhr.

Römische Ruinen mit rekonstruierter Hypocaust-Anlage.

Blick in die abendliche Eastgate Street.

21.44 Uhr – Das war ein sehr abwechslungsreicher, sommerlicher, unterhaltsamer Pausentag, bzw. 50-Kilometer-Tag, mit früher Ankunft am Etappenziel.

Jetzt lese ich noch etwas und schlafe früh, hoffe ich. Ruhig ist es hier jedenfalls.

Noch vielen Dank für die prompte Recherche zu den mir unbekannten Blumen an der Kirche in Nantwich. Die Info ergänze ich grad noch.

Gute Nacht!

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