
4.29 Uhr – Bin vom Sonnenaufgang geweckt worden.
7.14 Uhr – Der Himmel sieht noch immer so aus. Die Vorhersage hat durchziehende Schauer angekündigt.
8.53 Uhr – Immer noch trocken. Abfahrt.

Ich fahre erstmal zur Eisenbahnstrecke zurück und folge ihr bis Tomati. Dort biege ich nach Südwesten ins Tal des River Findhorn und arbeite mich auf etwa 480 m Höhe hinauf und an einigen kleineren Lochs vorbei, bis ich steil zum Loch Ness abfahre. Ans Ufer komme ich in Dores und folge von dort dem Tal des River Ness bis zur Mündung in Inverness.

9.15 Uhr – Die Kette war mir zu laut, gestern schon. Also habe ich hier angehalten und sie gereinigt und geölt. Und meinen Morgengruß gemacht: Meinen Rhythmus finden, Kraft, Gelassenheit, Neugier.
9.29 Uhr – Gerade mit einem sehr netten jungen schottischen Rennradfahrer gesprochen, während wir auf der Straße entlang rollten. Er arbeitet als Outdoor Instructor und war gerade sechs Tage draußen in den Bergen mit einer Gruppe. Heute macht er nur eine kleine Tour. Vor kurzem hat er bei dem Race Around Loch Ness mitgemacht. 6000 Rennradfahrer waren dabei. Nächstes Jahr will er einmal um Schottland herum fahren, ohne fremde Unterstützung und möglichst in der schnellsten je gefahrenen Zeit. Sehr ambitioniert, der junge Mann. Er fährt weiter Richtung Pass. Ich biege jetzt gleich rechts ab.

9:44 Uhr – Mit einem letzten Blick auf die Schneereste in den Bergen biege ich hier rechts ab nach Carrbridge.

Ich habe mich doch noch einmal umgeblickt. Auf Radtouren darf man das.

9.56 Uhr – Kiefern und Birken. Frische 14° C. Relativ wenig Verkehr. Angenehmer Rückenwind.

10.07 Uhr – Die Old Bridge, wirklich sehr hübsch. Ein belgischer Reiseradler kam vorbei, auf dem Weg nach John o’Groats. Klar! Er zeltet aber nicht. Ist ja auch kein Niederländer.

10.16 Uhr – Beim Verlassen des Ortes auf einem längeren sanften Anstieg im Wald.
Porridge-Weltmeister- Was es alles gibt!

10.35 Uhr – Auf 355 m Höhe. Ganz leicht rieche ich den Ginster, manchmal auch Kiefern. Es muss dafür wohl noch etwas wärmer und trockener werden. Die Wolken scheinen sich kaum zu bewegen. Gerne bleibe ich unter einem Stück blauen Himmel.

10.42 Uhr – Auf 373 m. Jetzt, wo ich die Landschaft so richtig sehen kann, bekomme ich langsam ein positives Gefühl für sie. Im Regen und Nebel war sie gefühlt irgendwie gegen mich. Jetzt ist sie einladend und schön anzuschauen.

10.57 Uhr – Den Pass hatte ich gar nicht im Kopf. Prima, dann geht es ja jetzt erstmal runter!

11.02 Uhr – Der Wind kommt grad eher von vorne.

11.11 Uhr – River Findhorn.

Brücke mit Zug drauf.
Ich biege hier links in das Tal ab, statt geradeaus weiter nach Tomatin zu fahren.

11.20 Uhr – Torf lag als Dachisolation zwischen den Brettern und dem Wellblech. Jetzt stürzt alles in sich zusammen.

11.31 Uhr – Sehr schön hier. Ein paar Tropfen fielen, hat aber schon wieder aufgehört.

11.41 Uhr – Ich suche mir eine trockene Stelle in der Sonne. Es fallen ein paar Tropfen.

Einfach am Ufer auf dem Gras.
12.13 Uhr – 108 Atemzüge still hier gesessen. Wie hat mir das in den letzten Wochen gefehlt, dieses Sitzen in der Landschaft. Wegen Regen oder Hecken oder Städten war es kaum möglich. Heute endlich wieder. Welch ein Glück!
Regenwolken vor und hinter mir. Ich starte mal wieder.

12.41 Uhr – Nach dem Kahlschlag, was die Holzindustrie Ernte nennt, ist es eine Mondlandschaft. Auf 390 m.

12.46 Uhr – Sehr sanfter Anstieg. Auf 421 m Höhe.

Vielleicht noch dreißig Höhenmeter. Wunderbar hier.

12.56 Uhr – Auf 478 m Höhe. Auf der ganzen Tour war ich noch nicht so hoch, wie hier. Schon verrückt.

Blick zurück. Hinter mir sieht es nach mehr Regen aus als vor mir. Mal sehen.

Lange Abfahrt. Es regnet.

13.11 Uhr – Weniger Regen. Vorne wahrscheinlich die erste Kante, an der es steil bergab geht.

13.17 Uhr – Es wird steiler. Der Wind und der Regen haben aufgehört. Aus der Ferne klingt eine Maschine herüber, ansonsten ist es vollkommen still. Kein Vogel singt.

13.25 Uhr – Auf 386 m.

13.32 Uhr – Ich würde gerne unter dem blauen Himmel bleiben, wenn das geht. Die Regenwolke sieht doch etwas sehr düster aus.

13.36 Uhr – Loch Farr. Hier mache ich Müslipause.

14.04 Uhr – Die Frau, die am Ufer sitzt, lebt hier um die Ecke und schwimmt auch im Winter im See. Als sie damit angefangen hat, hat sie nach dem Schwimmen sicher zwei Stunden zitternd im Wohnzimmer gesessen. Nach sechs Monaten habe sie genug braune Fettzellen aufgebaut, dass das lange Zittern nicht mehr kam. Ihre Freundin probiert es gerade zum ersten Mal, mit Neopren-Anzug. 14° C soll der See haben.

14.19 Uhr – Trocken, aber kalt. 12° C.

14.28 Uhr – Von dort komme ich. Hier ist es trocken und zu warm unter der Regenhose. Aber über mir hängt auch eine Regenwolke.

14.36 Uhr – Loch Ruthven. Ein paar Tropfen fallen. Bin in einem knackigen Anstieg.

14.50 Uhr – Blick nach Süden. Irgendwo da hinten werden Fort Williams und der Ben Nevis liegen.

14.59 Uhr – Loch Duntelchaig.

15.09 Uhr – Ein weiterer kleiner See.

Und imposante Felsen vor mir.

15.17 Uhr – Loch Ness. Hier oben riecht es sehr intensiv nach Ginster.

15.19 Uhr – Ich mach mal ein paar Fotos. wir treffen uns beim Kaffee in Dores.

Lick nach Süden.

Regen setzt ein.

15.33 Uhr – Patschnass und Kaffee nur draußen. Sehr schade. Aber, ich stehe in einer überdachten Fahrradgarage! Den Kaffee hole ich mir, sobald der Regen nachlässt.
15.48 Uhr – Kaffee und Kuchen unter dem kleinen Vordach des Wagens waren sehr lecker und stärkend. Habe nett mit der Dame gesprochen. Heute Morgen hat es bei ihr oben an der Straße, die ich runtergefahren bin, gehagelt. Hier unten aber nicht. Habe mir für Kaffee und unterhaltsames Gespräch bedankt. Sie schließt um 16.00 Uhr. War also gut getimet.
Ich schau mal näher in den See, denn das ist die einzige Stelle, an der ich ans Ufer komme.

Der Nessi Hunter.

Ein Stein mit Info-Tafel an dem sich alle fotografieren lassen.

Der See geht bis zum Horizont. Das ist schon ein faszinierender Blick. 37 km lang, etwa 1,5 km breit und im Mittel 229 m tief.
15.58 Uhr – Es hat aufgehört zu regnen. Weiter! Noch etwa zwanzig Kilometer.

16.06 Uhr – Blick zurück.

16.45 Uhr – Inverness. Vielleicht ist Nessi ja für ein paar hundert Jahre ins Meer geschwommen und kommt dann irgendwann zurück?

Bridge Street.

Kathedrale aus dem 19. Jhd. Ich fahre noch zur Mündung des Ness.

17.09 Uhr – Rosinante und ich vor der Kessock Bridge, dahinter der Moray Firth. Hier ist das nördliche Ende der Verwerfung Great Glen, oder Glen More, die von Fort William bis hierher 100 km lang ist, und in der auch Loch Ness liegt.
Mit Inverness habe ich das Ziel erreicht, das ich in ganz England immer genannt habe, wenn ich gefragt wurde. Ab jetzt geht es nach Osten und dann nach Süden quasi zurück.
Jetzt radle ich zur Unterkunft und schaue mal, wie die Küche aussieht. Ggf. gehe ich dann in den Supermarkt, um mir die üblichen Nudeln für das Abendessen und Joghurt für das Frühstück zu kaufen.

17.20 Uhr – Der Far North Way-Radweg führt über die Kessock Bridge. Wer also nach John o’Groats will, fährt wahrscheinlich hier vorbei.

Großes Holzlager oder Sägewerk. Die ganze Gegend riecht nach Holz. Jemand übt Trompete.

Castle und diverse Kirchen.

Inverness Castle, ein Neubau aus dem 19. Jhd. Die alte Burg war von Malcolm III. im 11. Jhd. gebaut worden. Malcolm III. war der Sohn von Duncan I., dem Cousin von Macbeth. Macbeth hat Duncan I. in der Schlacht von Elgin getötet. Bei Shakespeare wird es etwas anders dargestellt. Nach Elgin komme ich noch.
Oliver Cromwell hat auch in Inverness eine Zitadelle für etwa 1000 Soldaten bauen lassen. Die Jakobiten besetzten sie von 1715 bis 1746 als Kaserne. Unweit von Inverness liegt Culloden, der Ort der Entscheidungsschlacht, in der 1746 die Jakobiten geschlagen wurden.

17.47 Uhr – Ankunft. Eine Gruppe Deutscher stand vor dem Haus. Sie gehen jetzt essen. Küche sei voll ausgestattet. Sie hätten gestern gekocht. Sie machen eine Whiskey-Runde durch Schottland.

20.04 Uhr – Beim Tesco um die Ecke habe ich mir Nudeln, Soße und geriebenen Käse gekauft, für das Hauptgericht. Dazu gibt es Limo. Anschließend Chips mit Bier. Dazu einen neuen Aquitanien-Krimi.
21.56 Uhr – Mit dem Hauptgang bin ich fertig, auch mit den Nacharbeiten am Blogbeitrag.
Es war ein ganz wunderbarer Naturerlebnistag heute, wie ich es mir immer wünsche. Der Regen hat nicht wesentlich gestört. Morgen radle ich durch Bridge Street und High Street. Daher heute keine Stadtbesichtigung.
Gute Nacht!
Ende