6.47 Uhr – Gut geschlafen und vom Wecker wach geworden. Draußen ist es nass und neblig. Laut Vorhersage könnte es auch mal kurz aufhören zu regnen. Ob es dabei aber aufklart? Wird wohl eine Niesel-Nebel-Fahrt.
7.36 Uhr – Der Nebel ist etwas weniger dicht. Neben der sportlichen Herausforderung wird es wohl im Wesentlichen eine moralische. Wie halte ich die Stimmung hoch? Wie finde ich Freude am Draußen-Sein?
8.44 Uhr – Joghurt und Banane im Co-op gekauft. Der Mann in der Bushaltestelle hat mir einen schönen Tag gewünscht. Wäre eine tolle Strecke, die ich da vorhabe. Wenn es regnet, dann schau nach unten auf den Weg, wenn die Sonne rauskommt, dann nach oben in den Himmel, meinte er noch.
Der Regen ist erstmal durch. Ich ziehe die Regenhose wieder aus. Dann los!

Heute habe ich die einzige Etappe mit über 1000 Höhenmetern vor mir. Es gibt drei größere Anstiege. Der höchste Punkt liegt bei 400 m Höhe.
Nach 15 km komme ich an dem Kunstwerk «The Eye» vorbei, nach 35 km an Bruce’s Stone., einem Gedenkstein für eine von Robert the Bruce gewonnene Schlacht.
Die Wege sind teils nur geschottert. Das könnte bei der Nässe mühsam werden. Orte mit Cafés zum Aufwärmen gibt es keinen einzigen. Ob es Schutzhütten gibt, in denen ich mich für eine Pause unterstellen kann, ist unklar, die ausgehängten Wanderkartenwände könnten aber Dächer mit etwas Platz zum Unterstellen haben. So sieht es auf einem Foto im Netz aus. Mal gespannt, was ich mir da vorgenommen habe.

8.57 Uhr – Nebel aber trocken.

Moos-feucht.

9.07 Uhr – Ohne Regen hat es was. Die erste Mücke kam.

9.16 Uhr – Ich nehme das Teersträßchen, das als Sackgasse gekennzeichnet ist. Am Ende sollte ein Radweg weitergehen.
Die Regenjacke tausche ich gegen die Windjacke. Nur ganz leichter Wind. Kuckuck, Krähen, Enten, viele Vogelstimmen, Wasserrauschen, Blätter im sanften Wind.

9.29 Uhr – Der Penklin Bum macht die Wassergeräusche.

Es geht auf die Forststraße. Sieht gut aus. Ist als Mountainbike-Trail gekennzeichnet. Rosinante kann das!

Schaffen wir das, Rosinante?
Klar, kein Problem!

9.46 Uhr – Morgengruß: Zuversicht, Gelassenheit, Neugier, Genuss.

Mit schwerem Gerät wird hier der Nadelwald kahl geschlagen.

10.01 Uhr – Auf 160 m Höhe ist der Nebel natürlich dichter. Aber kein Regen und mit 14° C nicht kalt.

10.19 Uhr – Hier bin ich sehr froh, dass es eine Brücke gibt.

10.23 Uhr – The Eye am Black Loch.

Eine Nadel aus Bruchstein-Kacheln.

Eine Beschreibung zu den Kunstwerk habe ich auf der Homepage der Künstlerin Colin Rose nicht gefunden.

Mit einem Loch wie ein Fernrohr. Ich sehe leider nur Nebel.

10.40 Uhr – Hundert Höhenmeter mit 9% Steigung auf nassem Schotter. Ich sehe weniger als vorher. Aber, es läuft gut und regnet nicht!

10.52 Uhr – Steinbruch.

11.01 Uhr – Auf 355 m. Könnte sein, dass es jetzt etwas bergab geht. Zu viel Wind für Brotpause.

11.23 Uhr – Wieder auf dem normalen Radweg 7. Das war ein steile steinige Abfahrt. Kaffee ohne Wind wäre gut.

11.34 Uhr – Auf 225 m, Sicht etwas besser.

11.57 Uhr – Eine Bank! Aber nicht einladend.

«High there», weg war er.

12.04 Uhr – Den Sitzplatz nehme ich.

Mauerreste tauchen aus dem Nebel auf. sehr viele winzige Fliegen.

Und Berge tauchen auf.

Und das Loch Dee taucht aus den Nebeln auf. Wow!

Wegweiser für Radfahrer. Habe mich schon lange gefragt, was das für Dinger sind.

Dafür hat sich die Anstrengung gelohnt! Nach 30 km und 700 Hm.

Die Seite mit dem Berg wirkt irgendwie besser.

12.31 Uhr – Blick nach vorne. Na, da kann man nicht meckern.
Aber laut Regenradar beginnt es in zehn Minuten zu regnen.

Blick zurück, weil es so schön ist! Jetzt aber über den Pass und weiter.

12.42 Uhr – Sieht nach einer längeren Abfahrt aus.

Der Zulauf des Sees inkl. Wasserfall ganz oben.

Sehr langer Wasserfall.

Tolles enges Tal.

Es geht noch ein gutes Stück weiter bergab.

Übel steinige steile Abfahrt auf dem letzten Stück. Danach geht es wieder rauf. Es regnet leicht.

Plötzlich ein Café. Kann doch nicht wahr sein.

13.30 Uhr – Doch! Ich frage gleich, wie es sein kann, dass es hier ein Café gibt. Hier ist doch niemand. Ein Mann meines Alters sagt, doch, wir wussten ja, dass du kommst. So unterhaltsam ging es weiter. .
Er kauft Profilfräsen in Deutschland für seinen Fensterbaubetrieb in Newton-Stewart. Aber er lässt seinen Sohn die Firma bei Paderborn alleine besuchen. «Dafür bin ich zu alt», sagt er. Die junge Frau hinter der Theke ist auch aus der Stadt. Wir haben viel Spaß. Ich lade das Handy an der Steckdose. Ich mache viel zu viele Fotos für den inzwischen sech Jahren alten Akku
Ich habe einen Flat White und ein Stück Kuchen genommen. Als ich noch einen Softdrink wollte, haben sie mir IRN-BRU empfohlen, ein schottisches Getränk mit Koffein, Zucker etc. Dann gab der Mann mir noch einen Schoko-Snack mit den Worten: Den wirst du für die Steigung brauchen.
Stellt sich raus, dem Mann gehört auch das Café. Er arbeitet die junge Frau gerade ein.
13.43 Uhr – Ganz beseelt weiter.

Der Regen ist erstmal vorbei. In dreißig Minuten könnte es aber wieder losgehen.

13.58 Uhr – Sauber zerlegt, der Baumriese

Sehr viele Wasserfälle gibt es hier, einer schöner als der andere.

15% Steigung auf Schotter! Puh, da war die Limo und die geschenkte Schokolade echt nötig.

Hier beginnt eine Teerstraße. Links sollte der Bruce’s-Stone sein.

Loch Trool. Hier hat Robert the Bruce den englischen Earl Pembroke besiegt.

Blick auf Loch Trool vom Bruce’s Stone.


Von allen Seiten.

14.45 Uhr – Glentrool Visitor Centre.

Die violette Strecke bin ich gefahren.

Bin schon mit Kaffee bedient. Daher leider weiter.

Water of Minnoch.

Und hier ist plötzlich alles flach.
Regenhose aus.

Maybole ist ausgeschildert.

15.07 Uhr – Langweilig, aber sehr gut zum Vorankommen und sanft Höhe gewinnen. Ankunft könnte erst 19.30 Uhr sein.
Mehr Nieselregen. Alles wieder anziehen.
Ab jetzt gibt es viele Tippfehler im Text, die abends korrigiert habe. Die Hände sind nass. Es tropft vom Helm in die Lenkradtasche, wenn ich sie öffne.

15.22 Uhr – Dauerniesel. Kaum Aussicht.

15.43 Uhr – Dauerniesel.

16.10 Uhr – Ich denke, ich bin oben, dann geht der Anstieg doch weiter. Etwas weniger Dauerniesel. Auf 384 m.

16.16 Uhr – Nach dem Anstieg zählt die Anhöhe als Pass! Schließlich steht da ja auch ein Pass-Schild von ayreshirealps.org

Wieder ein tolles Tal mit langer Abfahrt, diesmal bequem auf Teer und sogar mit Leitplanken.

Ein bisschen kann ich immerhin erkennen.

Alpine Abfahrt, und unten liegt ein kleiner Talkessel.

16.41 Uhr – Wieder raus aus dem Kessel. Letzter Anstieg. Nur noch Nebel.

Vielleicht ist der Pass schon dort oben, aber ich will nichts versprechen.

16.54 Uhr – Hinter mir im Talkessel ist es deutlich heller.

Hier wurden sehr große Plantagen mit Nadel- und Laubbäumen angepflanzt.

17.00 Uhr – Doch noch, wie zu erwarten, ein gutes Stück, mit sanfter Steigung und Rückenwind. Langsam habe ich Hunger.

17.12 Uhr – Da vorne sieht es so aus, als läge tief unten eine Ebene unter der Nebeldecke.

17.16 Uhr – Da unten könnte Maybole liegen. Ich esse mal die Kekse aus dem Hotel und trinke den lauwarmen Rest Kaffee, hier auf der Straße im Stehen.

Lecker!!!!!!

Tolle super gemächliche Abfahrt.

17.42 Uhr – Es gibt wieder etwas zu sehen.

17.55 Uhr – Regensachen aus, Windjacke an. Noch fünf Kilometer, mit kleinen Anstiegen. Oben im Wald kamen mehrere Pickups an mir vorbei. Feierabendverkehr der Forstleute, nehme ich an.

18.08 Uhr – Kildoon Monument, im Gedenken an Gedenksäule für Sir Charles Fergusson of Kilkerran. Auf und am Hügel gibt es Reste prähistorischer Befestigungen.

Vorne Maybole, nehme ich an.

18.20 Uhr – Maybole Hauptstraße.

18.23 Uhr – Ankunft. Was für ein toller Tag!
19.31 Uhr – Geduscht, gewaschen, Rad mit Hilfe einer herbeigerufenen Mitarbeiterin sicher verstaut. Jetzt muss ich dringend etwas essen.

Maybole Castle.
Und, was soll ich sagen, die Sonne ist rausgekommen. Morgen wird es wohl auch regnen, aber angeblich nur 2 mm. Heute waren es 12 mm.
20.11 Uhr – Gar nicht so einfach, ein Restaurant zu finden. Fast alle sind geschlossen, selbst Take-Aways. Im Pub war die Küche zu. Ist es, weil heute Montag ist?

Jetzt bin ich in einem Take-Away mit Tischen. Die beiden kleinen Kinder der Besitzerin sind mit ihren Handys beschäftigt. Irgendwie traurig. Die Frau hat mich kaum verstanden, ich sie aber auch nicht. Habe 16 Inch statt nur 10 Inch genommen.
Aber, oh Mann, nachdem ich sieben der acht Stücke gegessen habe, bin ich echt voll. Dazu zwei IRN-BRU getrunken.
Die Banana, die ich heute Morgen gekauft habe, nehme ich morgen für das Müsli-Frühstück. Das Hotel bietet keines an.
22.36 Uhr – Beim Spar an der Tankstelle habe ich Alpen-Müsli ohne Zucker gekauft, und einen schottischen Cidre zur Verdauungsförderung.
Nachdem ich heute Morgen den Eindruck hatte, die Wäsche sei nicht hundertprozentig trocken, habe ich die Heizung am Handtuchhalter eingeschaltet und trockne das Shirt und die Radhose zusätzlich, so lange ich noch wach bin.
Gerne wäre ich die Strecke heute bei Sonnenschein gefahren. Ich bin aber sehr guten Mutes und mit vielen tollen Eindrücken und dem Gefühl, dass ich wirklich ziemlich fit bin, durch den heutigen Tag. Das Café mit den zwei sehr netten Leuten hat den Tag extrem bereichert.
22.42 Uhr – Zeit zum Kräftesammeln im Schlaf. Gute Nacht!
Ich wünsche Dir viel Kraft für heute, Leonhard. Besonders auch mental.
LG Lisa 💁
Ich freue mich jeden Tag auf und über Deinen Blog
Lieber Leonhard
Je weiter du nach Norden fährst desto schöner wird es.
Liebe Grüße Uschi und Hermann