So. 07.06. – Pitlochry – Newtonmore – 70 km/650 Hm

7.32 Uhr – Gut und lange geschlafen. Die Wäsche scheint trocken zu sein. Die Wolken sehen etwas lichter aus.

8.49 Uhr – Das Frühstück ist sehr reichhaltig und ich schaufle rein, was reingeht. Die dicke Regenwolke erreicht mich bald und köchelt dann vor sich hin. Es könnte sein, dass ich am Rand bei den Ausläufern bleibe und nicht ganz die volle Dosis abbekomme. Wir werden sehen.

9.49 Uhr – Wow, schon echt spät. Es regnet nicht. Abfahrt.

Heute fahre ich über den Pass of Drumochter (462 m). Rechts und links davon liegen Berge von fast tausend Metern Höhe. Seit 1873 gibt es eine Bahntrasse über den Pass auf 452 m, der die wichtigste Verbindung zwischen den nördlichen Highlands und den Central Lowlands ist. Der Radweg verläuft wahrscheinlich auf der ursprünglichen Militärstraße aus dem 18. Jhd. und erreicht 457 m Höhe. Es gibt eine Warnung für Radfahrer, dass das Wetter sehr schnell umschlagen kann und dass es auf 30 km weder Nahrung noch Unterstand gibt. Klingt spannend. Ich hoffe auf gute Sicht. Könnte sein, dass ich zwar Regen, aber Rückenwind habe. Wir werden sehen.

Ganz nett war es hier.

Mit schönen Cottages.

10.12 Uhr – Habe zwei Radlerinnen überholt, die auf dem Weg zum Queen’s View sind. 14%, war ja klar, dass es keine flache Etappe wird. Leichter Niesel.

10.33 Uhr – Bald müsste Blair Castle kommen.

10.39 Uhr – Schöne Allee. Mal sehen, wie nahe der Weg dran vorbeiführt.

10.51 Uhr – Sehr nette Dame am Ticketoffice. Ich darf ohne Eintritt durch den Park radeln. Sie spricht zufällig Deutsch. Sie findet Richard, Le Petit Canard, vorne auf meinem Schutzblech sehr süß.

Gerade werden die Fotos nicht hochgeladen. Dauert ewig.

10.58 Uhr – Sehr hübsch und robust gebaut, 1269 von John Comyn, und ist Sitz der Familie Murray. Familienoberhaupt ist der Duke of Atholl, abgeleitet vom Namen des Weilers Blair Atholl, zu dem die Burg gehört. Auf der Birg sind auch die Atholl Highlanders stationiert. Sie sind die einzige legale Privatarmee in Europa, sind aber nur eine zeremonielle Leibgarde. Die Grafenwürde ist eine der ersten sieben Murmaerships, die im 10. Jhd. in Schottland vergeben wurden. Die Burg wurde vier Mal eingenommen, unter anderem 1652 von Oliver Cromwell, teils zerstört und wieder aufgebaut.

Die Fotos müssten jetzt alle zu sehen sein.

Noch einmal mit etwas mehr Landschaft, das Auge isst ja mit. Unten hat, pünktlich im 11 Uhr, ein Schotte den Dudelsack in die Hand genommen und losgelegt. Mit seiner Begleitmusik radle ich beschwingt über den Hügel aus dem Schlosspark.

Die hinausführende Allee ist mit mächtigen Redwood-Bäumen besetzt. Sie zeigt auf ein Mausoleum links oben im Hang. Es nieselt wieder.

11.17 Uhr – Jetzt ziehe ich die Regensachen an. Sieht nicht so aus, als würde es weniger werden.

11.30 Uhr – Die schwere Eisentür ließ sich glücklicherweise öffnen. Ich bin jetzt wieder auf der Old Road zum Pass.

Flach!

11.49 Uhr – Das Warnschild. Meine Verpflegung muss also für die nächsten 30 Kilometer reichen.

11.59 Uhr – Der River Garry begleitet mich mit seinem Getöse. Sein Wasser ist moorig schwarz. Für das Foto musste ich ein bisschen klettern, da die Straße weiter oben verläuft, mit reichlich Abstand zur Kante der Schlucht.

Und die Regenhose wieder aus, zu warm.

12.18 Uhr – Bis zu den Bergen ist die Sicht klar, damit hoffentlich auch trocken. Ich verlasse hier den Wald. Auf 255 m Höhe.

12.30 Uhr – Blick zurück. Meine Old Road ist autofrei und derzeit auch noch immer regenfrei. Wird es hinter mir etwa doch etwas heller? Es ist so flach, dass ich mit gut 15 km/h fahren kann.

12.50 Uhr – Das Tal wird etwas enger. Auf 362 m, ohne Regen.

13.14 Uhr – Nicht wirklich schön, was da vor mir liegt. Ein Engländer kam mir entgegen, John o’Groats nach Land’s End fährt er, mit Zelt, und war im Juni nicht auf so schlechtes Wetter eingestellt. Heute Abend will er in Pitlochry in ein Hostel mit Badewanne. Der Gegenwind hat ihn ordentlich Kraft gekostet.

12.56 Uhr – Nieselregen setzt ein. Ich ziehe für die letzten 80 Höhenmeter die Regenhose wieder an.

Es wir immer nasser.

Und nasser. Ich kann kaum das Handy bedienen.

Ich mache ein Foto, aber mir scheint das noch nicht der letzte Hügel zu sein.

Nee, war noch nicht die Passhöhe.

Blick ins Tal unter mir.

Blick zurück. Bin mitten in der Regensuppe.

Blick nach vorne.

13.47 Uhr – Jetzt steht hier ein offizielles Schild mit der Angabe 462 m, und mein Navi zeigt 463 m. Also, das ist das Passfoto!

Netter Holländer, der zeltet, kam mir entgegen. Noch ein tapferer Gegenwind-Fahrer.

Blick nach Westen.

Blick nach Norden. Ordentlicher Rückenwind. Jetzt runter. Minimal weniger Regen.

Ich dachte, ich sei schon in den Highlands.

13.58 Uhr – Der Wind schiebt enorm! Wenn ich stehenbleibe für ein Foto, dann rüttelt er richtig an mir.

Schneereste links im Hang. 13° C

Das ist wirklich Schnee!

14.26 Uhr – Brechend voll in diesem Café! Warm! Trocken! Kaffee! Kuchen! Happy!

Und draußen kommt die Sonne raus!!!

14.39 Uhr – Das gibt es doch nicht, oder?!?!?

15.01 Uhr – Die blaue Lücke schließt sich wieder. Die Dreiräder sind von zwei Franzosen auf der Reise von Paris zu den Hebriden, Irland, Roscoff, Toulouse und zurück nach Nizza. Sehr nett! Sprachen zufällig sehr gut Englisch. Haben mir eine sehr professionelle Visitenkarte mit der Internet-Adresse ihrer Homepage in die Hand gedrückt. Interessant, aber mir reicht diese Begegnung, ich muss jetzt nicht mehr wissen von ihnen.

Blick nach vorne. Ich bin im Sonnenfleck. Er bewegt sich aber ziemlich schnell.

Blick nach hinten. Der Regen will mich einholen.

Ich mache ein paar unnötige Sonnenscheinfotos. Wann sehe ich mal so viel von der Landschaft.

15.18 Uhr – Blick zurück: Der Regen kommt näher.

15.40 Uhr – Weiter trocken und autofrei. Aber ohne Aussicht.

15.48 Uhr – Noch zwei Kilometer.

Newtonmore.

15.56 Uhr – Ankunft vor vier Uhr!

17.14 Uhr – Ich habe sehr nett mit Victor gesprochen, einem jungen Mann aus Rumänien, der hier als Gärtner und Hausmeister arbeitet. Bei schönem Wetter fährt er mit dem Mountainbike in die Berge und freut sich sehr an den vielen Tieren, die er dabei trifft. Wir waren uns einig, dass es Kopfsache ist, wie man mit dem Wetter und den Steigungen klarkommt.

Inzwischen habe ich die Brote und den Kaffee von heute Morgen zu mir genommen und freue mich jetzt auf eine heiße Dusche. Ganz toll ist, dass es eine elektrische Heizung gibt, die ich ein und ausschalten kann, wie ich es brauche. 

19.06 Uhr – Jetzt gehe zum Abendessen. Eine ganze Busladung anderer Gäste habe ich vorgelassen.

22.22 Uhr – Wie die deutsche Reisegruppe, habe ich das Menü genommen und dabei entspannt gelesen. Danach habe ich noch die Tageszahlen zu Etappe und Ausgaben vom Blatt in meine Excel-Tabelle übertragen.

22.34 Uhr – Und hier noch einmal eine Gesamtübersicht. Eine Woche weiter und ich bin kurz vor Inverness, dem Ort, den ich unterwegs als Ziel nenne. Anschließend wird es dann Edinburgh sein.

Morgen Abend bin ich dann schon vier Wochen unterwegs. Jetzt habe ich das Gefühl, so richtig im Reisen angekommen zu sein. Das Zimmer gestern ging so, heute ist es toll. Das Wetter heute Morgen war trocken, dann heftiger Regen. Ich freue mich unterwegs immer auf eine warme Dusche und leckeres Essen. Und unterwegs freue ich mich unglaublich über ein Café zur rechten Zeit. Der Regen führt dazu, dass ich Vieles von der Landschaft gar nicht so richtig sehen kann. Das ist natürlich echt schade. Aber es gibt ja noch viel mehr, was ich nicht sehe: Whiskey-Destillerien z.B., oder Schlösser und Parks, oder Aussichten von Bergen. Ich durchfahre die Landschaft, spreche Leute an, halte meine Stimmung hoch. Die sehr nette Dame an der Ticketkasse in Blair Castle sagte zu mir: «Nice to see a happy cyclist!» Und schon bin ich noch happier.

22.46 Uhr – Zwei Tassen Kaffee und die Hälfte der Kekse, die auf dem Zimmer bereitlagen, habe ich nach dem Essen noch verzehrt. Das ist auch sehr gut für die Stimmung. Und jetzt mache ich mich bettfertig.

Gute Nacht!

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