2026 – England – Schottland

Wegen der großen Anzahl an Fotos musste ich den Reisebericht wieder in zwei Teilen ablegen. Dieser erste Teil enthält die Blog-Beiträge vom Anfang bis nach Glasgow.

Hier die Möglichkeit, in einige Abschnitte zu springen:
Ab Ebbsfleet: Fahrt durch London
Ab Cambridge: Fahrt nach Ely
Ab Lancaster: Fahrt durch den Lake District
Ab Dumfries: Fahrt durch die Galloways

Hier geht es zu zum zweiten Teil: Von Glasgow nach Edinburg

Dezember 2025 – Seit Jahren spiele ich mit dem Gedanken, nach über 30 Jahren wieder einmal eine Radreise nach England zu machen. Nun war ich mehr oder weniger überall im einigermaßen erreichbaren Süden Europas (Kroatien, Italien, Spanien, Portugal) und somit rückte die Idee, es einmal mit dem Norden zu probieren, in den Fokus, als ich gleich nach der Rückkehr aus Spanien überlegte, wohin es denn 2026 gehen könnte.

Als grobe Orientierung für die Routenplanung habe ich die europäischen Fernradwege EV1 und EV2 genommen. Sie verlaufen teils auf britischen Fernradwegen. Canterbury, Cambridge und Peterborough will ich besuchen, dann auf der Westseite Lancaster, Lake District und Dumfries. Weitere mehr oder weniger bekannte gotische Kathedralen kamen dabei mit auf die Liste der Reiseziele. Im Familien- und Bekanntenkreis gibt es einige Schottlandfans, die mir touristische Highlights in den Low- und Highlands empfehlen konnten. Erst wollte ich nur bis Glasgow/Edinburgh hinauf, habe mich dann aber doch auch für die Highlands begeistern lassen. Die recht menschenleeren Galloways scheinen mir auch ein lohnenswerte Ziel zu sein.

An- und Abreise

Ich würde gerne von zu Hause aus losradeln. Aber die Woche, die für die Strecke an die Nordsee nötig gewesen wäre, verbringe ich lieber in den Highlands. Die Anreise geht mit der Bahn bis zum belgisch-französichen Grenzbahnhof in De Panne. Bis Dünkirchen und zum dortigen Fährhafen ist es nicht mehr weit. Die Rückreise trete ich bereits in Edinburgh an, nehme den Zug nach Newcastle und abends von dort die Nachtfähre nach Ijmuiden bei Amsterdam. Von Ijmuiden nach Amsterdam radle ich und steige dort in den durchgehenden Zug nach Siegburg. Einundvierzig Tage, knapp sechs Wochen ist die Reise lang, also nur einige Tage kürzer als letztes Jahr.

4. Februar – Die Fähre von Newcastle nach Ijmuiden und der ICE von Amsterdam nach Siegburg sind gebucht. Fehlt nur noch der Zug in Schottland. Noch kann ich dafür keinen Fahrrdstellplatz buchen. Anscheinend gibt es je Zug nur Platz für zwei Räder. Daher will ich das durchaus so bald meine möglich machen.

28. März – Endlich konnte ich auch die Fahrt mit ScotRail von Edinburg nach Newcastle buchen.

Kälte, Regen, Wind

Ein paar Videos von Radreisen in Schottland haben mir ein Gefühl für die Wetterwechsel gegeben, mit denen ich rechnen muss. Mit den doch recht vielen Regenerfahrungen der letzten Jahren und den hochalpinen Pässen, die ich schon gefahren bin, hoffe ich, bezüglich Ausrüstung und Einstellung sowohl technisch als auch mental einigermaßen vorbereitet zu sein. Der Wind allerdings wird wohl diesmal eine noch größere Rolle spielen. Mit heißem Gegenwind, wie nördlich von León oder in Andalusien, ist wohl eher nicht zu rechnen.

Unterkünfte

27. Januar – Alle Etappen sind geplant, alle Hotels gebucht. Noch haben nicht alle bestätigt, dass sie einen Platz für das Rad haben. Es kamen aber schon Aufforderungen, das Rad zu säubern, bevor es ins Haus gebracht wird.

19. April – Bis auf eine Unterkunft haben alle zugesagt, dass sie Platz für das Fahrrad haben, ggf. auf dem Zimmer. Bei der einen findet sich aber bei Booking unter den Fragen anderer Gäste die Antwort, dass sie eine Unterstellmöglichkeiten haben.

Letzte Vorbereitungen

19. April – Ich bin dabei, alle Etappen und Unterkünfte noch einmal durchzugehen. Am Ende kommt dann die Aufteilung in einzelne Tagestouren, damit ich immer sehe, wie weit ich es zur Unterkunft habe.

Einzelne eher schlecht aussehende Feldwege, über die Komoot mich leiten möchte, habe ich schon gefunden und umgeplant.

Es bleiben auch noch einige Besorgungen zu erledigen: einen Regenhut, der den Schirm ersetzen soll, Riemchen für die abgerissenen Stücke an den Radtaschen, etc.

1. Mai – Ich lege immer mal wieder ein Ausrüstungsstück dazu. Mittlerweile ist fast alles beisammen. Die Badehose nehme ich doch mit, auch ein Handtuch. Wer weiß…

Die gerissenen Laschen an den Carradice-Taschen habe ich durch Stücke von einem Riemen an der Lenkradtasche ersetzt, der mit der Klickfix-Halterung nicht mehr gebraucht wird. Die Taschen habe ich alle an einem der vielen sonnigen Tage im April nachgewachst. Die Regenjacke wurde gewaschen und imprägniert. Die Bremsklötze vorne habe ich ersetzt. Der Regenhut ist auch besorgt.

Letzte Vorbereitungen

Montag, 11. Mai, 8.47 Uhr – Jetzt müsste ich alles beisammen haben.

Statt der für Reisen in den Süden immer mitgeführten zusätzlichen Literflasche nehme ich diesmal einen Thermobecher mit. Dann kann die Metalltasse für die Kaffeepausen auch zu Hause bleiben.

Wenn ich mir das Foto und die Liste anschaue, dann sehe ich soviel Kram, dass ich das Gefühl bekomme, das sei viel zu viel. Aber es ist, bis auf ganz wenige Teile, die selbe Packliste wie letztes Jahr.

Und es passt auch alles in die Taschen.

19.42 Uhr – Kurze Probefahrt im Nieselregen. Morgen soll es aber trocken sein, allerdings rechnet man mit böigen Westwind, der mir morgen Nachmittag an der Küste entgegenkommen soll. Nun ja, es ist kein sehr langes Stück, und besser als Regen, und 12°C ist ja auch gar nicht so kalt, und überhaupt: Hauptsache, es geht endlich los.

Di. 12.05. – Bonn – Dünkirchen – 26 km/50 Hm

6.03 Uhr – Aufstehen! Es geht los.

7.00 Uhr – Fertig mit dem Frühstück, jetzt könnte ich los. Aber selbst die frühe S-Bahn, mit der ich 40 min Puffer zum ICE habe, fährt erst um 8.27 Uhr. Der Himmel ist gerade blau, draußen sind es 6° C. Die Eisheiligen werden ihrem Namen gerecht.

7.48 Uhr – Abfahrt.

Dann nehme ich doch einfach den noch früheren Zug. Überall grüne Ampeln und Wind von schräg hinten haben mich sehr zügig vorankommen lassen.

8.31 Uhr – Ach, oh, nein, schade, sowohl unser Ältester, als auch ein Kollege waren für den 8.27 Uhr-Zug am Bahnsteig und wollten mich verabschieden. Das wäre so schön gewesen! Aber ich danke euch herzlich und entschuldige mich, dass ich so ungeduldig und aufgeregt war, dass ich gleich in den erstbesten Zug gestiegen bin.

9.03 Uhr – Ich habe jetzt noch eine Dreiviertelstunde Zeit bis zur Abfahrt des ICE nach Brüssel.

9.41 Uhr – Der ICE rollt pünktlich ein, nur, um es ein bisschen interessanter zu machen, in einen anderen Gleisabschnitt.

9.56 Uhr – Es ist leer im Fahrradabteil, ich kann die hinteren Taschen erstmal dranlassen. Der Zugchef hat mich gerade dazu aufgefordert, das Rad vorne einzuhängen. War mit dem Lowrider etwas fummelig, ging aber.

10.00 Uhr – Kaffee, Croissant, Brote, Buch, Rohkost: entspannen bis Brüssel. Ich habe Zeit und antworte allen, die mir auf meine gestrige Mail eine gute Reise gewünscht haben.

10.58 Uhr – Wir fahren mit fünfzehn Minuten Verspätung in Lüttich ein. Ich bin entspannt, da ich eine Stunde Aufenthalt in Brüssel Midi habe.

Im Radabteil kamen zwei Pilger ins Gespräch miteinander, einer mit Fahrrad. Beim Aussteigen hat dieser eine seiner Taschen am Platz zurückgelassen. Eine Mitreisende hat es wohl bemerkt und ihm die Tasche noch schnell zur Tür gebracht. Das war knapp.

11.38 Uhr – Halt in Brüssel Nord. Hier könnte ich schon in einen früheren Zug nach Gent umsteigen. Mal sehen, vielleicht erreiche ich den ja auch noch in Brüssel Midi.

12.02 Uhr – Bin wohl etwas voreilig in Brüssel Midi in einen Zug eingestiegen, der doch nicht nach Gent fährt. Ein netter junger Mann riet mir, hier in Central wieder auszusteigen.

12.11 Uhr – Zurück über Brüssel Midi, jetzt tatsächlich auf dem Weg nach Gent. Wegen Nahverkehr und viel Zeit bin ich erstaunlich gelassen.

In Gent könnte ich den Zug eine Stunde früher als geplant erreichen. Da er nur stündlich fährt, fände ich das gut. Die Alternative wäre eine kleine Stadtrundfahrt.

Die Dünkirchener Unterkunft hat sich gemeldet. Das Fahrrad darf in den Eingangsbereich, und Frühstück um 7 Uhr ist auch ok. Um 11 Uhr muss ich durch den Check-in der Fähre sein.

So geht Fahrradurlaub mit Kindern.

12.45 Uhr – Gent-Sint-Pieters. Auch hier funktionieren die Aufzüge. In fünf Minuten sollte der Zug nach De Panne kommen.

12.52 Uhr – Der aussteigende Schaffner meinte, das sei ok. Und los geht es.

Die nette Schaffnerin an Bord meinte, ich könne mich ruhig in die erste Klasse setzen und das Rad an der Reling im Gang festmachen: No worries! Sehr schön! Für eine Stunde Fahrtzeit ist das doch viel angenehmer. Das 1. Klasse-Abteil ist völlig leer.

14.09 Uhr – De Panne, hier beginnt die Radtour. Es ist trocken.

14.22 Uhr – Ich fahre am Kanal entlang auf die französische Grenze zu. Rechts hinter mir kann ich in der Ferne die Achterbahn und den Fallturm des Vergnügungsparks Plopsaland sehen.

Der Wind wird durch die Bäume gebremst. Nur noch 15 km bis zur Unterkunft in Dünkirchen.

14.36 Uhr – Ohne Bäume ist der Gegenwind deutlich stärker. Mein erster Chinesischer Morgengruß auf dieser Tour. Was ich heute gut brauchen kann: Freude, Kraft, Zuversicht und Freundlichkeit. Damit fahre ich jetzt weiter nach Frankreich.

14.44 Uhr – Ich betrete französischen Boden. Weiter geht es auf dem EuroVelo 4 bzw 12.

14.51 Uhr – Aber halt, da ist gleich rechts eine Fritterie, so grade noch in Belgien, und ich spüre Hunger, trotz der ganzen leckeren Brote von zu Hause. Leider ist die Küche zu, also Kuchen und Kaffee bestellt, auf Französisch: läuft! In der Unterkunft bin ich erst für 16.30-18.30 Uhr angemeldet. Ich kann mir also viel Zeit lassen.

Und hier das erste Törtchen-Foto.

15.40 Uhr – Die ersten Dünen. Noch 5 km.

16.04 Uhr – Unweit der Unterkunft ist der Strand. Die Wolken sehen bedrohlicher aus, als sie sind. Das Thermometer zeigt fast 20° C.

Restaurants gibt es hier wie Sand am Meer.

Und zum Hafen ist es nicht mehr weit.

16.09 Uhr – Ankunft: wunderbar!

17.05 Uhr – Die erste Wäsche hängt auf der Leine, die erste Dusche war sehr gut und vielleicht gibt es ja sogar Fritten mit Kibbeling hier. Das wäre genial.

Nun ruhe ich ein bisschen. Bin doch erstaunlich erschöpft. Wahrscheinlich von der ganzen Aufregung und dem etwas dollen Gegenwind.

19.27 Uhr – Ich habe noch einen mittleren Promenadenspaziergang gemacht. Über die Ruinen der Vauban-Festung kann man den Belfried in der Innenstadt sehen. Es ist der mittlere der drei Türme. Der rechte gehört zum Rathaus.

Dünkirchen liegt am östlichen Eingang des Ärmelkanals und war schon im Mittelalter von großer strategischer Bedeutung. Der englische König Karl II. hat die Stadt 1662 an den französischen König Ludwig XIV. verkauft, der es daraufhin von seinem Festungsbaumeister Vauban massiv befestigen ließ.

1940 gelang es der Wehrmacht französische und britische Truppen in Dünkirchen einzuschließen. In der waghalsigen Operation Dynamo konnten 330.000 britische und 130.000 französische Soldaten auf dem Seeweg die Stadt verlassen. Auf dem Foto ist der Gedenkort für diese historische Rettungsaktion zu sehen.

In der Sonne ist es wunderbar, fast wie im Urlaub.

19.57 Uhr – Die Restaurants öffnen erst um sieben. Fish and Chips zur Einstimmung. Sie waren bemerkenswert schmackhaft. Dazu gab es Cidre, der mir jetzt zu Kopf steigt.

Oh lala, da brauche ich aber dringend noch einen Espresso.

21.14 Uhr – Zurück in der Unterkunft habe ich die Reisedaten erfasst und schon mal den Blogbeitrag für morgen mit der Etappen-Karte angelegt. Nun lese ich noch ein bisschen und mache dann früh das Licht aus.

Mi. 13.05. – Dünkirchen – Canterbury – 61 km/550 Hm

6.34 Uhr – Endlich Zeit zum Aufstehen. Ich bin sehr oft wach geworden. Mal war es zu kalt, dann zu warm, dann kam das laute Summen, das hier irgendwo aus dem Haus kommt.

Heute sind es wieder zwei Teiletappen. Erst radle ich 22 km zur Fähre, dann 35 km von Dover nach Canterbury. In England könnte es sein, dass der weiterhin lebhafte Wind eher von der Seite als von vorne kommt.

8.14 Uhr – Abfahrt nach einem ausgiebigen französischen Frühstück. Es ist frisch und windig, aber die Sonne kommt durch, nachdem es in der Nacht auch heftig geregnet hat.

8.22 Uhr – Ich kann entspannt auf den tollen Radwegen durch die Stadt rollen. Voraus der Rathausturm.

8.41 Uhr – Die vielen Ampeln bremsen mich enorm. Die Regenwolke liegt etwas östlich, ich spüre nur einige wenige Tropfen.

9.00 Uhr – Jetzt erwischt mich doch ein Schauer und ich ziehe die Regensachen an.

9.17 Uhr – Die Sonne zeigt sich wieder. Unter der Regenkleidung ist mir nicht mehr kalt. Der EuroVelo 12 ist gut beschildert und ich fahre fast immer auf einem Radweg. Noch etwa zehn Kilometer.

9.29 Uhr – Morgengruß: Für heute Zuversicht, Gelassenheit, Gottvertrauen und Humor. Bei der Bewegung «Wasser» (später beschreibe ich den Ablauf nochmal) begann es passend zu regnen und ich musste den Helm mit dem Regenschutz anziehen.

Eines der Flüchtlingscamps, die es an den Kanalhäfen gibt. Die Menschen wollen nach England, irgendwie.

10.02 Uhr – Auf dem letzten Stück. Viele LKWs.

10.17 Uhr – Zwei Kontrollstationen liegen schon hinter mir.

10.21 Uhr – Auch der UK-Zoll hat mich passieren lassen. Meine Taschen wurden an der nächsten Station nicht kontrolliert.

Linie 27 muss ich. Der junge Mann am DFDS-Schalter hatte im Scherz gesagt, die Schlange sei anderthalb Meilen lang. Sieht jetzt aber nicht so aus.

10.57 Uhr – Drinnen gibt es Kaffee und Pain-au-Chocolat, dazu habe ich noch ein bisschen Baguette mit Käse von heute Morgen. Die Klappe an der Fähre ist offen. Mal sehen, wann es losgeht.

Ich kam ins Gespräch mit zwei Belgiern, die mit Zelt auf dem Weg nach Südengland sind. Dann wurden wir drei Radfahrer aufgefordert an Bord zu fahren.

Die Ranpe hinauf müssen wir schieben.

Kein guter Platz für die Räder, finden wir. Meines habe ich mit dem Spanngurt fixiert.

Rechts neben dem weißen LKW stehen die Räder.

11.44 Uhr – Nun sitze ich, noch etwas angespannt wegen der nicht so optimalen Unterbringung des Rads, auf dem Passagierdeck. Ich habe noch Kaffee, Äpfel und Joghurt. Mist, das Müsli ist in der anderen Tasche, die noch am Rad ist.

12.09 Uhr – Ein Vibrieren geht durch das ganze Schiff und wir bewegen uns langsam weg von der Mole.

12.21 Uhr – Wir verlassen den Hafen.

Blick voraus auf das Meer.

13.00 Uhr – Gelegentlich schlägt eine Welle gegen den Bug und Gischt fliegt über das Schiff.

13.07 Uhr – Am Horizont leuchtet es weiß. Das könnten die Klippen von Dover sein. Tolle Stimmung

12.32 Uhr (UK time) – Wir nähern uns der Insel. Bin schon im Netz von O2 UK. Ab hier eine andere Uhrzeit und Linksverkehr!

12.53 Uhr – Man sieht nun auch schon Dover Castle. Aber die Sonne ist weg.

Der Regen zieht nach Osten ab. Dahinter ist eine Lücke von vielleicht einer Stunde.

13.00 Uhr – Im Hafenbecken von Dover. Hier dreht das Schiff wieder, damit wir vom Heck rollen können. Bin ziemlich aufgeregt, was mich hier erwartet. Eigentlich völlig grundlos. Ich gebe mir einfach noch ein oder zwei Tag zum Ankommen.

Die rote Linie führt uns Radfahrer aus dem riesigen Fährterminalgelände heraus. Ein netter junger DFDS-Mitarbeiter ruft mir zu, dass ich weiterfahren muss.

13.39 Uhr – A truly warm welcome! Und Canterbury und London sind schon ausgeschildert.

13.48 Uhr – Oben Dover Castle, rechts das Fährterminal. Jetzt suche ich mir den Weg zum Castle hoch, statt die von Komoot geplante Hauptstraße zu nehmen.

14.00 Uhr – Der Bürgersteig ist der Radweg, oder? Hmpf!

14.06 Uhr – Irgendwo hier war mir 1990 bei der ersten Englandtour mit dem Tandem nach dem ersten englischen Frühstück so furchtbar schlecht. Heute geht es gut. Mir ist aber noch nicht klar, ob ich auf der Straße fahren soll. Auf dem Bürgersteig fühle ich mich erstmal sicherer.

14.16 Uhr – Den Regen da vorne brauche ich nicht. Da fahre ich lieber etwas langsamer. Noch 31 km bis Canterbury.

14.30 Uhr – Der erste einspurige Hohlweg und der erste Regen.

14.53 Uhr – Läuft super, sieht aber nach sehr viel Regen aus. Jetzt könnte ich eine freie trockene Bushaltestelle für eine Müslipause brauchen, also überdacht und mit Bank.

15.05 Uhr – Keine Bushaltestelle, aber immerhin ein Wäldchen, das den ärgsten Wind und Regen abhält.

15.39 Uhr – St. Nicholas of Barfreston aus dem 12. Jhd.

Außergewöhnlich ist das Wagenradfenster im Chor, das nur in der Zeit von 1160 – 1180 in normannischen Kirchen gebaut wurde. Ein sehr schöner Ort für die ersten Taizé-Lieder auf der Insel.

Zwei Engländer aus Devon erzählten mir gerade, dass es die schönste und berühmteste normannische Kirche Englands ist.

Das Tympanon ist wirklich außergewöhnlich. Der Jüngere der beiden wies mich besonders auf die Sonnenuhr rechts unten neben der Säule hin.

16.48 Uhr – Die längst überfällige Müslipause mit dem guten Rapunzel Original Müsli mit Apfelstücken und Joghurt. Keine Bank, kein Dach, aber gerade trocken und Sonnenschein.

Besondere Tiere, die ich heute schon gesehen habe: Eichhörnchen, Rebhuhn, Hase. Wird fortgesetzt.

Noch zehn Kilometer bis Canterbury.

17.08 Uhr – Typisch englisch. Ich bleibe aber weiter auf der kleinen Straße.

Das Fahren in den engen Hohlwegen ist sehr entspannt. Ich lasse alle vorbei und was von vorne kommt, höre ich rechtzeitig. Man fährt relativ langsam und bedankt sich höflich.

Ein Fasan. Man hört sie und sieht sie ständig.

17.19 Uhr – Toll, eine Furt! Diese scheint mir aber etwas zu tief und das Wasser zu schnell zu sein. Ein andermal.

Kurz darauf fuhr ein SUV mit Schwung durch den Bach.

17.41 Uhr – Noch 500 m.

17.45 Uhr – Vorne bei den Türmen geht es auf das Gelände der Kathedrale, die ich auf dem Weg in die Stadt noch nicht sehen konnte.

Das Tor zum Kathedralbezirk.

Die wunderbare Kathedrale.

17.51 Uhr – Ankunft, gleich neben der Kirche.

18.06 Uhr – Der Blick aus meinem Fenster entschädigt für den ganzen Regen und die ganze Aufregung heute. Mit meiner Gästekarte kann ich morgen um zehn noch die Kathedrale besichtigen, bevor ich abfahre. Also habe ich mich für das Frühstück für 8.30 Uhr eingetragen. Mit 72 km wird es morgen also auch wieder spät. Aber egal. Die Kathedrale muss sein.

Der langgestreckte Chor mit den Chorkapellen

Das Westportal mit Elisabeth II. und Prinz Philipp in hellem Stein.

21.10 Uhr – Pizza, Cidre mit viel Wasser, danach Espresso. Jetzt bin ich müde und satt. Es ist ja auch schon 22.10 Uhr nach deutscher Zeit. Für Gäste der Cathedral Lodge gibt es 10% auf die Speisen.

21.51 Uhr – Das Tor war schon zu, als ich zurück kam. Ich habe, wie es mir an der Rezeption erklärt wurde, die Klingel links vom kleinen Tor gedrückt. Dann kam jemand, dem ich die Gästekarte gezeigt habe, und ich durfte hinein.

Tolle Abendstimmung. Das westliche Langhaus ist aus dem späten 14. Jhd.

Das östliche Querschiff stammt aus dem 11. Jhd. und ist noch in romanischem Stil. Der daran anschließende Ostchor, ganz rechts, wurde im späten 12. Jhd. erbaut. 1175, der Baubeginn des Chors, wird als Beginn der Gotik in England angesehen. Den Bau leitete der französische Baumeister der Kathedrale von Sens.

Die eigentliche Englische Gotik beginnt 1180 mit dem Bau der Kathedrale von Wells und 1192 der in Lincoln.

Seit Heinrich dem VIII. die Trennung von Rom befahl, ist der Bischof von Canterbury das Oberhaupt der englischen Kirche.

Das erst Mal war ich 1981 hier, als Zwischenstation auf dem Weg zum Europäischen Treffen in London, das die Brüder von Taizé organisiert haben. Wir wurden abends noch durch die dunkle Kathedrale geführt. Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis.

Morgen gibt es sicher viele Kathedralenfotos.

Jetzt aber Schluss für heute.

Do. 14.04. (Christi Himmelfahrt) – Canterbury – Rochester – Ebbsfleet – 74 km/690 Hm

7.30 Uhr – Wieder eine unruhige Nacht. Ich habe leichte Kopfschmerzen. Draußen ist es trüb, aber es regnet noch nicht. Der Regen soll über Mittag kommen.

Ich brauche neuen Joghurt und Äpfel und möchte auch ein bisschen Bargeld an einem Geldautomaten ziehen. Dafür fahre ich aber nicht suchend durch Canterbury, sondern hoffe auf Bank und Lebensmittelladen irgendwo unterwegs.

Parallel zur Küste geht es nach Westen Richtung Themse und London, teils direkt am Wasser entlang. Mal sehen, ob die Wege bei dem Wetter überhaupt fahrbar sind. Unterwegs möchte ich in Rochester die dortige Kathedrale besuchen.

8.24 Uhr – Jetzt bin ich soweit fertig und könnte frühstücken gehen. Heute ziehe ich die Radhose an und die Laufhose drüber. Beim Herumlaufen sind die Beinlinge unpraktisch, da sie bei diesen Bewegungen rutschen.

Die letzten beiden Tage habe ich, wegen der Zug- und Fährfahrten, die Wanderhose getragen, ohne Radhose darunter. Selbst gestern, auf der 60 km langen Strecke, hatte ich keine Sitzprobleme. Vielleicht ist die gepolsterte Radhose ja eher ein Problem als eine Lösung. Dem könnte ich mal weiter nachgehen.

8.36 Uhr – Im Refektorium-Restaurant ist es fast leer. Man wird am Tisch bedient und kann zwischen Cooked und Continental Breakfast wählen. Ich bleibe bei Müsli, Toast mit Käse und probiere mal Dänische Teilchen. Einen Joghurt lasse ich mir noch bringen, den ich für das Müsli einpacken kann.

Nun, der griechische Joghurt, den ich statt eines Fruchtjoghurts bestellt habe, kam in einem Schälchen. Also habe ich ihn gleich gegessen. Jetzt noch eine letzte Scheibe Toast, dann sollte die Mahlzeit für ein paar Stunden vorhalten.

160 m ist die Kirche lang und damit auf Platz zehn weltweit.

Links der Umgang, rechts die typische Chorschranke.

Hier wurde 1170 auf Befehl von König Karl II. Thomas Becket von drei Männern ermordet.

Die Krypta ist sehr groß, mit mächtigen Rundsäulen, die die Oberkirche tragen.

Jesus-Kapelle am östlichen Ende der Krypta. Das Fensterbild und die Decke weisen aber eher auf Maria.

Der östliche, frühgotische Teil des Langhauses, begonnen 1174, mit Blick in der Chor. Der Chor hat, wie französische Kathedralen, einen siebenteiligen Abschluss und einen Chorumgang. In diesem Teil gibt es noch viele Originalfenster. Der Raumeindruck ist speziell, da sich das Langhaus zum Chorabschluss hin verengt und man alle Säulen auf beiden Seiten sehen kann.

Das Triforium hinter den oberen kurzen schwarzen Säulen ist offen und man kann die Balken des Seitenschiffdachs sehen.

Dort, wo die brennende Kerze im Chor steht, befand sich von 1220 bis 1538 das Grabmal von Thomas Becket bis es auf Geheiß von Heinrich VIII. zerstört wurde.

Die Kapelle der zeitgenössischen Heiligen mit Fenstern über das Leben Jesu. Die Marien-Kapelle darunter trägt sie. Das würde für mich gut passen, auch wenn die Kapellen heute anders heißen.

Blick in das unglaublich lange Langhaus.

Südliches, sehr schmales Seitenschiff.

Ein regelmäßiges Gedenken an die toten Soldaten der englischen Armee und ihrer Verbündeten.

11.08 Uhr – Noch ein Blick in den Kreuzgang, nun ist es Zeit, aufzubrechen.

11.25 Uhr – Einen heftigen Regenguss habe ich noch abgewartet. Jetzt aber mal los!

11.31 Uhr – Seh kühl, aber trocken.

In diesem Theater haben wir uns auf der Tandemtour damals die Canterbury Tales angeschaut, und in dem Hotel rechts haben wir vor etwa zehn Jahren bei einer Südengland-Tour mit dem Auto mal übernachtet.

11.36 Uhr – Durch das Tor geht es aus der Stadt raus, auch wenn ich mich grad wirklich schwer lösen kann.

11.51 Uhr – Von diesem Hügel hier kann man die Kathedrale sehen. 9°C, alles nass, aber grad kein Regen. Noch 69 km.

Bei Regen ist es schwer zu tippen, die Fehler korrigiere ich heute Abend.

Nun bin ich doch auf so einem nur schulterbreiten Weg gelandet.

12.11 Uhr – In den Blean Woods. Die Bäume halten den Wind ab, aber kaum den heftigen Regen. Komme aber recht gut voran.

12.36 Uhr – Morgengruß mit weiter Sicht und leichtem Regen: Freude, Gelassenheit, Neugier, Humor.

13.33 Uhr – Wow, blauer Himmel! Mit etwas Glück für eineinhalb Stunden. Ich nehme Kaffee, Käsetoast und Keks vom Hotelzimmer im Stehen zu mir. Keine Bank, keine Bushaltestelle. Auf Kilometer 24.

13.49 Uhr – Den gröbsten Dreck aus den Blean Woods habe ich mit der Bürste entfernt, die ich auf dieser Reise mal dabei habe. Sauber und gestärkt geht es weiter.

14.00 Uhr – Netter kleiner Supermarkt in Teynham in dem es leider keinen Joghurt gibt.

15.10 Uhr – In diesem riesigen Supermarkt gab es Biojoghurt und einen Apfel. Das Müsli hat super geschmeckt. Jetzt will ich los und stelle fest, dass das Vorderrad platt ist. So ein Mist!

15.29 Uhr – Beim Absuchen der Lauffläche habe ich einen abgebrochenen Dorn gefunden, den ich mühsam mit dem Messer herausoperiert habe. Der Schlauch hat genau an dieser Stelle ein Loch, das ich jetzt eben flicke, statt gleich den neuen Schlauch zu nehmen.

15.53 Uhr – Mit der Handwaschpaste sind die Hände wieder sauber geworden. Die Luft ist noch drin. Weiter!

16.24 Uhr – Hier können die Schornsteinöffnungen aus dem Wind gedreht werden.

16.33 Uhr – Hm, das sieht nach dem Risiko für weitere Dornen aus.

Große Obstplantagen, wahrscheinlich Äpfel.

16.52 Uhr – Durch diese Sperre werde ich wohl schon irgendwie hindurch passen. Aber wozu diese Sperrenkonstruktion? Noch gut zehn Kilometer bis Rochester. Das Hotel habe ich angerufen. Weil aber niemand dranging, habe ich ihnen geschrieben, dass es acht oder neun werden wird.

16.57 Uhr – Jetzt bin ich extra ans Meer gefahren, und wo ist es? Nun ja, es ist ein großes Brackwasserbecken, in das der Medway River fließt, der von Rochester kommt.

Gut befestigt und trocken.

17.08 Uhr – Jetzt mal zügig nach Rochester. Es nieselt weiter, aber ich ziehe die Regensachen nicht an.

Nationaler Radweg aber mit enormen Hindernissen. Ich dachte, dass ich durch die grünen Gatter da hinten passe, und bin knallend am Lenker hängen geblieben. Puh, nix passiert.

18.30 Uhr – Ich kam noch rechtzeitig zur Wandlung in die Himmelfahrtsmesse. Am Eingang stand eine Ordnerin, die mir das Heft für den Gottesdienst in die Hand drückte.

Jetzt ziehen wir in feierlicher Prozession mit Chor und Zeremonienmeister durch die Kirche zum Kreuzgang. Dabei mache ich noch fix ein paar Fotos.

Es sang ein Chor aus Kindern und jungen Erwachsenen. Zwei Priesterinnen und ein Priester zelebrierten. Es wurde sehr viel Weihrauch eingesetzt. Das liebe ich ja. Bei der Kommunion hat die Priesterin alle mit so einer intensiven Freude angestrahlt, dass mir das Herz aufging.

Hat mich sehr gerührt, dass ich diese Kathedrale in ihrer Bestimmung als Gotteshaus besuchen konnte.

Zeremonienmeister, Chor, Zelebranten und Gemeinde ziehen durch das südliche Querschiff.

Der Segen wurde draußen erteilt. Welch eine wunderbare Überraschung, nach dem ziemlich komplizierten Tag heute.

Sie ist nach Canterbury die zweitälteste Kathedrale Englands. Im Wesentlichen ist der Bau noch normannisch. Bald nach der Eroberung durch die Normannen 1066 wurde 1083 mit dem Bau begonnen, die Weihe erfolgte 1130. 1137 zerstörte ein Brand den Chor, der daraufhin in gotischem Stil neu gebaut wurde. Er übertrifft das Langhaus an Größe. Die Obergaden des Langhauses und das Westfenster (über dem Portal oben), wurden im 14. Jhd. erbaut.

Das Tympanon mit Säulen und innen zwei Gewändefiguren.

Direkt gegenüber liegt die Burg, die große Berühmtheit erlangte durch die Belagerungen während der Baronen-Kriege im 13. Jhd. Sie gilt als besterhaltenes Beispiel normannischer Militärarchitektur.

18.40 Uhr – Jetzt aber endlich los. Halt, da ruft unser jüngster Sohn an und gratuliert mir zum Vatertag. Wir quatschen eine Runde. Jetzt aber wirklich los!

Strahlend blauer Himmel, aber kalt.

Blick von der Brücke über den Medway zurück zur Burg.

19.13 Uhr Die tiefstehende Sonne blendet ungemein.

19.41 Uhr – Radweg neben der furchtbar lauten Autobahn.

Uhps, da liegt ein kürzlich umgekippter Baum quer. Noch sieben Kilometer.

20.07 Uhr – Ankunft. Was für ein Tag!

An der Rezeption erfahre ich, dass das Restaurant um neun die Küche schließt. Kommt mir komisch vor. Auf jeden Fall muss ich duschen und die Wäsche machen, weil ich sonst nach dem Essen zu müde bin.

22.34 Uhr – Um 20.45 Uhr war ich dort und konnte noch etwas bestellen. Es reichte anschließend auch noch für ein halbes Pint San Miguel.

Jetzt bin ich satt und ziemlich müde, werde aber zu Rochester und den letzten Stück der Strecke noch ein paar Ergänzungen machen.

23.13 Uhr – Fertig mit den Nachträgen. Morgen klingelt um halb sieben der Wecker.

Fr. 15.05. – Ebbsfleet – London – Tottenham – 72 km/340 Hm

6.41 Uhr – Gestern Abend hatte ich, nach einer unachtsamen Bewegung, einen Krampf im Bein. Ich nehme morgens und abends Magnesium, das mindert das Risiko. Zur Lösung des Krampfs habe ich etwas Franzbranntwein einmassiert. Das hat schnell geholfen.

Ich habe gestern nur sehr wenig getrunken. Vielleicht kommen die Kopfschmerzen daher. Gleich nehme ich ein ASS und trinke den Rest aus der Wasserflasche.

Draußen ist es trocken und leicht bewölkt. Regen ist erst für den späten Nachmittag angekündigt.

Heute radle ich an der Themse entlang in das Herz von London, über Greenwich, Westminster und St. Paul’s.

7.40 Uhr – Ich sitze in der Sonne am Fenster und es ist schön warm. Heute könnte es 13° C warm werden. Immerhin!

Zum Frühstück gibt es leider keinerlei Käse. Aber Müsli, Joghurt und Toast mit Marmelade sind auch ok, also, viel davon.

Kopfschmerztablette habe ich doch keine gebraucht.

8.26 Uhr – Habe relativ lange gebraucht für die Morgenroutine. Das Wetter sieht weiter gut aus.

8.40 Uhr – Die Kette habe ich auch noch eben gereinigt und geölt. War nötig nach der Matschtour gestern. Der Reifen vorne hat keine Luft verloren. Nun los.

Erstmal wieder ein Stück an der Autobahn entlang. Aber mit der Sonne im Rücken.

9.08 Uhr – Hier mal ein Foto von den eingegitterten Fußgängerüberwegen. Man muss fast immer für jeden Abschnitt neu drücken und dann in die nächste Gitterbox kurven. In der Stadt kostet das unglaublich viel Zeit.

9.46 Uhr – Die Straßen sind sehr voll. Ich fahre gemütlich auf dem Radweg und bin froh über die, wenn auch komplizierten Fußgängerampeln. Gleich geht es runter an die Themse.

10.10 Uhr – An der Themse, nach vielen Ampeln, Unterführungen und Wechseln der Straßenseite.

Eine Verladestation nach der anderen. Unterschiedliche Gerüche liegen in der Luft.

Auf dem Themse-Radweg.

Ein Wanderer, Mark, sprach mich an. An seinen langen Wochenenden wandert er rund um die Insel. Dabei will er das Ufer der Themse bis zur Quelle und zurück laufen. Am Stück wären es wohl drei Jahre, die man braucht. Etwa zwanzig Meilen läuft er am Tag. Sah sehr entspannt aus und guter Dinge.

10.41 Uhr – Klärschlammverbrennungsanlage zur Stromerzeugung, die ein bisschen wie eine Kirche aussieht.

10.51 Uhr – Man kann schon die ersten Hochhäuser der Londoner City sehen.

11.07 Uhr – Assembly. Kunstwerk in Woolwich, unweit der ehemaligen Kanonenfabrik.

11.15 Uhr – Immer wieder gibt es alte Kanonenstellungen. Auf der gegenüberliegenden Seite läuft wahrscheinlich ein Kohlekraftwerk.

11.24 Uhr – Themes Barrier Gate mit dem das Wasser bei Ebbe zurückgehalten werden kann.

11.31 Uhr – Die Hochhäuser der Greenwich-Halbinsel mit einem weißen Mast der Seilbahn, die über die Themse läuft. Seilbahn geht hier also, vielleicht auch irgendwann in Bonn.

Hier zweige ich zum Greenwich-Observatorium ab.

11.56 Uhr – Nach einem langen Anstieg und einer Runde durch den Greenwich Park bin ich am Observatorium angekommen.

Blick über die Köpfe der vielen Besucherinnen auf die Hochhäuser der Docklands bzw. Canary Wharf. Die weiße Kuppel rechts ist der Millenium Dome.

Um sich selber auf dem Null-Meridian fotografieren zu können, muss man £24 Eintritt zahlen. Ich suche mir eine Bank und esse mein Mittagsmüsli.

Die englischen Längenmaße.

Sehr leckeres Müsli gegessen. Der Kaffee aus dem Hotelzimmer, gekocht mit den «Tea and coffee making facilities», ist noch schön warm und ersetzt erneut den selbstgekochten.

12.32 Uhr – St. Paul’s und davor die Tower Bridge kann ich erkennen. Ein paar Tropfen fallen. Ich packe zusammen und mache mich auf ins Getümmel der City.

Alles wirklich sehr fotogen hier oben, besonders, wenn die Sonne rauskommt. Jetzt aber weiter!

13.03 Uhr – Eher kleinstädtisch hier. Am Geldautomaten der Post, hier links, hole ich mir mal ein paar englische Pfund.

Kleine Hafenbecken mit Schleusen, die das Wasser bei Ebbe zurückhalten

13.27 Uhr – Wie ein Urwald stehen die Häuser, die älteren erscheinen geradezu winzig.

Im Russia Dock Woodland.

13.46 Uhr – Tower Bridge und die Kuppel von St. Paul’s rechts daneben.

13.53 Uhr – Toller Radweg. Überhaupt ist der Themse-Radweg toll ausgeschildert. Hier sind jetzt deutlich mehr Radler unterwegs, viele mit sehr schnellen E-Bikes.

Schnell ein bisschen Luft nachgefüllt. 3 bar hatte ich nach dem Flicken des Dornenlochs mit der Handpumpe reingepumpt. Gar nicht schlecht. Jetzt sind es aber wieder die notwendigen 3,8 bar.

Alles steht, weil die Tower Bridge hochgeklappt ist. Rechts in dem Hotel, dem grauen Kasten, habe ich mehrfach übernachtet, wenn ich dienstlich hier war. Ich fahre aber nicht hier über die Themse, erst in Westminster.

Das Kreuzfahrtschiff wird durch die geöffnete Brücke geschleppt.

14.38 Uhr – Ausnahmsweise mal ein Hochkantfoto an der Blackfriars Bridge, sonst bekomme ich die beiden Hochhäuser nicht drauf.

St. Paul’s Cathedral ist gut zu sehen und hier ausgeschildert, kommt auf meiner Rundfahrt aber erst später dran.

14.50 Uhr – Westminster Bridge mit separatem Radweg rechts von den Fußgängern. Das gab es 1990 natürlich noch nicht.

London Eye.

Westminster Cathedral.

House of Parliament.

In der Downing Street gibt es gerade Stress. Gestern ist der Gesundheitsminister zurückgetreten. Er will wohl gegen den angeschlagenen Premierminister Keir Starmer antreten. Die Nachrichten hier und in Deutschland sind voll davon.

Kopfkapelle, Lady Chapel, der Westminster Abbey. St. Paul’s ist das dazugehörige East Minster. Die Kapelle wurde 1503-1519 im Perpendicular Style erbaut und gilt als eines der schönsten spätgotischen Bauten Europas.

15.08 Uhr – Französische Hochgotik in England, begonnen unter Heinrich III. 1245 unter Leitung eines Baumeisters aus Reims. Der Stein stammt teils aus Caen in Frankreich, von einer Kanalinsel und dem Loiretal. In Westminster Abbey werden seit Wilhelm dem Eroberer die Könige von England bzw. des Vereinigten Königreichs durch den Erzbischof von Canterbury gekrönt. Heute werde ich die Kirche aber nicht besichtigen.

Es ist total voll. Ständig treten Fußgänger aller Herren Länder ohne zu schauen auf die Straße.

Viel Platz für Radfahrer neben dem St. James Park.

Buckingham Palast. Charles III. kam nicht zur Begrüßung vorbei.

Vorne grüßt aber Queen Victoria. Und weiter.

Trafalgar Square mit Nelson auf der Säule.

National Gallery und St. Martin-in-the-fields.

15.59 Uhr – Breiter Radweg auf dem linken Themseufer.

Die ganzen neuen Wolkenkratzer im Querformat.

Die St. Paul’s Cathedral, die heute ebenfalls nicht besichtigt wird. Ich war aber schon mal drin. Jetzt weiter zum Tower of London.

16.28 Uhr – 22° C im Schatten hier am Tower, mit der Tower Bridge im Hintergrund. Ich kurve noch etwas drum herum, danach geht es nach Tottenham.

Für Schiffe jetzt wieder geschlossene Tower Bridge.

Die viertürmige Burg im Inneren, White Tower genannt, wurde von Wilhelm dem Eroberer bauen lassen. Kurz darauf beauftragte er den Bau der Burg in Rochester.

16.57 Uhr – Minories: In einem der Gebäude auf der linken Seite der Straßé war das erste Büro von T-Motion, für die ich von 2000 bis 2005 von Bonn aus gearbeitet habe.

17.32 Uhr – Mit vielen Radfahrenden auf dem Weg durch die Vorstadt. Noch sechs Kilometer zum Hotel.

Hier stehen ganz viele dieser Fahrradgaragen.

Ein Kanal über den früher Güter in die Stadt geliefert wurden.

Das Wasser, rechts ein großer Park: Hier lebt es sich sicher gut.

Großes Ruderhaus am River Lea.

Mit sehr viel Rennmaterial. Vorne rechts das Fahrtenbuch.

18.12 Uhr – Volle Einkaufsstraße. Brauche viel Geduld. Noch vierhundert Meter.

18.17 Uhr – Ankunft. Bin ja mal gespannt.

18.45 Uhr – Der Check-In und die Unterbringung des Rades haben fast eine halbe Stunde gedauert. Der Barmann musste zuerst noch viele Biere zapfen, dann wusste er nicht, wohin das Rad soll. Er meinte, ich soll es vor dem Haus lassen. Aber ich hatte ja eine Bestätigung von einem der Leute, dass es einen sicheren und trockenen Platz gibt. Es steht jetzt in der Baustelle des Hotel-Eingangs, der derzeit neu und größer gemacht wird.

Als Frühstück gibt es mehrere Päckchen Cornflakes und Milch aus dem Kühlschrank. Der Wasserkocher ist ohnehin vorhanden.

Soweit alles ok. Jetzt duschen und Wäsche waschen, dann geht es auf die Suche nach dem Abendessen.

19.49 Uhr – Sitze in einem Dönerladen ein Stück zurück auf der Hauptstraße. Das Angebot an afrikanischem Essen hat mich heute etwas überfordert.

22.13 Uhr – Ich habe sehr lecker und ausreichend gegessen und dabei dem bunten Treiben, drinnen und draußen, zugeschaut.

Es gibt hier Menschen aus allen Teilen der Welt. Besonders vertreten sind Afrikaner und Leute aus der Karibik, so scheint es. Einige Straßen weiter sah ich viele orthodoxe Juden in traditioneller Kleidung, auch viele kleine Jungs mit Schläfenlocken.

Diese kulturelle Vielfalt ist ein großer Reichtum. Hoffentlich kommen die Leute klar miteinander. Im Dönerladen war es so.

Nach dem Essen habe ich noch Nudeln, Bolognese-Sauce und Käse für das morgige Abendessen im einsamen Cottage und Joghurt und Apfel für Frühstück und Mittagessen gekauft.

22.46 Uhr – Ich habe noch die heutigen Notizen Korrektur gelesen und einiges zur Westmister Abbey ergänzt. Jetzt freue ich mich auf eine ruhige Nacht und morgen eine wieder mehr ländliche Fahrt.

Sa. 16.05. – Tottenham – Debden – 79 km/450 Hm

6.33 Uhr – Ein sonniger Morgen. Um fünf war ich mal wach, ansonsten habe ich gut geschlafen. Der Krampf gestern Abend im Fuß war schnell vorbei.

Die nächsten Tage werden noch etwas wechselhaft, danach könnte es bis fast Ende Mai trocken und zeitweise über zwanzig Grad warm werden. Bin gespannt.

7.18 Uhr – Das einfache Hotelfrühstück. Leider gibt es nur noch ein Päckchen Instantkaffee. Also probiere ich heute mal den englischen Tee mit Milch für unterwegs.

Heute geht es Richtung Nordosten auf Cambridge zu. Ab fünf könnte es regnen. Der Wind kommt von Westen, könnte also manchmal sogar ein bisschen schieben.

8.32 Uhr – Los geht’s.

8.22 Uhr – Ab hier folge ich dem River Lea-Kanal für eine ganze Weile.

Der Mann, der links ankommt, hat mir geholfen, das Rad über die Pöller zu heben.

9.07 Uhr – Im Hintergrund eine Kraftwerksbaustelle von London Energy. Der Mann an der Schleusen-Kurbel ist dabei, sein Boot, links am Rand, zu schleusen. Er hat eine Kanallizenz und muss sein Boot alle zwei Wochen umsetzen. Damit soll dafür gesorgt werden, dass auch die besten Plätze mal wieder für andere frei werden. Aber es halten sich wohl viele nicht daran.

Ab hier wird es ländlich.

9.17 Uhr – Das Wasser gleich neben mir irritiert ein bisschen beim Fahren. Vorhin war der Weg mal ohne den Grünstreifen unmittelbar am Kanalrand. Da musste ich sehr aufpassen.

Das Fahren läuft sehr gut. Aber, ich muss mich um meine Hinterradbremse kümmern. Sie scheint winzige Mengen Öl zu verlieren. Mal sehen, ob es in England Radläden gibt, die Magura-Bremsen reparieren können.

Die kleinen Boote, Narrow Boats, sind irgendwie süß und nicht einmal so breit wie ein Fahrrad lang ist.

9.57 Uhr – Das Lee Valley (hier verwendet man diese Schreibweise, statt Lea) ist ein großes Naherholungs- und Naturschutzgebiet.

Wir haben fast zwanzig Grad. Ich ziehe mal den Pulli aus.

Der Weg schlängelt sich zwischen den Seen und Wasserarmen durch.

Die Wasservögel zetern und schreien. Richtig was los hier.

10.24 Uhr – Ich nutze die Gelegenheit für einen Carrot Cake mit Flat White Latte im Parkcafé.

Beides war sehr lecker. Schade, dass hier noch alles in Einweggeschirr ausgegeben wird.

10.49 Uhr – Ich verlasse das Tal und lasse mich vom leichten Rückenwind (!) den sanften Hang hinauf schieben.

11.03 Uhr – Auf der Landstraße mit viel und schnellem Verkehr. Ich fahre mitten in der Spur. Das klappt, strengt aber an. Also mache ich immer wieder Pause, lasse Verkehr vorbei, sammle Nerven.

11.28 Uhr – Ein entspanntes Stück Radweg kann ich jetzt gut gebrauchen.

11.55 Uhr – In Old Harlow, auf Kilometer 35. Mal sehen, ob es hier eine Radwerkstatt gibt.

12.29 Uhr – Chinesischer Morgengruß mit Blick in die Weite. Für heute: Freude, Zufriedenheit, Gelassenheit, Offenheit.

Ich bin wieder auf einer Landstraße unterwegs, aber mit erheblich weniger Autoverkehr. Bei gutem Wind brause ich mit über 30 km/h die flachen Straßen entlang. Da kommt Freude auf.

12.40 Uhr – Eine trockene Bushaltestelle, aber ohne Bank. In der ehemaligen Telefonzelle daneben habe ich Doris Lessings «Die Geschichte von General Dann….» gelassen. Ein Buch zum Mitnehmen war nicht dabei. Demnächst mache ich mal Mittagspause.

Gerade hielt eine Frau in einem alten Jaguar neben mir an und fragte, ob ich wisse, wo in bin. Na, irgendwo hier halt. Sie wisse nämlich nicht wo sie ist. Sie suche die Cammas Farm. Nun, von der habe ich natürlich auch noch nie gehört, könne es aber suchen, wie sie vielleicht auch. Das alte Auto habe kein Navi, aber, no worries, sie werde es schon finden. Good luck!

Etwas später traf ich sie wieder. Sie winkte einer Frau, die gerade ihr Auto auf den Hof neben ihrem Haus fuhr. Diese konnte den Weg zur Farm erklären, und der alte Jaguar setzte sich wieder in Bewegung.

Ansonsten sind hier eher Porsches, Maseratis, Range Rover und große BMWs unterwegs, und das ziemlich flott. Die Cottages sind wohl etwas für Leute mit Geld. Mich würde der Fluglärm stören. Im Anflug auf Stansted sind die Flieger hier sehr tief und laut.

13.47 Uhr – Der Tower des Flughafens Stansted rangt über die Bäume. Dahinter, weiter westlich, liegt Hatfield, von den englischen Kollegen Hatefield genannt. Dorthin musste T-Motion von Hammersmith aus umziehen, bevor es dann 2005 aufgelöst wurde.

Ich bin an einer Bushaltestelle mit Bank vorbeigefahren, die aber an einer lauten Straße lag. Langsam sollte ich nicht mehr so wählerisch sein.

14.20 Uhr – Eine Bank gegenüber vom geschlossenen Prince of Wales. Hunger!

14.31 Uhr – Der Tee von heute Morgen war noch gut trinkbar. Der griechische Joghurt lässt sich gut mit Wasser verdünnen. Dazu einen halber Apfel ins Müsli geschnitten, das ergibt ein nahrhaftes Mittagessen.

Heute ist übrigens in London eine große Demo von Ultrarechten von «Unite the Kingdom», zeitgleich mit einer Demo für die Rechte der Palästinenser. Viertausend Polizisten sollen Gewalt verhindern. Gleichzeitig findet das Endspiel der FA in Wembley statt. Was bin ich froh, dass ich gestern durch die Londoner Innenstadt gefahren bin. Heute wäre es sicher kaum möglich gewesen.

15.05 Uhr – Hier habe ich einen Roman von Stephan Fry gefunden, den ich mir vorstellen könnte zu lesen.

Ein paar Tropfen fallen, sieht aber nicht nach viel Regen aus. Noch knapp zehn Kilometer.

Die Unterkunft ging nicht ans Telefon. Ich hoffe, es ist jemand da, wenn ich komme.

15.42 Uhr – Debden ist gar nicht mal so klein.

Vorhin sah ich zwei junge Australier mit ihren Rennrädern am Straßenrand. Einer von ihnen war dabei, seinen Schlauch zu flicken. Ich fragte, ob alles ok ist. Sie machen eine Tagestour von London nach Cambridge, fahren abends mit dem Zug zurück.

15.51 Uhr – Am Ziel. Zuerst bin ich vorbeigefahren, dann war das Schild aus der anderen Richtung aber gut zu sehen. Sehr gepflegter Garten.

John hat mir einen Zettel an seiner Haustür hinterlassen, dass er kurz weg ist.

Meine Hütte hinter dem Haupthaus.

Sehr urig. Und das Beste ist der volle Kühlschrank, mit Käse, Wurst, Tomaten, Wein Bier, Milch. Es gibt Toast und Kaffee und Chips. Die esse ich gerade zum Bier am Tisch vor der Hütte. Toller Luxus nach dem einfachen Zimmer gestern. Dazu diese Stille, Vogelstimmen, Wind in den Bäumen, Fasanen rufen, gelegentlich ein vorbeifahrendes Auto. Der Himmel ist verhangen, aber es regnet weiterhin nicht.

16.25 Uhr – Jetzt dusche ich mal und wasche die Radkleidung.

17.19 Uhr – John klopfte, als ich grad beim Waschen war. Ein sehr netter Herr, etwas älter als ich. Der Kühlschrankinhalt ist komplett für mich. Ich werde ihn auch brauchen, da, oh Schreck, die kleine Küche über keine Kochplatte und keinen Topf verfügt. Ich hätte das Nudelwasser ja sonst auf dem Gaskocher erhitzen können. Hm, also Käse, Toast etc. heute Abend. Schade, hatte mich sehr gefreut und habe das gute Kilo Lebensmittel jetzt umsonst mitgenommen. Erst in Inverness habe ich eine Unterkunft mit Küche. Dann werde ich die Sachen wohl hier lassen müssen und einen Zettel schreiben.

Oder hat jemand eine Idee, wie ich die Nudeln mit Soße koche, wenn ich eine Mikrowelle und einen Toaster habe?

17.41 Uhr – OK! Im Netz finden sich natürlich auch Anleitungen für Büroküchen in denen es meist nur eine Mikrowelle gibt. Das probiere ich dann in einer Stunde mal.

Beim Verstauen des Rads traf ich die Besitzer, die im Garten arbeiten. Die Frau, Joan, hat in Cambridge drei Geschäfte, eines für Souvenirs, einen Harry-Potter-Shop und einen für Babysachen. Ich bekäme auch Rabatt. Gut, dass ich ohnehin keinen Platz für Mitbringsel habe, so fühle ich keine Versuchung. Den inzwischen traditionellen Kühlschrankmagneten plane ich aus Edinburgh mitzubringen.

18.24 Uhr – Das Nudelwasser schäumt, es scheint zu kochen. In der Küche gibt es kein Salz, aber ich habe ja welches dabei.

Probiert: fast fertig. Danach dann noch die Soße erhitzen.

Sieht schon mal gut aus.

Ich werde noch zum Food-Blogger: Schmeckt super, doch die Nudeln sind, während ich die Soße erhitzt habe, ziemlich abgekühlt. Also habe ich den Teller inkl. Käse für eine Runde in die Mikrowelle gestellt: fertig! Dazu wurde ein australischer Pinot Grigio serviert.

20.52 Uhr – Im Fernsehen läuft gerade der Film Darkest Hour über die Einkesselung der gesamten britischen Armee in Dünkirchen, und wie Churchill, erst fünf Wochen im Amt, darauf reagiert hat. Er organisierte die Evakuierung mit allen aufzutreibenden privaten Schiffen, so klein sie auch waren, und bestand darauf, keine Friedensverhandlungen mit Hitler aufzunehmen.

21.58 Uhr – Der Film war echt sehr beeindruckend und bewegend, zumal ich Dienstag in Dünkirchen und gestern in London war.

22.41 Uhr – Fertig mit der Überarbeitung des heutigen Blogbeitrags. Jetzt schaue ich mir noch die morgige Etappe an.

So. 17.05. – Debden – Cambridge – 38 km/210 Hm

6.36 Uhr – Auch heute wieder kurz nach fünf wachgeworden, diesmal, um diesen wunderbaren Sonnenaufgang zu sehen. Heute soll es nicht regnen. Für Dienstag und Mittwoch ist Dauerregen angekündigt, bevor dann schönes Wetter kommen soll.

Ich hatte keine Krämpfe gestern Abend und habe keine Kopfschmerzen heute Morgen. Das ist schon mal sehr schön!

Ich folge im Wesentlichen dem Lauf des River Cam.

Cambridge war römischer Posten an der Via Devana, die von Essex nach Chester führte. Nach den Römern kamen die Angeln, dann die Wikinger, dann die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer. Damals wurde der Fluss Granta genannt, die Stadt Grentabridge. Die Universität wurde 1209 gegründet und besteht aus 31 Colleges. Mitglieder der Universität Cambridge haben 125 Nobelpreise erhalten. Man muss an einem College angenommen worden sein, um an der Universität studieren zu dürfen. Fun fact: Die Universitätsdruckerei wurde 1520 von einem Mann aus Siegburg gegründet.

8.56 Uhr – Die Kaffeemaschine war völlig verkalkt. Für meine vier Tassen hat sie eine Dreiviertelstunde gebraucht und ist immer noch nicht fertig. Also lasse ich einen Teil des Wassers drin.

Brote, Rohkost, alles zubereitet und verpackt. Abfahrt in den «Pausentag».

9.05 Uhr – Weiter Blick gen Norden. 15° C und etwas Wind von Westen.

9.24 Uhr – Audley End House, öffnet um zehn, wie mir der freundliche Parkwächter mitteilte.

9.54 Uhr – Auf dem übernächsten Hügel ist die Aussicht toll und die Haltebucht ein guter Platz für den Morgengruß. Für heute: Zufriedenheit, Hören, Neugier, Hier-Ankommen, Dankbarkeit. Ok, es gibt nur vier Himmelsrichtungen, aber Dankbarkeit drängte sich am Ende, zu Recht, noch auf.

10.05 Uhr – Sehr schöne Landschaft. Viele Rennradlerinnen aller Altersstufen sind hier unterwegs.

10.50 Uhr – Bald fängt die Stadt an. Die Wolken sehen nach Drama aus.

10.55 Uhr – Hochmoderner Industriepark.

11.17 Uhr – Kühe grasen auf der Wiese. Das junge Rind läuft extra am Rand entlang, um mich vorbeizulassen. Erinnert mich an eine Wanderung auf den Pic de Canigou in den Pyrenäen mit unserem jüngsten Sohn. Bin kurz vor der Innenstadt.

Vorne beginnt die Innenstadt.

11.23 Uhr – Alle wollen «punten». Die Seufzerbrücke sieht man vom Wasser natürlich besonders schön. Ich lasse sie aus.

Auf der King’s Parade. Links das King’s College. Alain Turing hat hier studiert. Beim Trinity College wurde er wegen schlechter Prüfungsleistungen nicht genommen.

Die berühmte Kapelle des King’s College. Ich radle jetzt mal von Fotomotiv zu Fotomotiv.

Great St. Mary, die Universitätskirche.

Markt.

Wow, hier gibt es sogar anständiges Brot!

Die Round Church aus dem 12. Jhd., mit der an die Grabeskirche in Jerusalem erinnernden Form.

12.55 Uhr – Zwei schöne lange Telefonate, Toastessen und einen Regenschauer später setzte ich jetzt die self-guided hop-on-hop-off (vom Fahrrad) Besichtigungstour fort.

St. John’s College.

Direkt daneben das Eingangstor zum Trinity College.

Mit großem Innenhof und, rechts, der obligatorischer Kapelle.

Leider kann ich erst um 15 Uhr auf das Zimmer.

Rechts Trinity College.

Venedig für Engländer.

Das müsste das Hotel sein.

13.29 Uhr – Auf dem Hinterhof des Hotels. Ich frage mal, ob mein Zimmer schon fertig ist.

Der nette Mensch an der Rezeption geht beim Housekeeping fragen, ob das Zimmer schon fertig ist.

Leider nicht. Ich gebe ihm meine Radtaschen und frage nach dem Evensong im King’s College. Man soll 30 bis 45 min vorher in der Schlange anstehen.

Im Park wird Quidditch gespielt. Ein großes, lustiges Durcheinander, scheint mir. Seit 2022 hat man es aus Protest gegen die transfeindlichen Äußerungen von J.K.Rowling international in Quadball umbenannt.

14.11 Uhr – Ab 15 Uhr kann man sich für den Evensong in der King’s College Chapel anstellen.

14.54 Uhr – Eine Kugel Eis und einen kleinen Spaziergang später steh ich jetzt in der Schlange in der Sonne. Die Schlange hinter mir wächst.

15.14 Uhr – Wir spazieren zum Eingang.

Blick zurück zum Tor.

Beim Einzug. Gebaut, wie ein hochkant stehender Schuhkarton, mit verschwenderischer Pracht.

Im Chorgestühl.

Perpendicular Style, der Stil der englischen Hochgotik, in Vollendung, gebaut 1446 bis 1515 in der Zeit der Rosenkriege zwischen den Häusern York und Lancaster.

17.54 Uhr – Der Knaben- und Männerchor hat wunderschön gesungen, vom Dirigenten lebhaft unterstützt. Zwei Lieder aus dem Gesangbuch wurden von der Gemeinde mitgesungen. Wieder ein sehr bewegendes Erlebnis. Ich wäre nicht darauf gekommen, daran teilzunehmen, wenn wir nicht vor Jahren in Oxford mal bei einem Evensong gewesen wären.

Auf dem Heimweg war es kühler, jetzt regnet es. Die Wäsche hängt an der Leine. Nach dem Regen werde ich zum Essen zurück in die Fußgängerzone laufen.

Der Reiher ist echt!

19.11 Uhr – Ich bin nach kurzer Suche beim Italiener links an der Brücke gelandet. Mein Hunger kann sich sehen, bzw. hören lassen.

So langsam komme ich an. Die ersten Tage war ich wegen Zug, Fähre, spätem Start in Canterbury, plattem Reifen, London und überhaupt allem doch ein bisschen angespannt. Der Regen hat es nicht besser gemacht. Gestern und heute waren dann quasi einfache Radausflüge, mit schöner Landschaft und relativ früher Ankunft. Ich freue mich auf die nächsten Etappen.

20.23 Uhr – Ich hatte immer noch die Dessertkarte vor mir, da hat mich der junge Kellner gefragt, woher ich komme, und mir dann erzählt, dass er mit einem spanischen Freund ein Startup für Personalentwicklungssoftware gegründet hat, gestern mit möglichen Investoren in München gesprochen hat und übermorgen nach Mailand fliegt. Er ist erst 22 Jahre alt und hat seinen Abschluss in Cambridge gemacht. Vom Geld, das er in vielen Stunden hier im Restaurant verdient hat, finanziert er sein Startup, aber die international virtuell arbeitenden Software-Entwickler bekommen noch kein Gehalt, nur Firmenanteile. Mit Marketing für seine Firma war er sehr schnell und überzeugend. Er will vor allem die Welt bereisen, und natürlich Geld machen. Keine Ahnung, warum er mich angesprochen hat. War sehr interessant.

Espresso und Nachtisch. Gab es ja tagsüber nicht.

21.52 Uhr – Statt den etwas launischen Roman von Stephan Fey zu lesen, schaue ich mir «King Arthur» (mit Til Schweiger als Sohn des Sachsenführers) an.

23.26 Uhr – Die Guten haben gewonnen.

Mo. 18.05. – Cambridge – Ely – Chatteris – 62 km/140 Hm

6.36 Uhr – Erst um 5.50 Uhr wachgeworden, keine abendlichen Krämpfe, keine morgendlichen Kopfschmerzen. Scheint besser zu werden.

Strahlend blauer Himmel, aber Regen ist im Anmarsch.

Heute steht wieder eine Kathedrale auf dem Besuchsprogramm. Die Kathedrale von Ely wurde bereits im 11./12. Jhd. erbaut, hat das höchste Mittelschiff Englands und ist mit 164 m um vier Meter länger als die Kathedrale in Canterbury. Viele Gründe, heute den kleinen Umweg über Ely zu machen.

Ich folge erst dem River Cam bis Ely, dann quere ich westlich den Bedford River. Es wird eine flache Etappe. Wahrscheinlich werde ich heute zur Abwechslung mal wieder nass. Macht aber nichts.

8.26 Uhr – Abfahrt!

8.37 Uhr – Es war einen Versuch wert, aber das Magura-Kit für 50£ ist viel zu sperrig und das ihre zu nutzen wäre ja, wie ins Restaurant zu gehen und die Messer benutzen zu wollen. Er hat schon recht, aber warum eigentlich nicht.

8.47 Uhr – Auch hier kein Erfolg.

Ein junger Mann mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit fragte mich an der Ampel, wie weit ich fahre. Ist Inverness weit, habe ich zurückgefragt. Er erzählte dann begeistert, dass er am Wochenende in den Galloways war, die ich ja wegen ihrer Schönheit in meine Strecke aufgenommen habe. Er fand sie ganz toll: «You’ll love it!»

9.10 Uhr – Sehr schöner Morgen.

9.32 Uhr – Sehr meditativer Weg, da ich über die holprige Strecke maximal fünf bis zehn km/h fahren kann.

Rosinante beim Grasen in der Morgensonne.

Morgengruß. Für heute: Gelassenheit, Gesang, Zuhören, Freude.

9.46 Uhr – Über die Brücke muss ich Rosinante tragen, schwer, aber machbar.

Sieht einfach nicht gut aus. Hier kehre ich um und suche mir eine kleine geteerte Straße.

10.10 Uhr – Bin umgekehrt und traf am Parkplatz der Schleuse den netten jungen Mann in Orange. Er riet mir, doch den gesperrten Fußweg zu nehmen, das sei einfach die beste und schnellste Möglichkeit. Ich habe gejammert, dass ich zum dritten Mal über die Brücke muss, und er hat tausendmal «I’m sorry!» gesagt.

Rosinante passt auf den Millimeter in dieses Gatter. Am Ende der Fußwegpassage soll ein Tor sein, über das ich das Rad heben muss. Aber danach sei alles super easy «I promise!». Bin gespannt.

Der nette Mountainbiker rechts hat mir beim Rüberheben von Rosinante geholfen. Erst die Taschen ab, dann das Rad rüber. Da ist eine dritte Hand sehr willkommen.

Hier nochmal, obwohl doch der junge Mann nur von einem Gatter gesprochen hat, » I promise!». Der Mountainbiker heißt Dan, ist fünfzig und hat Rückenprobleme. Er radelt an seinen freien Tage einfach drauflos. Er hat von Radreisenden gehört, aber nie einen getroffen. Die Begegnung inspiriere ihn, sagt er.

10.32 Uhr – Endlich an der Teerstraße. Das waren jetzt unterhaltsame fünfundvierzig Minuten.

10.40 Uhr – Hier beginnt die «Radautobahn» mit Rückenwind.

10.54 Uhr – Mit fast dreißig fliege ich dahin. Über mir kreisen zwei Milane, eine Lerche zwitschert.

11.02 Uhr – Im Wicken Fen. Auch auf diesem Belag komme ich sehr schnell voran.

Heute ist Brückentag.

11.39 Uhr – Die beiden Gravelbiker von der Schleuse kamen mir grad entgegen und wir haben lange gequatscht. Der eine hat letzte Woche seinen Job gekündigt, um ab Juli monatelange auf dem Rad unterwegs zu sein. Zusammen wollen die beiden in drei Abschnitten von Nordfinnland nach Portugal (European Divide) radeln. Der im orangen Trikot ist letztes Jahr von Land’s End nach John o’Groats gefahren und hat in Schottland beim Zelten eine Mückenplage erlebt. Anfang Juni und mit Hotels sollte es aber ok sein, meinte er.

Das Quatschen hat super Spaß gemacht. Weiter!

11.51 Uhr – Wicked Fen Visitor’s Centre.

Nicht gerade warm hier drin, aber eine Pause kommt jetzt gut, und der Kuchen und der heiße Kaffee sind sehr lecker!

Das Naturschutzgebiet ist das erste, das 1899 vom National Trust übernommen wurde. Das Moor liefert immer noch Riedgras für Hausdächer. Es gibt hier eine hohe Biodiversität, die gepflegt und gefördert wird.

12.17 Uhr – weiter!

12.43 Uhr – Ob das wohl schon die Kathedrale von Ely ist?

12.52 Uhr – Ja, das ist sie.

Der frühere Klosterbereich ist von einer langen Mauer umgeben.

Von Süden gesehen. Es gibt hier eine kleine Tür, aber ich muss einmal um die Kirche herum zum Westportal.

Die Kapelle rechts ist im Perpendicular Style erbaut mit einer außergewöhnlichen Breite, die das Gewölbe überspannt.

Die Westfassade.

Ein ungeheuer langer Raum, der nicht durch eine Lettner-Mauer geteilt ist.

Die prächtige Bemalung der Decke ist aus dem 19. Jhd. Man kann sie über einen Spiegel sehen, ohne sich den Kopf zu verrenken.

Romanisch-normannischer Stil mit dreigeschossigem Wandaufbau.

Nördliches Seitenschiff.

Das in Holz erbaute Oktogon in der Vierung. Die Laterne in der Mitte ist ebenfalls achteckig, aber versetzt. Diese unvergleichliche Konstruktion ersetze den 1322 eingestürzten Vierungsturm.

Die Heilige Etheldrida (Edeltraud) ist die Schutzpratonin der Kirche. Sie war ab 673 die erste Äbtissin des von ihr als Doppelkloster gegründeten Klosters von Ely.

Die Marienkapelle aus dem 14. Jhd. Über dem Altar eine blau gekleidete moderne Marienstatue. Die Kapelle war einst vollständig bemalt und die Fenster aus Buntglas.

Statuen und Fenster wurden in der Reformation zerstört. Auch der Schrein der Etheldrida wurde zu Staub zerschlagen.

Der neue Chor für den Schrein der Heiligen im 12. Jhd. im gotischen Stil gebaut.

Das prächtige Tor des Priors auf der Südseite ist voller Symbolik und war einmal ebenfalls bunt bemalt.

14.21 Uhr – Während ich in der Kirche war, hat es geregnet. Tolles Timing.

14.55 Uhr – Ich wollte es nicht glauben, aber der nette Mann im Radladen um die Ecke meinte, ich solle es im Obergeschoss des Spielwarenladens versuchen. Die Fahrräder im Fenster im ersten Stock hatte ich beim ersten Umschauen nicht gesehen. In beiden Läden haben die Mechaniker montags frei. Aber hier konnte ich das Magura-Kit und eine Flasche Hydraulik-Öl kaufen. Damit versuche ich es heute Abend. Jetzt habe ich Hunger und brauche eine trockene Bank, da es tröpfelt.

15.25 Uhr – Bis jetzt ist es trocken geblieben. Toast und Müsli waren gut. Jetzt in der Regenjacke weiter.

So, die Fotos sollten jetzt hochgeladen sein. Hier ist der Empfang oft schlecht.

16.43 Uhr – Ein langes Stück im Regen auf einem Radweg neben einer lauten Hauptstraße habe ich schon hinter mir. Als die Sonne raus kam, habe ich die viel zu warmen Regensachen wieder ausgezogen. Hier ist es jetzt ruhig. Im Augenblick warte ich die letzten Tropfen eines Schauers ab. Die Sonne kommt schon wieder raus.

17.03 Uhr – Ich bin wieder in einem Fen, es ist völlig flach hier und nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Noch vier Kilometer.

17.17 Uhr – In Chatteris. Noch hundert Meter.

17.18 Uhr – Ankunft.

17.27 Uhr – Ich mache mich gleich an die Arbeit.

Ich hoffe, es ist das richtige Öl, denn das Originalöl von Magura ist blau, während das hier grün ist. Der Mann im Radladen hatte aber nachgeschaut und gemeint, dass es geeignet ist. Mal sehen.

18.11 Uhr – Die Bremse reagiert jetzt erstmal wieder so, wie sie soll. Puh! Die Kette habe ich auch noch geölt. Jetzt duschen, waschen und entspannen, dann zum Abendessen runter ins Restaurant.

18.59 Uhr – Eine unerwartete Hürde tat sich auf, dabei wollte ich nur duschen. Ein Miniboiler hängt in der Dusche, Power und Temperature klar markiert. Weil nichts passierte, habe ich das Informationsheft konsultiert. Dort steht, man müsse den On/Off-Button betätigen. Den gibt es aber nicht. Von der Decke hängt eine Schnur, dazu klebt ein Hinweis an der Wand «Emergency Pull Cord». Die habe ich mal lieber nicht gezogen, sondern habe mir grad was angezogen und bin barfuß runter. «Everything ok?» Nein! Der nette Manager ist gleich mit mir hoch in den zweiten Stock und hat, man ahnt es, an der Emergency Pull Cord gezogen. Alles klar!

Natürlich habe ich mich entschuldigt, wie man das hier als höflicher Gast tut.

Jetzt merke ich langsam den Hunger!

20.34 Uhr – Die Pizza hatte massig Käse. Leider war sie ein bisschen mit der plastikbeschichteten Serviette darunter verschmolzen. Aber egal. Nachtisch und Espresso gibt es jetzt auch noch. Danach vielleicht sogar noch ein kleines Verdauungsbier.

Am Nachbartisch sitzen sechs Vogelbeobachter, die zeitgleich mit mir eincheckten. Alle trugen große Fernrohre bei sich. Sie erzählten vorhin dem Wirt, welche Vögel sie im Wicked Fen gesehen haben.

Das war ein sehr ereignisreicher Tag mit viel Natur, bemerkenswert vielen interessanten Begegnungen und einer beeindruckenden Kathedrale. Morgen gibt es wieder gegen Mittag eine Kathedrale. Der Mensch muss ja ein Hobby und ein Ziel haben.

Di. 19.05. – Chatteris – Peterborough – Glaston – 75 km/505 Hm

6.23 Uhr – Gut geschlafen, obwohl ich mehrfach wach geworden bin. Draußen ist es trüb und es nieselt. Es kommen aber auch Regenlücken, also kein Grund, im Bett zu bleiben.

Heute geht es im Wesentlichen nach Westen. Die Stadt auf der Mitte der Etappe ist Peterborough. Auch auf die Kathedrale dort freue ich mich sehr. Der Wind kommt sogar etwas aus Osten, bzw. Nordosten. Klingt schon mal nicht nach Gegenwind.

8.24 Uhr – Windig und sehr feucht. Aber kein Regen. Abfahrt!

Der Verkehr in meiner Richtung ist recht gering. Der Rückenwind ist genial.

8.38 Uhr – Das waren sehr schnelle vier Kilometer. Jetzt bin ich auf einer Nebenstraße.

Guter Platz für den Morgengruß: Zuversicht, Geschicklichkeit, Gelassenheit, Dankbarkeit.

Die Regenjacke ist zu warm. Ich ziehe die Windjacke an.

9.23 Uhr – Mit um die dreißig km/h auf leerer Landstraße habe ich jetzt schon 19 Kilometer hinter mir. Hier kommt jetzt eine beschauliche Moor-Tourismus-Strecke. .

Die Hinterradbremse funktioniert prima! Puh!

10.05 Uhr – Auf diesem windexponierten Damm llege ich ganz schön schräg im Seitenwind. Der Seitenwind schiebt mich aber auch.

10.14 Uhr – Nach schnellen 31 km bin ich schon trocken in Peterborough.

10.30 Uhr – Der Marktplatz von Peterborough. Wegen der Baustelle, die man auf dem Foto oben sieht, musste ich, ganz flexibel, auf der OpenFietsMap auf meinem Navi eine Alternativstrecke suchen.

An der Ostseite des Platzes befindet sich das Tor zum Kathedralenbezirk.

Diese Westfassade hat mich schon fasziniert, als ich sie vor sicher zwanzig Jahren zum ersten Mal in meinem Kathedralenbuch gesehen habe. Sie ist mit diesen weiten hohen Bögen einzigartig, zumal die Bögen nicht der Größe der drei Schiffe des Langhauses entsprechen. Der mittlere Bogen ist schmaler als die äußeren und alle drei sind gleich hoch.

Die normannische bzw. romanische Abteikirche war 1193 fertig. Die frühgotische Vorhalle wurde in den Jahren 1201 bis 1220 vor die romanische Fassade gesetzt. Sie wird als das schönste frühgotische Bauwerk Englands bezeichnet.Über dem linken Bogen sieht man einen der beiden Türme der romanischen Fassade. Der andere wurde nicht zu Ende gebaut. Der noch spätere kleine Anbau in der Mitte vor dem mittleren Bogen ist von 1370 und wirkt wie ein Windfang. Ich finde, dass er stört.

Die Kirche ist Peter, Paul und Andreas geweiht. Borough ist der alte Name für Burg. Da das erste Kloster befestigt war, hat sich aus dem Schutzpatron und der Burg Peterborough als Name für den kleinen Ort eingebürgert.

Gegründet wurde das Kloster 655 von Penda von Mercia als geistliches Zentrum für sein Reich, das eines der sieben angelsächsischen Reiche war. 870 zerstörten die Wikinger das Kloster. Im 10. Jhd. wurde eine Benediktinerabei gegründet und finanziell reich ausgestattet. Bei der Eroberung durch die Normannen wurde die Anlage nur beschädigt, brannte aber 1116. Der Sage nach rief der Bäcker den Teufel um Hilfe als er einmal das Feuer im Ofen einfach nicht in Gang bringen konnte. Der Teufel hat dann mit dem Feuer in der Kathedrale ganze Arbeit geleistet.

Auf dieser Bank mit Blick auf das Portal nehme ich ein kleines zweites Frühstück, bevor ich die Kirche besichtige. Der Kaffee ist noch richtig heiß und das Käse-Schinken-Sandwich aus dem Hotel sehr lecker.

Das romanische Langhaus ist zehn Joche lang. In Ely sind es zwölf. Es gibt keinen Lettner, der die Sicht in den Chor versperrt. Das hölzerne Chorgestühl aus dem 19. Jhd. steht im Langhaus, vor der Vierung.

Ein Bischofssitz wurde die Klosterkirche erst 1541 bei der Aufteilung des riesigen und damit mächtigen Bistums von Lincoln.

Der Raum unter dem nördlichen Turm wird als wesentliches Querschiff bezeichnet.

Drei Geschosse, klare Rundbögen, aber schon Säulendienste. Eine Empore im zweiten Geschoss, das dritte wirkt mit der Säulenarkade eher wie ein Triforium. Die Fenster und die Blendarkade wurden später im gotischen Stil hinzugefügt.

Die Bemalung der Holzdecke ist noch aus dem 13. Jhd. Sie ist einzigartig in Britannien und eine von vier Decken in ganz Europa. Sie ist eines der größten erhaltenen Gemälde aus dieser Zeit. Nach dem Einsturz der steingewölbten Kathedrale in Lincoln, der auf das große Gewicht des Gewölbes zurückzuführen war, hat man hier eine Holzdecke gebaut. Den Vierungsturm hat man im 14. Jhd. zur Sicherheit teilweise wieder abgetragen, um das Gewicht auf die Fundamente zu reduzieren. Peterborough liegt in sumpfigem Gebiet der Fens, wie wir schon wissen.

Sonne scheint in das südliche Seitenschiff. Die Gewölbekapitelle sind schmucklos. Wulstiges Kreuzrippengewölbe.

Ich habe die Führung um 11.30 Uhr gebucht. Die Dame ist Germanistin und kennt Deutschland sehr gut. Hier jetzt einige Fotos, Text kommt später.

Chor im romanischen Stil.

In der Vierung steht ein Dino-Skelett. Witzig!

Die Tür links führt zu einem kleinen Balkon von dem aus ein Mönch die hier ausgestellte Oswald-Reliquie bewacht hat, die mal jemand woanders gestohlen und nach Peterborough gebrach hat. Die Kapelle ist noch aus dem Vorgängerbau.

Grab von Maria Stuart, die hier in der Nähe auf Geheiß Elisabeth I. 1587 hingerichtet wurde. 1612 hat Marias Sohn, Jakob I. von England, ihr Grab nach Westminster verlegen lassen.

Gasofen, wie man sie in vielen englischen Kirchen findet. Leider ausgeschaltet. Ich friere.

Die östliche Chorwand wurde Ende des 15. Jhd entfernt und das rechteckige New Building im Perpendicular Style angebaut.

Der Baumeister hat auch die Kapelle des King’s College in Cambridge gebaut, siehe vorgestern.

Der Baldachin aus dem 19. Jhd. ist die Kopie eines solchen in Rom.

Grab von Katharina von Aragón, der ersten Frau Heinrichs VIII. von der er sich scheiden lassen wollte. Da der Pabst keine Erlaubnis gab, hat er sich zum Oberhaupt der Kirche von England erklärt und damit die Reformation eingeleitet. Katharina starb 1536.

Die Reliquien aller Kirchen wurden im Zuge der Reformation auf Geheiß Heinrichs VIII. zerstört. Die Inneneinrichtung der Kathedrale von Peterborough wurde 1643, etwa hundert Jahre später, im Bürgerkrieg zwischen König und Parlament durch die Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell zerstört.

Hier sieht man, wie schmal der die Vorhalle, also der Fassadenvorbau ist.

13.32 Uhr – Zwei Stunden interessante Geschichten von der Führerin, bin total durchgefroren und gleich ins Cath Café gerannt. Draußen ist es deutlich wärmer als in der Kirche.

14.07 Uhr – Jetzt geht es mir besser. Ich habe noch vierzig Kilometer. Es kommt nochmal ein Schauer.

14.20 Uhr – Viel schöneres Bild mit etwas blauem Himmel. Nun radle ich mal langsam los.

Das Becken für den hiesigen Ruderclub.

14.50 Uhr – Wildwasserkajak-Anlage. Der River Nene ist bis Peterborough von Ebbe und Flut geprägt, es gibt aber ein Stauwehr östlich der Stadt.

15.12 Uhr – Nerven sammeln und ab ins Verkehrsgetümmel. Hoffentlich mit Rückenwind.

15.29 Uhr – Auf 50 m Höhe angestiegen, mit böigem Wind von schräg vorne. Alle 500 m fahre ich aus der Spur raus und hole Luft. Ich fahre etwas links von der Mitte der Spur. Die meisten Autofahrer blinken beim Überholen, das entspannt, weil die Autos dahinter gewarnt sind.

15.59 Uhr – Eine schöne Bank im hübschen Dorf Elton, die ich für die Müslipause genutzt habe. Der griechische Joghurt von Samstag war noch gut. Weiterhin trocken und böig.

Sehr hübsches Cottage aus Kalkstein. Wie in Burgund.

Die Kirche in Peterborough ist aus Kalkstein aus einem Steinbruch ganz in der Nähe der Stadt. Ely und die frühen Cambridge Colleges haben auch diesen Stein genutzt. Der Steinbruch war für Peterborough eine wichtige Einnahmequelle.

16.37 Uhr – Auf 56 m Höhe, Wald, Wiesen, Auf und Ab. Ein langes Regenband vor mir. Da muss ich wohl durch.

17.00 Uhr – In Apethorpe – Schöne Dorfkirche für ein gesungenes Gebet in Freude und Dankbarkeit.

17.15 Uhr – Es schüttet und ich warte noch ein bisschen hier im trockenen Eingang. Noch 17 Kilometer.

Egal, los!

17.59 Uhr – Ich wäre fast vom Rad gefallen vor Hunger, bzw. Unterzuckerung. Ich habe das Zittern und muss dringend etwas essen. Mit Müsliriegel und Nüssen hoffe ich die letzten zehn Kilometer bis zum Abendessen noch zu schaffen.

Harringworth Viaduct, 1166 m lang mit 82 Bögen. 1878 gebaut ist er der längste im Vereinigten Königreich.

Fascinating!

Wie eine Schlange in der Landschaft. jetzt muss ich aber wieder aus dem Tal raus und dann noch durch ein weiteres. So wird die schnelle, leichte Fahrt heute Morgen doch ziemlich kompensiert. Mental war ich noch im Flachlandmodus.

18.49 Uhr – Am Ziel.

20.36 Uhr – Der junge Barmann ist etwas kompliziert. Er meinte, ich solle das Rad draußen am Zaun anschließen. Dabei hatte ich eine Email, dass man eine Lösung für einen trockenen Platz finden werde. Jetzt kann ich es wohl in den Vorratsraum der Küche stellen. Nun gut, nicht gleich zuvorkommend, aber ok.

Das Chicken Curry war sehr lecker. Als Nachtisch gibt es Homemade Crumble mit Eis (heute statt dem klassischen Custard) und Kaffee. Ich muss ja auf ausreichende Kalorienzufuhr achten.

Nebenbei ergänze ich den Blogbeitrag.

21.46 Uhr – Die nächsten Tage soll es trockener und wärmer werden. Das würde mich freuen, macht einfach mehr Spaß. Aber heute war ok, den größten Teil des Tages war es trocken und sogar mit Rückenwind. Bin müde.

Mi. 20.05. – Glaston – Nottingham – 75 km/690 Hm

6.24 Uhr – Keine Krämpfe, nur ganz leichte Kopfschmerzen. bis um sechs durchgeschlafen.

Heute ist die Fahrtrichtung etwas mehr nördlich und damit etwas aus dem Wind heraus, der wieder stark sein wird. Auf der Hälfte der Strecke liegt Melton Mowbray. Dort fanden im 18. und 19. Jhd. gerne Fuchsjagden statt. Das Ziel Nottingham ist aus Robin Hood bekannt. Dort gibt es aus dem 9. Jhd. Sandsteinhöhlen, die als Wohnungen genutzt wurden. 1642 nahm der englische Bürgerkrieg hier seinen Anfang, als Karl I. sein Banner auf der hiesigen Burg hisste. Großartig etwas zu besichtigen gibt es nicht. Sollte mal ein reiner Fahrtag werden.

Hier noch die versprochene Erläuterung zum Chinesischen Morgengruß: Gerade stehen, die Hände vor den Augen, die Ellenbogen auf Schulterhöhe. Dann öffne die Arme («öffne die Tore») führe die rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger nach oben zum Himmel, und die linke zur Erde, mache dabei mit dem rechten Fuß einen Schritt nach hinten («oben der Himmel, unten die Erde») . Dann beide Hände zum Herzen («und mitten drin nur ich, Leonhard»). Dann mit hängenden Armen vorbeugen und sie ausgestreckt nach oben führen («Feuer»). Dann langsam die Hände von oben am Körper entlang mit sich bewegenden Fingern runterführen («Wasser»). Dann schaut man sich um, dreht sich einmal im Kreis. mit ausgestreckten Armen. Der rechte Arm zeigt dabei mit nach oben offener Hand in Blickrichtung, der linke mit Handfläche nach unten ist hinten. Nach der Drehung holt man sich mit der ausgestreckten rechten Hand etwas für den Tag aus jeder Himmelsrichtung, was einem so einfällt, und führt dabei jedesmal die ausgestreckte Hand zum Herzen, und streckt sie dann in die nächste Richtung. Z.B. Gottvertrauen, Kraft, Zuneigung, Freundlichkeit. Dann mischt man das alles mit beiden Händen auf dem Bauch gut durch und schleudert mit den Händen zur Erde weg, was man heute loswerden möchte. Dann die Hände flach vor der Brust zusammenlegen, wie zum Gebet, und zum Himmel führen, wie ein wachsender Trieb, oben die ausgestreckten Arme öffnen und in einem weiten Bogen wie eine sich öffnende Lotusblüte die Hände weit vom Körper nach unten führen. In einer Bewegung kommen die Arme überkreuzt nach oben und man umarmt sich selbst («umarme deinen Tiger»). Dann in einen breiten Stand wechseln, die Hände auf die Oberschenkel stützen und kraftvoll und energiegeladen in den Tag blicken.

8.30 Uhr – Abfahrt. Tief hängende Wolken, böiger Wind, trocken.

8.38 Uhr – Nur ein kurzes Stück vom Hotel entfernt tat sich dieser Blick auf in ein kleines Tal. Heute wird es öfter rauf und runter gehen.

Morgengruß: Entspannung, Achtsamkeit, Energie, Freundlichkeit.

9.08 Uhr – Es ist mit 14° C und leichten Steigungen zu warm für den Wollpulli. Ich ersetze ihn mal durch die Armlinge.

9.38 Uhr – Die Dorfkirche in Egleton ist offen. Aus Gründen der Gemütlichkeit besuche ich sie mal.

Sehr schönes romanisches Tympanon.

Löwe und Einhorn halten das Wappen über dem Bogen.

10.03 Uhr – Habe ein bisschen meditiert. Der Tag ohne Highlight und mit beruhigend gleichförmiger Landschaft macht mich grad ein bisschen melancholisch. Jetzt meditiere ich auf dem Rad weiter.

10.43 Uhr – Beim Tesco in Oakham habe ich Baguette, Käse und Schinken gekauft, um das Müsli ergänzen zu können. Das Wetter hat die Zeit genutzt, um die Sonne rauszulassen.

Auf der Suche nach Trockenfleisch haben mich zwei junge Angestellte durch den ganzen Markt geführt. Einen Ersatz für mein wackeliges Multi-Ladekabel habe ich nicht gefunden.

11.01 Uhr – Hinter mir die Seen und Wasserreservoire von Rutland Water.

11.32 Uhr – Wie schon gesagt, ziemlich gleichförmig. Die nächste Bank ist für mich reserviert. Für Brot und Käse mit Kaffee.

11.53 Uhr – «That hill’s a killer» sagte die Frau also ich nach 14% Steigung oben bei ihr und ihren Hunden ankam. Die reservierte Bank war in einer sauberen Bushaltestelle, aber mit Blick auf einen schmutzigen Stall. Jetzt sause ich also hier noch runter und nehme die nächste Bank.

12.09 Uhr – Mittag und auf der Mitte der Etappe. Jetzt also Mittagessen!

Marktplatz von Melton Mowbray.

12.37 Uhr – Es fing an zu nieseln, aber das macht mir mittlerweile nicht mehr so viel aus. Unter dem Bäumchen auf dem Marktplatz habe ich Brot und Käse gegessen, dazu heißen Kaffee getrunken. Ich nehme zur Sicherheit noch ein bisschen Müsli, um dem Hungerast vorzubeugen.

Auf der Suche nach einem windgeschützten Platz.

13.18 Uhr – In der kleinen überdachten Einkaufspassage bin ich fündig geworden.

13.52 Uhr – Nach einem schönen Telefonat mit Zuhause mache ich mich mal wieder auf.

14.27 Uhr – Jetzt rolle ich in eine weite Ebene.

15.42 Uhr – Das Pub in Strezza hat zwar Kaffee, aber keinerlei Süßes dazu. Also habe ich mich für Limo und Chips entschieden. Wir haben etwa 18° bis 20° C, mehr, wenn die Sonne mal rauskommt. Aber der böige Wind von schräg vorne nervt mich, auch hier wuselt er durch den Garten.

Gleich komme ich an den River Trent, dem ich bis Nottingham, gegen den Wind, folge.

16.21 Uhr – Grantham Canal.

16.32 Uhr – River Trent. noch vier Kilometer.

16.42 Uhr – Der Bahnhof von Nottingham ist schon mal ganz ansehnlich.

Liam, ein Radfahrer, sprach mich an, fragte ob ich eine «Tar» mache. Bis ich mal verstanden hatte, dass er Tour meinte. Er hat mir gleich empfohlen, wo ich morgen lang fahren soll. Er will den Gotthard nächstes Jahr fahren und mal den Camino laufen.

17.02 Uhr – Die Burg auf dem Sandsteinfelsen und darunter, links, «The oldest inn in England». Davon gibt es aber drei in Nottingham.

Der hier behauptet von 1189 zu sein.

Eingänge zu den Höhlen, die im zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt wurden.

Nottingham Castle. Wahrscheinlich müsste ich es belagern, um reinzukommen. Dafür fehlt mir aber heute irgendwie die Zeit.

Mit blauem Himmel ist alles gleich viel schöner!

Marktplatz. Nicht romantisch, aber groß.

17.24 Uhr – Ankunft.

Rosinante ist ganz aus dem Häuschen, weil er mal wieder mit auf das Zimmer und sogar die Wäscheleine halten darf.

Der Raum hat keine Angst im Dunkeln, man kann ruhig das Licht ausmachen: witzig!

18.49 Uhr – Im Kino, das Liam mir empfohlen hat, beginnen die Vorstellungen alle vor 20 Uhr. Das wird mir zu hektisch. Mal sehen, vielleicht klappt es in einer der nächsten Städte.

19.25 Uhr – Nach dem Chicken Curry gestern ist heute wieder Pizza dran. Anschließend Tiramisu und Espresso.

20.44 Uhr – Das war sehr lecker. So richtig satt bin ich von der großen Pizza zwar nicht, aber den restlichen Hunger stille ich beim Frühstück.

22.24 Uhr – Heute hatte ich gegen Ende etwas Probleme mit dem Sitzen. Daher habe ich vorhin die Wundersalbe aufgetragen. Morgen will ich auch von der eher warmen Laufhose auf Beinlinge umsteigen, da es doch etwas wärmer geworden ist.

Noch kurz ein Blick auf die Karte. Gut 500 km liegen nun schon hinter mir.

23.04 Uhr – Zeit zum Schlafen.

Do. 21.05. – Nottingham – Swinscoe – 70 km/600 Hm

6.30 Uhr – Gut geschlafen, auch wenn um 4:00 Uhr die Glascontainer im Innenhof geleert worden.

Morgendlicher Blick über die Stadt. Links sieht man die Burg, rechts die Kuppel des Rathauses am Markt.

7.49 Uhr – Viel Müsli, Brot mit Käse und Schinken, Baguette mit Marmelade, dazu eine Menge Kaffee zum Frühstück gegessen: Das sollte bis Mittag reichen.

Heute fahre ich viel in westliche Richtung. Der Wind kommt von Süden, also nicht direkt von vorne, und er scheint etwas schwächer zu werden. Es könnte, bis auf ein paar Tropfen, trocken bleiben und wieder gut 20° C warm werden.

Besonders interessant wirkt Derby nicht. Könnte wieder ein ruhiger Fahrtag werden.

8.39 Uhr – Abfahrt.

Protected Bikelane. Prima Sache, aber das Wechseln der Straßenseite ist teils kompliziert. Einmal musste mir ein entgegenkommender Radfahrer helfen.

Fahrradstraßen gibt es hier auch.

9.03 Uhr – Schloss des Industriellen Jesse Boot, Lord Trent.

9.18 Uhr – Gut ausgeschildert.

Drückampel, auch für Reiterinnen. Auf der anderen Straßenseite ist der Knopf auch auf einer angemessenen Höhe für Reitende angebracht.

10.21 Uhr – Fast 20 km durch die Stadt und ihre Randbezirke. Jetzt bin ich auf dem Land, neben dem verlandeten Derby-Kanal, der 1796 fertig gestellt wurde.

10.42 Uhr – An diesem Wehr wird Wasser vom River Derwent in den Kanal abgeleitet.

10.50 Uhr – Sehr schöner breiter Radweg. 20° C und etwas schwül. Ich ziehe besser mal die Windjacke aus.

11.17 Uhr – Sehr schöne Pausenbank am Alvaston Lake in Derby, nicht weit vom Stadtzentrum.

Gänse mit ihren Jungen in den Gänseblümchen.

11.34 Uhr – Die Innenstadt liegt links.

Die Kathedrale von Derby. Der Turm ist noch aus der Hochgotik. Davor das Denkmal für Charles Edward Stuart (Bonnie Prince Charles), der 1745 mit seiner Armee auf dem Weg nach London war, um den König aus dem Haus Hannover zu stürzen, und hier in Derby umkehrte. Ein Sieg schien aussichtslos.

Derby war ein Zentrum der industriellen Revolution. 1717 gab es hier die erste wasserbetriebene Seidenspinnerei. Bis heute ist es ein Zentrum der Eisenbahnindustrie. Hier wurde die erste Diesel-Elektrische-Lokomotive gebaut. Seit 2021 ist es Alstom, die hier Züge bauen.

Der hochgotische Kirchturm.

Einer der Gedenkplatten an die Errungenschaften der Stadt.

Ehemaliges Gefängnis, heute ein Businesspark.

Arbeitersiedlung, nehme ich an. Viele Häuser sind zu vermieten.

12.35 Uhr – Schöner Park, guter Radweg. Ich lege die Ärmel der Windjacke und die Beinlinge ab. Und schmiere Arme und Beine mit Sonnenmilch ein. Wir haben über 20° C. Probeweise habe ich mal den Spiegel montiert. Er behindert etwas beim Schalten, da er auf der rechten Seite ist und ich dort am meisten schalte. Wenn er zu sehr stört, nehme ich ihn wieder ab.

Verspäteter Morgengruß: Freude, Selbstzufriedenheit, Rhythmus, Freundlichkeit.

12.59 Uhr – Eine ältere Dame setzte sich neben mich. Bis hierher schaffe sie es mit ihrem kaputten Knie noch. Früher, in den Achtzigern, sei sie mit ihrem Mann auf dem Tandem in acht Tagen von Land’s End nach John o’Groats geradelt. Ihr Mann ist letztes Jahr gestorben. Er war Atomenergie-Ingenieur. Zwei ihrer drei Kinder leben leider auch schon nicht mehr. Sie ist 88 und während COVID hierhergezogen, wegen der Kinder, die jetzt nicht mehr leben. Sehr traurig, aber sie wirkte sehr tapfer.

Sie zog los, als ich mit dem Spiegel beschäftigt war. Ich sah sie später vor ihrem Bungalow stehen und habe ihr gewunken.

13.13 Uhr – Alte Bahntrasse, langweilig, aber schnell.

Bei Sonne ist wieder Farbe möglich!

13.58 Uhr – Die Hecken sind hier ausnahmsweise mal flacher, ich kann darüber hinweg die Landschaft sehen.

14.40 Uhr – Auf dieser, zur Jahrtausendwende gestifteten Bank habe ich noch einmal Kalorien nachgefüllt: Kleiner Rest Baguette von gestern, Brie, Trockenfleisch. Noch 13 km mit einem längeren Anstieg. Da kann ich mir auch noch ein Café unterwegs leisten.

15.17 Uhr – Auf der anderen Seite des Tals beginnt der Peak District.

15.43 Uhr – Kein Café, aber schon mal bei Halfords ein neues Multi-Ladekabel und bei M&S zwei Joghurts gekauft. Noch fünf Kilometer den Berg hinauf.

15.58 Uhr – Brücke über den River Dove. Leider muss ich auf einer Kategorie-A-Straße fahren, könnte einer Bundesstraße entsprechen. Solange es geht, nehme ich den Bürgersteig.

Hmpf, da vorne hört der Fußweg auf. Das wird hart.

16.20 Uhr – Der Verkehr auf meiner Seite ist nicht sehr dicht. Für LKWs halte ich am Rand an, der Rest braust meist einigermaßen anständig vorbei. Nur noch 1200 m.

Auf 265 m Höhe mit toller Aussicht. Bisher waren 200 m Höhe das Höchste. Noch 900 m.

16.33 Uhr – Am Etappenziel. Yeah, geschafft!

19.13 Uhr – Hinter dem Haus gibt es einen kleinen Park mit Bungalows. In meinem hätten drei Leute Platz. Praktisch sind der überdachte Carport und die Möglichkeit quer zu lüften. Das sollte beim Wäschetrocknen helfen. Heute habe ich mal die Windjacke gewaschen.

In den nächsten Tagen steigt hier die Temperatur auf bis zu 29° C an, in Derby werden 30° C erreicht, in Lancaster, an der Westküste, noch 23° C. Klingt erstmal gut.

Ich frage mich ja auch immer, was alles in den Taschen ist. Da sind zum Beispiel die Armlinge und Beinlinge, warme und dünne Radkleidung, Medikamente, Badehose und Strandhandtuch, könnte ja sein, dass ich sie brauche, sowie die Regenkleidung. die ich heute nicht gebraucht habe. Bei schönem Wetter sind die Taschen voller, da ich weniger Kleidung selber trage.

Mit dem Auf und Ab komme ich klar, A-Straße ohne Radweg ist halt übel. Morgen muss ich noch ein kurzes Stück auf dieser Straße fahren.

Zum Nachtisch gibt es heute Abend mal Peach Crumble mit Custard. Wurde mir empfohlen! Schmeckt gut!

21.55 Uhr – Ich habe die Fahrdaten und Ausgaben, die ich täglich abends erfasse, von der Papierliste in die Excel-Tabelle auf dem Tablet übertragen. Soweit fertig für heute. Frühstück morgen erst um acht, ich kann also mal ausschlafen.

Fr. 22.05. – Swinscoe – Weston – 58 km/510 Hm

7.26 Uhr – Lange und ausgiebig geschlafen. Ich bin aber mehrfach aus einem unangenehmen «Ich kann etwas nicht finden»-Traum aufgewacht.

Könnte damit zu tun haben, dass ich gestern Abend zum zweiten Mal die Radtaschen nach der zweiten Merino-Unterhose abgesucht habe. Nach der positiven Erfahrung am Canterbury-Tag wollte ich gerne mal ausprobieren, wie es ist, wenn ich sie unter der Radhose trage, da ich schon länger den Verdacht habe, das Kunststoff-Material des Polsters scheuert. So, jetzt mal aufstehen.

9.00 Uhr – Es ist warm, die Sicht ist klar. Ich werde mich schon gleich jetzt mit Sonnencreme einschmieren.

9.06 Uhr – Abfahrt.

Ich fahre weiter auf die Westküste zu. Der Wind kommt im Wesentlichen aus Süden, hilft also wenig, könnte aber schwächer sein als gestern. Ich fahre lange am Caldon Canal entlang, Stoke-on-Trent umfahre ich. Ich hoffe auf Cafés oder Pubs an der Straße.

9.17 Uhr – Nur noch 1,4 km auf der A523. Läuft gut.

9.22 Uhr – Hier gibt es jetzt Steinwälle statt der Hecken. Die Landschaft wirkt gleich ganz anders.

Jetzt bin ich auf einem Feldweg und lasse mich langsam bergab rollen.

9.34 Uhr – Weiter hinunter in ein kleines Tal.

Hier blüht und duftet noch der Weissdorn und die Bäume sind noch nicht vollständig grün.

Die Staffordshire Moorlands gehören noch zum Peak District. Ich bin gerade am roten Punkt.

Und hier ein riesiges Zementwerk, das ich schon von oben hatte sehen können.

10.04 Uhr – Auch die Kühe genießen den Ausblick.

10.12 Uhr – Auf 350 m Höhe mit sehr schöner Aussicht, wenn auch etwas diesig. 24° C zeigt der Tacho.

Jetzt werde ich die lange Abfahrt auf dem kleinen Teersträßen genießen.

Dieser Fasan ist wirklich schönes Tier, sitzt in Ruhe auf der Mauer und lässt sich nicht stören.

11.03 Uhr – Museumsbahnhof Cheddleton mit teils sehr gut hergerichtetem Wagon-Material.

Hier stoße ich auf den Kanalradweg, flach, schattig, windgeschützt.

In diese Schleuse passt genau ein Narrow Boat.

Am roten Punkt sieht man, wo ich inzwischen bin.

Tatsächlich, die fahren auch!

Alles sieht gleich aus, daher ist es sehr praktisch, dass die Brücken nummeriert sind.

Keine Brücke, sondern ein kreuzender Kanal, also ein Aquädukt.

11.46 Uhr – Pause auf einer Bank in der Sonne. Vier Radler in meinem Alter hielten an und fragten, wohin ich unterwegs bin. Einer von ihnen macht auch mehrtägige Radtouren. Nette Truppe.

Hier ist richtig was los, noch mehr Radler und Boote. Die Boote sind sehr leise. Sie dürfen maximal fünf bis sieben Meilen fahren, hatte der freundliche Bootsmann nördlich von London erzählt. Einen Führerschein braucht man nicht.

11.57 Uhr – Das ist wie im Urlaub heute. Mal entspannt weiter.

Der Hausbootclub von Stoke-on-Trent.

12.20 Uhr – Hier gibt es jetzt öfter diese kleinen Klappbrücken. Viele der nummerierten Brücken haben nur für die Bauern die Wiesen auf beiden Seiten miteinander verbunden.

Ich bleibe auf dem Treidelpfad, statt den Bogen durch die Vororte von Stoke-on-Trent abzukürzen. Schöner hier!

13.03 Uhr – Habe jetzt fast zwanzig Minuten mit einem Engländer, Alan, etwas älter als ich, gesprochen, der viele Jahre als Soldat in Deutschland war, Berlin, Osnabrück, etc. Im Sommer radelt er mit seinen Army-Kumpels wieder Coast to coast. Er hat ein Dawes-Rad mit 531er Reynolds Rohren. Er hat auch gefragt, ob meine Vorderradbremse links sei. An englischen Rädern ist sie rechts. Alan konnte noch ein paar Worte Deutsch. Was er an Deutschland merkwürdig fand, war, dass man das Auto nicht vor dem Haus waschen darf und die Wäsche nicht am Sonntag draußen aufhängt.

Er hat viel erzählt, und wir haben sehr nett gefachsimpelt.

13.16 Uhr – Später Morgengruß: Freude beim Zuhören, Freude am guten Wetter, Kraft für die Anstiege, Hier-Ankommen.

Bahntrasse mit Tunnel. Wow!

13.56 Uhr – Kein schönes Pub im Grünen, aber es gab Fanta Lemon. Jetzt suche ich mir eine Bank für das Müsli.

15.20 Uhr – An einer Kreuzung in Alsager. Schattiger Platz für die Müslipause und ein schönes Telefonat mit Zuhause. Noch elf Kilometer. Der Tacho zeigt 31° C im Halbschatten. Der böige Wind macht es angenehm. Weiter.

Ich habe erfolgreich die Bahngleise überquert. Die Beschreibung auf der weißen Tafel klingt aber, als ob man erst beide Gatter aufmachen soll, dann queren. Wie auch immer.

16.08 Uhr – Ankunft am Ziel, mit Biergarten!!

18.32 Uhr – Im Biergarten kann man nur etwas trinken. Mit einer Limo habe ich noch eine Weile draußen gesessen. Danach folgte die Ankunftsroutine, mit waschen, duschen und entspannen. Zum Entspannen lege mich auf das Bett und gehe, wie bei der Endentspannung am Ende der Yoga-Stunde, mit dem rechten Daumen beginnend den ganzen Körper durch, alle Finger, alle Zehen einzeln, die Gelenke und alle Körperteile. Anschließend habe ich heute auch mal wieder Atemzüge gezählt, von 54 runter bis 1.

Den Blogbeitrag habe ich jetzt auch nochmal durchgelesen und korrigiert bzw. ergänzt. Mittlerweile kann ich mich aber nur noch schwer konzentrieren, da direkt vor meinem Fenster im Erdgeschoss schon die Partiemusik der privaten Feier läuft, die heute hier stattfindet. Mal gespannt, wie lange das geht. Rosinante musste mit auf das Zimmer. Sonst scheint es keinen trockenen Platz zu geben. Ich gehe jetzt mal was essen.

19.47 Uhr – Der Chicken Burger mit extra Schinken und Käse war enorm groß und sollte bis morgen Abend, oder so, reichen. Das Pint of Lager gibt mir dazu die nötige Alkoholkonzentration. Ich muss ja nicht mehr fahren.

21.49 Uhr – Boah, der Krach draußen ist schon schwer auszuhalten. Ich versuche es mal mit Ohrstöpseln und mache die Fenster zu, die ich für das Trocknen der Wäsche noch offen habe.

Bisher lief die Musik nur als Hintergrund, jetzt wird vor meinem Fenster getanzt und mitgesungen. Immerhin sind die jungen Leite gut gelaunt. Sie sollen ihren Spaß haben. Die Musik ist eigentlich auch gar nicht so schlecht.

22.20 Uhr – Die zweite Merino-Unterhose hat sich zu Hause finden lassen. Hm, ich dachte, sie stände auf der Packliste. Dann halt für die nächste Tour.

Mit den Ohrstöpseln aus meinem Notfallpäckchen (Es enthält Dinge wie Feuerzeug, Messer, Schere, Pinzette, Stift, 20€, Vaseline, ..) geht es etwas besser. Noch ein Sudoku, dann ziehe ich mir die Decke über den Kopf.

Sa. 23.5. – Weston – Chester – 47 km/180 Hm

7.21 Uhr – Mit den Ohrstöpseln bin ich eingeschlafen. Als ich um halb eins wach wurde, war es draußen völlig ruhig. Danach bin ich mehrfach aufgewacht und habe viel Wasser getrunken, weil ich Durst hatte. Ein Bier als letztes Getränk abends ist einfach nicht gut.

Um kurz vor fünf fing es an mit leichten Kopfschmerzen. Vor einer Stunde habe ich dann doch mal eine Tablette genommen, die erste dieser Reise. Noch merke ich keine Wirkung. Also besser mal aufstehen und mit Kaffee dagegen angehen.

9.09 Uhr – Die Kopfschmerzen sind besser geworden. Es ist etwas bewölkt, das ist auch gar nicht schlecht. Der Wind kommt aus Westen, also von vorne, aber nicht sehr stark, wenn ich das richtig verstehe.

9.21 Uhr – Abfahrt.

Heute geht es noch einmal weiter nach Westen. Nach zehn Kilometern kommt Nantwich, nach 26 km Beeston Crag, eine Burgruine aus dem 12. Jhd., die auf einer Anhöhe liegt. Oliver Cromwell hat sie 1646 schleifen lassen. Chester wurde 79 von den Römern gegründet. Wilhelm der Eroberer ließ eine Festung bauen. Die Stadtmauer ist noch fast vollständig erhalten. Die Kathedrale, in Teilen noch aus dem 11. Jhd. scheint sehenswert.

10.07 Uhr – Nach sehr gemütlichen zehn Kilometern bin ich in Nantwich. Im Park am Fluss und auch hier in der Stadt hat fast jeder einen Hund dabei. Das Foto soll aber zeigen, dass es Bäckereien gibt! Morgen und übermorgen bekomme ich in der Unterkunft kein Frühstück, muss mir also Vorräte zulegen oder eine Bäckerei aufsuchen.

Sehr einladend, aber zu früh.

Hübsche Kirche, ich geh mal kurz rein.

Hier ist viel Betrieb, ein Pfingst-Event der Gemeinde, sehr lebendig.

Interessante Blüten. Was das wohl ist?

Rechercheergebnis: Fackellilien, auch Raketenblumen genannt. Vielen Dank nach St. Augustin!

11.12 Uhr – Tilly’s Bunbury: Endlich ein Café für Radler, ausschließlich Radler, scheint es. Mir kamen auch schon sicher zwanzig entgegen.

11.47 Uhr – Sehr nett mit anderen Radlern erzählt. Ein fünfundsiebzigjähriger Mann macht 13.000 Meilen im Jahr. Er ist früher Rennen gefahren. Die Räder sehen hier alle teuer aus. Das nächste Café soll an der Ruine Beeston sein. Das ist gleich um die Ecke. Man müsse einfach die Facebook-Seite des lokalen Radclubs aufsuchen, dort würden alle Cafés empfohlen.

Endlich mal mit der richtigen Herde zusammen zu sein macht sehr viel Spaß. Beschwingt bin ich weiter gefahren.

11.56 Uhr – Da vorne ist die Burg schon. Schon schön, dass auf dem Weg nach Norden alles von der Sonne angestrahlt wird.

12.16 Uhr – Bezahlt und jetzt rauf auf den Hügel.

Auf dieser Fläche hat man Reste einiger bronzezeitliche Rundhäuser und viele Artefakte aus der Zeit gefunden.

Rekonstruktion eines Hauses aus der Zeit von 800 v.Chr. Sie wurde nur mit den auch damals genutzten Werkzeugen nachgebaut.

Die beiden Guides mit den roten Polo-Shirts können jedes Detail erklären.

Feuerstelle, links Betten.

Webstuhl.

Jetzt zur Burg. Die moderne Brücke ist ein gelungener Ersatz für die Zugbrücke.

Tolle Sicht heute.

Liverpool und Chester sind von hier gut zu sehen.

Wir sind nur fünfzehn Kilometer von der Nordgrenze von Wales entfernt, die wahrscheinlich bei den Hügeln am Horizont liegt.

Es gibt durchaus ein paar schöne Fotomotive hier oben.

Keine Hunde sondern viele junge Familien.

13.24 Uhr – Gleich neben dem Eingang ist ein weiteres fahrradfreundliches Café. Das hatten mir schon die netten Radler erklärt. Ich habe aber auf einer Picknickbank innerhalb der Mauer mein Schinkensandwich aus dem Hotel gegessen.

Nur noch etwas mehr als zwanzig Kilometer zu fahren. Das Zimmer ist ab 15 Uhr fertig. Das passt also.

13.43 Uhr – Blick zurück mit Kanal-Café.

Gestern habe ich noch damit gehadert, dass es keine Cafés an der Straße gibt. Und heute kommen gleich mehrere!

Der Burgberg im Hintergrund. Hier wurde schon Heu gemäht, aber vielleicht nur für Silage.

Das ist mal ein großer Heuwender!

14.29 Uhr – Kurzer Stopp in St. Peter’s in Waverton.

Viele Jungs in weiß, weit verstreut über einen Rasen: Cricket?

15.11 Uhr – Am Kanal entlang in die Innenstadt von Chester.

Sehr eng hier, direkt unterhalb von der Stadtmauer wurde dieser Kanal in den Sandstein geschlagen. Der River Dee fließt auf der anderen Seite der Stadt.

Drei Schleusen direkt hintereinander. Hier fahre ich vom Kanal weg auf den Stadthügel hinauf.

Über die Straße kann man weit nach Westen in die Ebene schauen. Die Stadt liegt ziemlich erhöht.

Es ist so voll, da fällt der kleine Elefant Janya gar nicht auf.

15.22 Uhr – Der Eingang zur Kathedrale, die im roten Sandstein erbaut ist. Das Portal wurde im 16. Jhd. im Perpendicular Style hinzugefügt.

Einer der Vorgängerbauten wurde von Leofric, Earl of Mercia und seiner Frau, der legendären Lady Godiva, gestiftet.

Im Wesentlichen ist der Baus aus dem 12./13. Jhd. im gotischen Stil erbaut.

Prächtige Fachwerkhäuser bestimmen das Stadtbild.

Die Eastgate Clock aus dem 19. Jhd.

15.33 Uhr – Ankunft.

16.07 Uhr – Habe mich etwas beeilt, jetzt sitze ich rechtzeitig zum Evensong im Chorgestühl der Kathedrale.

Mittelschiff

Chor, wo der Evensong stattfand. Am Ende fragte mich mein Sitznachbar, ob ich von weit her gekommen sei. Er besucht demnächst seinen Neffen in Heidelberg.

Lady Chapel hinter dem Chor.

Westfenster.

Nördliches Querschiff. Hier sieht man noch einige Rundbögen der romanisch-normannischen Abteikirche.

Kreuzgang aus dem 16. Jhd. mit Fenstern, wohl gegen die Kälte.

Eines der vielen ausgestellten Stoff-Kunstwerke.

Bargeld ist wirklich nicht mehr nötig in England. Selbst die Kerzen zahlt man bargeldlos. Eine Kerze für alle zu Hause, eine für alle, denen ich hier begegne.

Jetzt kommen noch ein paar mehr Fotos von typischen Fachwerkhäusern von denen es hier wirklich viele gibt.

In den alten Häusern gibt noch viele kleine Geschäfte.

Aber auch größere. Einen kleinen Tesco-Supermarkt habe ich aufgesucht, um Brot, Käse, Joghurt Apfel und Müsli für das Frühstück und den Tag morgen zu kaufen. Die Einkäufe wollte ich am liebsten sofort verspeisen. Hunger, nehme ich an.

19.40 Uhr – Jetzt sitze ich beim Thai und trinke Zitronenlimonade. Die Limonade ist so intensiv, dass ich sie mit Sprudel verdünne.

Reispudding mit Kokoseis zum Nachtisch.

20.47 Uhr – Jetzt denke ich, dass ich satt bin. Morgen kann ich ja frühstücken, wann ich will, also z.B. um sieben Uhr.

21.03 Uhr – Ich mache noch, wie viele andere, einen Abendspaziergang auf der Stadtmauer.

River Dee.

Ich laufe nicht ganz um die Stadt, sondern zurück bis zur Uhr.

Römische Ruinen mit rekonstruierter Hypocaust-Anlage.

Blick in die abendliche Eastgate Street.

21.44 Uhr – Das war ein sehr abwechslungsreicher, sommerlicher, unterhaltsamer Pausentag, bzw. 50-Kilometer-Tag, mit früher Ankunft am Etappenziel.

Jetzt lese ich noch etwas und schlafe früh, hoffe ich. Ruhig ist es hier jedenfalls.

Noch vielen Dank für die prompte Recherche zu den mir unbekannten Blumen an der Kirche in Nantwich. Die Info ergänze ich grad noch.

So. 24.05. (Pfingsten) – Chester – Liverpool – 54 km/140 Hm

6.28 – Gut geschlafen, keine Krämpfe, kein Kopfweh. Wolkenloser Himmel draußen.

Gestern Abend habe ich, statt zu lesen, den Film «King Otto» gesehen. Spannende Doku darüber, wie Otto Rehagel 2004 die griechische Nationalmannschaft zum Europameistertitel geführt hat.

8.30 Uhr – Im meinem Riverside-Zimmer gab es drei Tassen Kaffee, Müsli, Baguette mit Käse: ein leckeres Frühstück!

Alles ist gepackt, mal sehen, ob schon jemand im Pub ist, da Rosinante in der Vorratskammer übernachtet hat.

8.39 Uhr – Die junge Putzfrau war mit ihren zwei Kindern im Pub. Rosinante hat sich anscheinend gut benommen. Los geht’s.

Heute fahre ich ans Meer und etwas um die Ecke. Den River Mersey quere ich mit der stündlich fahrenden Fähre.

8.53 Uhr – Hier findet heute einer von landesweit mehreren «Race for Life»-Marathons als Spendenaktion für die Krebsforschung statt. Habe den netten jungen Mann, der auf der Kreuzung steht angesprochen.

An dieser Ecke der Stadtmauer stoße ich wieder auf den Kanal, dem ich jetzt westwärts folge.

9.05 Uhr – Hier verlasse ich den Kanal und fahre über die Brücke Richtung Meer.

9.14 Uhr – Auf einer alten Bahntrasse.

9.18 Uhr – Ich überquere die Grenze zu Wales.

9.47 Uhr – Marschland. Im Hintergrund Geläut, das genauso klingt wie in Taizé.

Ich fuhr an den beiden auf dem Foto vorbei und hörte das Wort Café. Hab sie unterbrochen und gefragt, wo es eines gibt. Noch etwa zehn Minuten!

Burton Marsh.

9.58 Uhr – Das angekündigte Radler-Café!

Großartig! Ziehe jetzt wegen der intensiven Sonne in den Schatten um. Der Karottenkuchen ist total lecker.

10.31 Uhr – Das wird heute wohl auch eher ein Pausentag. Langsam mal wieder los in den kühlenden Fahrtwind.

11.17 Uhr – Weiter auf der (langweiligen) Bahntrasse mit vielen Bänken mit Aussicht auf den River Dee. An Flint, der Hauptstadt der Flintshire, die auf der anderen Seite des Ufers liegt, bin ich schon etwas vorbei.

Sehr angenehme Temperatur hier im Schatten der Bäume, die rechts und links der Trasse stehen.

11.34 Uhr – Die Mündung des River Dee in die irische See. Irgendwo dahinten liegt die Isle of Man und noch etwas weiter Irland.

12.00 Uhr – Am Strand in Hoylake bei West Kirby.

12.06 Uhr – Ich habe mich nach einiger Zeit der Unentschlossenheit nun für diese Bank hier entschieden. Hier gibt es Kaffee, Baguette mit Käse und etwas Müsli. Ich bin nun in etwa an der Westspitze der Halbinsel zwischen den Flüssen Dee und Mersey. Ab hier fahre ich gen Osten auf Liverpool zu.

12.44 Uhr – Der Wind, der vom Meer kommt, ist kalt Auf der riesigen Sandfläche wird gewandert und geritten. Wellen bzw. Brandung kann ich von hier aus gar nicht sehen, so weit ist das Wasser weg.

Ich breche mal wieder auf, zum Aufwärmen.

Könnte ein Schwimmbad sein, vielleicht im Sommer.

In der Ferne die Hafenanlagen von Liverpool.

Burg mit Golfplatz

Der sandige Abschnitt ist heikel, ist aber fahrbar.

13.25 Uhr – Strandbetrieb. Es wird voller.

13.46 Uhr – Hier wird es richtig voll. Ich würde gerne die Fähre um 14.20 Uhr kriegen.

13.56 Uhr – Die Skyline von Liverpool. Endlich Rückenwind und 30 km/h.

14.08 Uhr – Punktlandung! Zuerst bin ich am Eingang des Terminals vorbeigefahren. Aber eine Dame, die ich fragte, zeigte mir den Eingang.

Mit Concession (über 60) kostet die Kreuzfahrt £6,50. Sie dauert dreißig Minuten.

Hier gibt es auch saubere Toiletten. Die letzten Stunden war es teils ziemlich heikel, einen einigermaßen angemessenen Ort zu finden.

Sehr schön bunt ist die Fähre. Und voller Menschen.

Nur drei Räder.

14.26 Uhr – Wirklich eine kleine Kreuzfahrt.

Das Fährfoto, genau wie in Venedig und in …….

Moderne Kathedrale auf einem Hügel.

Die bemalten Schiffe nennt man Dazzle Ships.

Die Fähre fährt ein Stück den Mersey rauf und wieder runter, damit man die Skyline von Liverpool ausgiebig bewundern kann. Für den Autoverkehr gibt es zwei Tunnel.

Beatles-Denkmal in der Nähe des Fährterminals.

Mit Hintergrundmusik, «Ferry across the Mersey».

Links Royal Liver Building, in der Mitte das Cunard Building und rechts das Port of Liverpool Building.

15.41 Uhr – Nach einem längeren Telefonat mit Zuhause fahr ich jetzt zur nahen Unterkunft.

15.49 Uhr – Ankunft.

16.50 Uhr – Wir sind im zweiten Stock. Der Aufstieg war gar nicht so einfach. Die Dame aus dem Pub sagte mehrfach «Luv» zu mir, vor allem, als es darum ging, das Rad hochzubuxieren, und den Schlüssel nicht zu verlieren. Im Pub ist sie sicher einiges gewöhnt.

Es liegen Ohrstöpseln bereit. Ich nehme mal an wegen der lauten Klimaanlage, die in der Nähe meines Fensters vor sich hin surrt. Etwas besser als die laute Musik vorgestern, aber gut, dass ich die Stöpsel habe. Nebenbei trinke ich einen Kaffee zur Belebung. Noch habe ich keinen Plan für die Spazierrunde durch die Stadt.

Denkmal für Queen Victoria.

Rathaus.

Radio City Tower.

Wow, ein Grieche. Es gibt Moussaka und Pastitsio. Da gehe ich nachher hin!

China Town.

Die neugotische Kathedrale, 1904 begonnen, 1978 fertiggestellt. Sir Giles Gilbert Scott, der Architekt, hat auch die roten englischen Telefonzellen entworfen. Eine davon steht in der Kirche.

Sehr hoher und weiter Raum. Fühlt sich etwas an, wie die Sagrada Familia.

Blick zum Altar.

Diese Altarwand erinnert mich auch an spanische Kirchen.

Blick zum Westfenster. Die Kirche ist 188,7 m lang, die Höhe des Mittelschiffgewölbes beträgt 36,5 m. Das sind enorme Ausmaße. Der Bau erfolgte fast ausschließlich mit lokalem Sandstein.

Das Westfenster.

Um 18 Uhr wurde die Kirche geschlossen.

Gegenüber gibt es eine schöne typische Reihenhausstraße.

Die Pubs sind voll und meist gibt es Livemusik.

Das Bluecoat ist das älteste Gebäude der Innenstadt. Es wurde 1717 als Armenschule eröffnet.

19.32 Uhr – Das Pastitsio lässt mich von Kreta träumen. Der griechische Salat ist lecker, die ebenfalls griechische Limonade auch.

Weil der Tag so kalorienarm war, nehme ich noch Baklava. Das Baklava war aber leider nicht so lecker.

Die Toilette ließ sich nicht abschließen: Das habe ich auch in Athen schon erlebt, und der griechische Kollege hat mir damals auf Nachfrage erklärt, dass das doch völlig normal und kein Problem sei.

21.03 Uhr – Ich war noch beim Tesco und habe mir einen Apfel geholt für die beiden Müslis morgen (Frühstück und Mittagessen). Ja, ok, auch eine Tüte Erdnüsse und eine Dose Cidre, als Absacker. Morgen ist ja Spring Bank Holiday in England.

Aus «Loverpool» in der Beitragsüberschrift habe ich noch Liverpool gemacht. Schade eigentlich.

Alles weitere morgen.

Mo. 25.05. (Pfingstmontag) – Liverpool – Blackburn – 69 km/640 Hm

6.30 Uhr – Boah, bin ich müde! Keine Kopfschmerzen vom Cidre, immerhin. Noch nach Mitternacht wurden mit lautem Klirren Glasflaschen in einen Container geschüttet, abgeholt wurde er aber erst gerade eben.

Der Himmel ist wolkenlos. Es soll heute 29° C warm werden in Liverpool. Laut Vorhersage werden die nächsten Tage weniger warm, es bleibt aber trocken. Hört sich gut an.

7.44 Uhr – Das Müsli hat mich schon ausreichend gesättigt. Beim Essen und Kaffeetrinken höre ich Deutschlandfunk, eine schöne Beschäftigung. Ich muss nur darauf achten, dass das Handy am Ladestrom bleibt, da ich es sonst auf der Fahrt umständlich aus der Powerbank nachladen muss.

8.30 Uhr – Wie gerade der nette Koch aus dem Pub bei der Schlüsselrückgabe sagte, ein perfekter Tag zum Radfahren. Abfahrt.

Ich verlasse heute den Fernradweg und fahre nach Blackburn. Das liegt kurz vor Nelson, wo sich noch immer die kleine Fabrik von Carradice befindet. Die Firma hat 1988 meine Radtaschen gefertigt. Mehr dazu morgen. Mal gespannt, wie die Strecke ist, die ich mir für heute rausgesucht habe. Es wird hügelig.

8.40 Uhr – Nach der lauten, trubeligen Lebendigkeit in der Stadt gestern Abend, ist es heute sehr angenehm ruhig und leer. 23° C im Schatten. Das dünne Sommershirt reicht jetzt schon.

8.55 Uhr – Everton Park – Sehr schöner Blick, über Liverpool bis zu den walisischen Bergen, der die Anstrengung wert ist.

9.17 Uhr – Eine grüne Welle hat mich auf einer vierspurigen Straße zügig aus der Stadt gespült.

9.26 Uhr – Nicht schön, neben der sechsspurigen Straße, aber ich komme gut voran. Es wird immer wärmer.

10.12 Uhr – In einem Tesco an der A580 gab es wieder einzelne Äpfel, aber weißen Joghurt Greek Style nur in 500g. Dann gibt es nachher halt ein fettes Müsli.

Um hier einen Kaffee zu trinken bin ich noch zu wählerisch. Bald verlasse ich ja die nach Manchester führende A-Straße.

Der Schatten auf dem Radweg ist sehr angenehm. Trotzdem etwa 28° C. Der sanfte Wind kommt eher von vorne.

10.44 Uhr – Das war wirklich unnötig, musste aber wohl irgendwann mal passieren. An den Drückampeln steige ich ungern ab, weil es ja so viele davon gibt. Lieber halte ich mich am Pfosten fest, während ich warte. Aber dort befindet sich auch oft die Bordsteinabsenkung, die erfordert, dass ich die Bremsen extrem festhalten muss. Wenn ich das nicht mache, rollt das Rad zur Seite. Vorhin kippte es unter mir um, schlug gegen mein Knie. Es ist aber nur eine kleine Abschürfung. Betaisodona drauf, Pflaster drüber, fertig. Allerdings fühlt sich das Rad grad an, als sei es schief. Kann aber auch an den verspannten Muskel liegen.

Das war die Ampel an der ich die A580 verlassen habe. Jetzt geht es nach Norden.

Das Schaltkabel hatte sich bei der extremen Verdrehung unter der Lampe verfangen. Jetzt lenkt es sich wieder normal. Puh!

11.20 Uhr – Im Billinge Bakehouse, auch ohne Radler ist es sehr nett hier. Der Kuchen ist jetzt gut für die Nerven. Beim Tesco und hier habe ich mal mit Bargeld gezahlt, um an etwas Kleingeld für Trinkgeld zu kommen. Für Trinkgeld stehen oft Dosen auf der Theke.

Ich bin jetzt wieder etwas entspannter. Die laute Straße, der viele Verkehr, das strengt mich an, wie der Trubel in der Stadt. Mit dem leckeren Kuchen kam jetzt etwas Genuss in den Tag. So kann es weitergehen.

Gleich geht es bergab nach Wigan zum River Douglas, danach in die Hügel, am Round Loaf (330 m) entlang.

11.55 Uhr – Eben war es noch brechend voll, jetzt wirkt der Laden wie ausgestorben. Ich habe mir noch frisches Wasser gezapft und den Buff nass gemacht, den ich auf dem Kopf habe. Weiter!

Die Berge sind kahl, wahrscheinlich handelt es sich um Hochmoore.

13.07 Uhr – Auf einer vielbefahrenen Straße. Vorhin wurde ich aus einem überholenden Auto mit einer Wasserpistole beschossen. Ich habe mich ordentlich erschrocken. War aber vielleicht trotzdem nicht böse gemeint.

31° C hier im Schatten, auf der Straße war das Thermometer schon bei fast 41° C. Die leichte Brise ist weiterhin toll, die Anstiege bisher moderat. Noch 24 km und 270 Hm.

13.22 Uhr – Das Eis zieht eine Menge Leute an. Kann ich verstehen.

13.28 Uhr – Breiter, schattiger Kanalweg. Leider noch ohne Bank.

13.57 Uhr – Eine freie Bushaltestelle an der vierspurigen Straße. Nicht schön, aber jetzt muss es sein. Habe echt Hunger.

14.39 Uhr – Das hat richtig gut getan, auch meinen Nerven. Uhps, da hält ja doch mal ein Doppeldeckerbus direkt vor mir.

500 g griechischer Joghurt waren genau richtig. Der Baguetterest von Sonntag war noch gut, der Camembert auch. Also, jetzt weiter.

14.56 Uhr – Biergarten, Eiswagen, aber jetzt bin ich aufs Weiterfahren eingestellt.

15.07 Uhr – Windy Harbour heißt es hier. Jetzt bin ich den Moor-Hügeln schon sehr nahe. Ich fahre links dran vorbei.

15.24 Uhr – Hatch Brook Waterfall.

Mit sehr wenig Wasser. Also, eigentlich gerade mal ein Rinnsal. Ein Wanderer meinte, ich sollte im Winter mal kommen. Außerdem habe sein Hund vorhin komisch geguckt. Dann sei ihm mein rotes Shirt aufgefallen. Es ist die gleiche Farbe wie beim Postboten, auf den den Hund immer reagiert. Er sei aber ein netter. War er auch.

Der Wasserfall liegt am Rand des Wheeton Moors.

Jetzt wieder den Hügel runter und weiter nach Blackburn.

Blick zurück: War ein ordentlich steiler Anstieg.

15.57 Uhr – Feniscowles – Sechs schnelle Kilometer auf der A674. Ich halte kurz an, um den Puls zu beruhigen. Noch 5,5 km und einmal auf und ab.

Diese Sperren kosten extrem viel Nerven. Ich muss das Rad vorne so hoch heben, dass der Lenker über den langen Blechen ist. Ich passe nur sehr knapp neben das Rad. Wenn ich die Taschen vorne abnehmen würde, ginge es sicher leichter. Bisherige solche Sperren waren zwar auch so eng, aber weniger lang. Der Lenker passe schräg hindurch. Aber die Frage ist doch: Wozu müssen Radler hier so gegängelt werden? Oder soll das verhindern, dass Kühe das Gebiet verlassen? Dann täte es aber ein Kuhgatter. Boah, ich könnte mich echt aufregen!

Ansonsten ist es sehr schön hier.

16.22 Uhr – Witton Country Park, der fast bis zur Stadtmitte reicht. Er gehörte mal zu einem Herrenhaus, wurde 1800 gestiftet.

16.38 Uhr – Noch dreihundert Meter.

16.43 Uhr – Am Ziel.

18.16 Uhr – Der Mann an der Rezeption war sehr nett. Er kam raus, weil er mich wohl auf einer Überwachungskamera gesehen hat, und hat mir hinter dem Haus die Tür zum Innenhof geöffnet. Das Zimmer ist sehr großzügig, aber auch sehr warm. Der Ventilator schafft etwas Abkühlung.

Alles ist gewaschen und wahrscheinlich nach dem Essen schon trocken. später werde ich mal das Fenster öffnen und schauen, wie die Luft ist, die reinkommt.

Die Kathedrale ist von 1926. ich bin aber auch sowieso zu spät dran.

Gleich mache ich mich auf zum Abendessen. Dass ich das kurzärmelige Hemd und die Sandalen so oft brauchen würde, hatte ich nicht erwartet.

Die Kathedrale ist gleich um die Ecke.

Vor ihr verläuft die Darwen Street mit vielen Restaurants. Ich nehme wieder Indisch.

Blackburn hatte ab dem 13. Jhd. eine blühende Textilproduktion, erst basierend auf häuslicher Wollweberei, später auf industrieller Basis, und brachte es zum Titel Welthauptstadt der Weberei und wuchs von 5.000 auf über 130.000 Einwohner. Im 20. Jhd. brach die Textilindustrie jedoch ein und am Ende waren alle Webereien geschlossen und meist abgerissen. 2015 hat ein schottischer Designer eine der Fabriken gerettet. Der Stadtrat versucht, lange mit Unterstützung von EU-Geldern, die Stadt wieder zu beleben, die heute etwa 120.000 Einwohner hat. Sie gehört schon zu Grafschaft Lancashire.

20.16 Uhr – So viel zu Stadtgeschichte. Das Essen war sehr lecker.

Vorhin habe ich versucht, das Fenster im Zimmer zu öffnen, also nach oben zu schieben. Ist mir nicht gelungen. Könnte vernagelt sein, oder ich kapiert es nicht. Ganz wenig zieht es durch die Spalten. Vielleicht kann der Mann an der Rezeption etwas dazu sagen. Sonst muss halt der Ventilator die ganze Nacht laufen.

Auf einem kurzen Verdauungsspaziergang. Die Statue erinnert an den Equal Pay Act von 1970, der die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern regelt.

20.50 Uhr – Ich traf beim Reinkommen den netten Mann vom Hotel. Er ist mit aufs Zimmer und hat mir gezeigt, wie ich das Fenster öffne. Wieder etwas gelernt. Bin sehr froh, da es hier oben über 28° C sind.

Die Zimmer, die ich ja alle schon im Januar gebucht habe, sind immer für eine Überraschung gut. Mit dem offenen Fenster hat das heutige nun einen Platz ziemlich weit oben.

21.12 Uhr – Immer noch 28° C.

Di. 26.05. – Blackburn – Nelson – Foulridge – 35 km/290 Hm

6.31 Uhr – Bis um drei habe ich ohne Decke geschlafen. Dann habe ich das Plumeau aus dem Bezug genommen und unter dem Bezug weiter geschlafen, aber nicht mehr am Stück. Die Straße unter dem Fenster war die Nacht über ruhig, jetzt ist wieder lebhafter Verkehr.

Wegen der schwülen Hitze habe ich den Mückentod-Stecker eingesetzt.

Wolkenloser Himmel. Die Temperatur im Zimmer ist nur auf 26° C gesunken.

Heute kann ich mir wieder im Hotel beim Frühstück den Bauch vollschlagen, hoffe ich zumindest.

7.35 Uhr – Bin der einzige frühe Gast im Speisesaal. Es gibt gutes Müsli. Dazu bestelle ich vier Scheiben Toast und Schinken. Käse gibt es nicht. Wie meist, liegt die Butter ohne Kühlung bei den Marmeladen. Ich nehme an, sie ist nicht schlecht, wenn sie normal aussieht. Da das Müsli ausreichte, um satt zu werden, nehme ich zwei Scheiben Toast mit Schinken für den Tag mit.

8.30 Uhr – Abfahrt in einen bereits sehr warmen Morgen.

Heute fahre ich erstmal zur Fabrik von Carradice in Nelson. Das sind etwa 26 Kilometer. Meinen Besuch habe ich vor Monaten angekündigt. Man schrieb zurück, dass ich gerne vorbeikommen könne, sie seien immer von neun bis fünf dort. Ich hatte auch gefragt, ob kleine Reparaturen möglich seien. Da sind sie nicht genau drauf eingegangen, aber im Netz findet man schöne Berichte dazu. Mal gespannt. Die Unterkunft ist weitere etwa elf Kilometer entfernt von Nelson. Wenn ich warten muss, mache ich das in Nelson, ich könnte aber auch schon zum Hotel fahren. Ich schau halt mal.

8.43 Uhr – Es geht los mit Kanalradweg, ziemlich schlechter Zustand, viele Glasscherben. Aber kein Autoverkehr, was mir guttut.

Ich halte ja die Augen immer sehr genau auf den Weg, da es Schlaglöcher, Bodenwellen, Wurzelerhebungen, Pflastersteine, Glasscherben etc. zu beachten gilt. Da fällt mir natürlich jeder Müll, der auf dem Weg liegt ganz besonders auf. In der Nähe der Städte und an großen Straßen gibt es jedenfalls oft eine Menge davon. Das trübt dann etwas die Stimmung.

8.54 Uhr – Der Kanal hat sehr, sehr viele Windungen. Also verlasse ich ihn jetzt und hoffe auf einen Radweg neben der Straße.

Solange der Bürgersteig ok ist, bleibe ich lieber darauf.

9.33 Uhr – Lief gut auf der A-Straße. Hier komme ich in ein Naherholungsgebiet.

Der Teer auf dem Bahntrassenradweg ist so neu, er ist quasi noch warm. Und ganz ohne Quälgittet.

Und schöne Landschaft am River Calder.

9.51 Uhr – Ich nehme einen Umweg auf der schönen Straße in Kauf. Habe vielleicht eine Abfahrt verpasst.

10.27 Uhr – Am Leeds and Liverpool Canal. Sehr schönes weites Tal. Guter Platz für den Morgengruß: Freude am Schönen, Freundlichkeit, Akzeptanz, Innehalten.

Noch etwa vier Kilometer bis zur Firma.

10.46 Uhr – Hinter diesem Gebäude auf der anderen Seite des Kanals müsste es sein.

Ziemlich alte und etwas heruntergekommene Gegend.

Hier geht es rein. In der Öffnung oben ist nur eine Schnur gespannt. Oh, lala. Links hängt die Wäsche der Nachbarn auf der Leine.

Ziemliches, nettes Chaos.

Sue hat mich beraten. Jetzt näht sie mir für £10 neue Klettstreifen auf die Lenkradtasche. Die Verschluss-Gurte für die Außentaschen an den hinteren Taschen flicke ich selber. Einen habe ich vor der Fahrt schon mit einem Stück vom Lenkertaschen-Gurt repariert.

Ich warte hier am übervollen Arbeitstisch.

Oben im Regal steht auf einer Kiste «Do not count».

Ein alter Mann läuft durch den Gang. Vielleicht hat er vor 38 Jahren meine Taschen produziert.

Mittlerweile stellen sie auch Taschen aus Plastikmaterial her.

Wie neu, quasi. Jedenfalls hält der Klettverschluss wieder super. Ich könne ihn ja noch zurechtschneiden, wenn ich mir überlegt habe, wie ich es genau haben will.

Der Laden wirkt so chaotisch, wie ich es auf YouTube schon gesehen hatte. Toll, dass sich gleich jemand Zeit für mich genommen hat. Das hatte ich nicht erwartet. Ein Interesse an meinen Radgeschichten zeigte erwartungsgemäß niemand, sie müssen ja arbeiten. Keine Ahnung, wie die Firma sich halten kann. Der Zauber ist für mich etwas verflogen, es bleibt aber das Bewusstsein, robuste, langlebige Taschen zu haben, die nicht jeder hat, und die mich schon an sehr viele Orte begleitet haben.

11.15 Uhr – Jetzt habe ich bis drei Uhr Zeit, die 12 Kilometer zum Hotel zu radeln. Pausentag!!!

11.47 Uhr – Sehr schön schattig am leerstehenden Pub Lord Nelson. Das Städtchen ist ein vielfältiges Gemisch von Menschen mit kulturellem Hintergrund aus Pakistan, Bangladesch, Indien, Türkei, Syrien, Afrika, die die Straßen bevölkern und in Geschäften ihre Spezialitäten anbieten. Viele hier tragen traditionelle indische Kleidung, die bei der Hitze sehr angenehm erscheint.

Ich wechsle immer mal wieder ein Wort mit jemandem der vorbeigeht. Kurz setzte sich jemand zu mir auf die Bank, um schwer atmend zu verschnaufen. In der prallen Sonne ist es unangenehm heiß. Es gibt so gut wie keine öffentlichen Brunnen, an denen man sich erfrischen kann.

12.22 Uhr – Ein Park mit schattigen Bänken, Eisdiele etc. käme jetzt gut. Ich packe und rolle mal langsam weiter.

Ansonsten gibt es nicht viel Schatten hier.

12.50 Uhr – Das Barrowford Reservoir sieht ziemlich leer aus. Noch vier Kilometer.

130.1 Uhr – Hier beginnt ein Foulridge-Kanaltunnel, eine Meile lang, sagte mir der Mann, der gerade seinen Kindern den Tunnel gezeigt hat. Wow!

Er wurde 1792 begonnen. Die Hälfte der Länge wurde horizontal vorangetrieben, der Rest durch Abtragen der Erde und Wiederverfüllen. Das war nötig, weil auf diesem Stück die Erde in 21 Metern Tiefe nicht stabil genug war.

Es gibt keinen Treidelpfad für die Zugpferde. Bootsleute mussten sich auf den Rücken legen und sich mit den Füßen an der Wand oder Decke abstoßen, Legging genannt. 1880, nach dem Tod eines Leggers, wurden dampfbetriebene Schlepper eingesetzt. Die Zugpferde wurden währenddessen über den Berg geführt.

In drei Phasen gebaut, war der Leeds and Liverpool-Kanal 1816 vollständig fertig. Hauptnutzen war der Kohletransport. 1860 wurden mehr als eine Million Tonnen Kohle nach Liverpool transportiert.

Und hier oben fließt der Bach als wäre nichts.

13.12 Uhr – In dem kleinen Örtchen vor mir liegt die Unterkunft.

Die letzten Gatter, die ich am Kanal überwinden musste, waren alle recht einfach zu meistern. Manche waren auch aufgeklappt oder es gab ein offenes Tor daneben. Das hat mich jedes Mal gefreut.

13.19 Uhr – Am Ziel der heutigen Pausen-Etappe.

13.46 Uhr – Genial: Das Zimmer war schon fertig. Jetzt gibt es Radler, das einzige, was es mit Zitrone gibt. Ich muss ja nicht mehr fahren!

15.42 Uhr – Kaffee trinken mit Keksen vom Zimmer, Wäsche waschen, duschen, Etappe vorbereiten für morgen: alles schon erledigt. Natürlich könnte ich ein Stück wandern, aber ich mache lieber mal die Augen zu.

In der Tagesschau-App wird ausführlich über die Hitzewelle in Großbritannien berichtet. So heiß war es im Mai noch nie seit dem Beginn der Aufzeichnungen.

17.24 Uhr – Ich wurde vom Wecker geweckt, damit ich nicht zu lange schlafe.

19.01 Uhr – Cheese and Onion Pie mit pürierten Erbsen. War schmackhaft und sättigend. Für das Drumherum nehme ich noch zwei Kugeln Eis.

Ich laufe doch noch ein kleines Stück aus dem Dorf hinaus. Schöne Abendstimmung , leichter Wind, angenehm kühl.

Stylische Frisur! Das arme Tier hechelte aber sehr. Ob ihm zu heiß ist?

Screenshot

21.16 Uhr – Dumfries erreiche ich am Samstag, da könnte es nachmittags regnen. Der erste Tag in den Galloways ist auch ok. Es sieht also keineswegs nach Dauerregen aus, was mich sehr freut.

Durch das gekippte Fenster kommt ein bisschen von der kühlen Luft ins Zimmer. Es sind allerdings immer noch 26° C.

Jetzt räume ich noch etwas, mache mir noch einen Kaffee und lege mich danach schlafen.

Mi. 27.05. – Foulridge – Lancaster – 82 km/1010 Hm

6.32 Uhr – Bis um zwanzig nach fünf habe ich an einem Stück geschlafen. Danach noch eine Stunde drangehängt, trotz des zunehmend lauten Verkehrs.

Es ist etwas bewölkt und nur 14° C. Sieht gut aus.

7.36 Uhr – Ein sehr netter junger Mann hat mich beim Frühstück bedient. Er hat mir Cheddar und Bacon aus der Küche besorgt. Ich könne mir gerne ein Sandwich für unterwegs machen, meinte er. Wir haben über Radfahren und die Hügel hier gesprochen. Radfahren am Kanal ist beliebt, auch von Anfang bis Ende eines Kanals, was eine Mehrtagestour ist. Dass ich selten Reiseradler sehe, liegt wahrscheinlich daran, dass es wohl noch ein bisschen früh im Jahr ist.

7.46 Uhr – Nachschub für die durstigen Pubbesucher. Der junge Mann steht jetzt mit Klemmbrett da und erfasst die Lieferung.

8.23 Uhr – Ich ziehe die Windjacke an. Es ist doch etwas frisch. Abfahrt.

Heute fahre ich zurück nach Westen. Die Etappe ist eher lang und hügelig. Sie führt mich durch den Forest of Bowland.

In Lancaster hat Monika ein halbes Jahr studiert. Vielleicht finde ich ja ihr College-Gebäude noch.

Lancaster war Garnisonssstadt der Römer. Über die Zeit zwischen dem Abzug der Römer bis zu Eroberung durch die Normannen im 11. Jhd. weiß man nicht viel. Das House of Lancaster hat als Emblem eine rote Rose, das House of York eine weiße. Die Zeit des Kampfes der beiden Häuser um den englischen Thron nennt man daher War of Roses. Lancaster gehört zum Plantagenet-Zweig der Königsfamilie. Richard Löwenherz war auch ein Plantagenet. Er verlieh Lancaster 1193 den Titel einer Gemeinde (Borough). Im 14. Jhd. überfielen immer mal wieder Schotten die Stadt. 1322 zerstörte Robert the Bruce zwar vieles, konnte die Stadt aber nicht einnehmen. Lancaster hat einen Seehafen, über den auch Sklavenhandel lief. Der industrielle Schwerpunkt der Stadt war Schiffe, Segelstoffe, Seile und Kerzen. Aktuell versucht die Stadt neue Technologiefirmen anzusiedeln.

Lancaster war von 2005 bis 2011 neben Derby eine von sechs Cycling Demonstration Towns. In diesen Städten hat man den Radverkehr fördern wollen, in dem gezielt die Infrastruktur für das Radfahren verbessert wurde. Bin gespannt, was davon übrig geblieben ist.

8.33 Uhr – Ist mir zu kalt. Armlinge und Beinlinge angezogen.

Uriger Bauwagen neben dem Kanal.

Zwei-Brücken-Blick: Ich rolle jetzt gemütlich in den Tag.

Hier kann ich das große Gatter neben der Engstelle öffnen. Prima!

Ich hänge mich an die Rennradtruppe dran. Sie sind gemächlich unterwegs.

9.18 Uhr – Habe alle überholt. Selbst am Berg. Hier lasse ich sie jetzt vorbeiziehen und winke.

Weiter bergauf mit toller Aussicht.

Der Mann erfreut sich auch daran, wenn er seine tägliche große Runde mit den Hunden läuft.

9.37 Uhr – Morgengruß: Freude an der Natur, Freude an der Begegnung, Gelassenheit, Neugier.

Der Wind kühlt, kommt netterweise im Wesentlichen von hinten. 19° C.

10.20 Uhr – Stopp an einer kleinen Dorfkirche mit Singen und Innehalten.

Schöner Platz für ein Sandwich mit Instant-Kaffee, der schmeckt, wie in Taizé. Um die Gräber ist ein Weidezaun gezogen. Ob hier Schafe die Kirchwiese abgrasen?

Vor mir liegt der Pendle Hill mit 558 m Höhe. Er liegt abseits der Pennines, dem Mittelgebirge, das sich von der schottischen Grenze bis zum Peak District ausdehnt. Auf dem Berg wurden neolithische und bronzezeitliche Siedlungsspuren gefunden.

1612 hat man zwölf Männer und Frauen aus der Umgebung des Berges der Hexerei beschuldigt und zehn bei einem Prozess in Lancaster für schuldig befunden und hingerichtet. Es ist einer der berühmtesten Hexenprozesse Englands.

Am Pendle Hill hatte George Fox, der spätere Begründer der Quäker, 1652 seine Vision.

11.02 Uhr – In Waddington. Ich probiere mal Kombucha, ein fermentierter Tee mit Zitrone und Ingwer und Sprudel. Geht so, würde ich sagen. Dazu Kaffee und Rhabarber-Kuchen. Drei sehr nette junge Leute betreiben das Café seit einem Jahr. Es wird ganz gut angenommen, sagte einer von ihnen.

Der Kuchen ist sehr lecker. Kombucha-Fan werde ich aber eher nicht.

Die Strecke ist heute ganz nach meinem Geschmack. Tolle Aussichten, leichtes Auf und Ab. Die Steigungen sind manchmal auch mit 12% – 14% ordentlich steil. Mit dem kleinsten Gang sind sie aber gut machbar.

Hier im Ort biege ich in den Forest of Bowland ab.

11.25 Uhr – Mal langsam weiter.

11.55 Uhr – Der Wind ist zwar kühl, aber es ist mittlerweile zu warm für Arm- und Beinlinge.

Der River Hodder, ganz flach und ohne Stauwehr.

12.42 Uhr – Sehr süß, die beiden Kleinen!

12.49 Uhr – Gerade kamen mir die Rennradlerinnen von heute Morgen entgegen und erkannten mich wieder: «We’ve seen this bloke!» Sehr nette Truppe!

13.25 Uhr – Von Rückenwind unterstützt rolle ich gemütlich runter in die Ebene und Richtung Meer. Gleich wende ich mich nordwärts auf Lancaster zu.

13.43 Uhr- Auf nur noch 21 m Höhe.

14.34 Uhr – Müsli und das zweite Sandwich hier im Schatten gegessen. sehr böiger Wind.

15.33 Uhr – Auf dem Campus der Uni Lancaster, wo Monika mal ein halbes Jahr studiert hat.

Lonsdale College.

Die recht modernen Wohnheime.

Haupteingang des Colleges, das eines von mehreren auf dem sehr weitläufigen Campus ist.

Der co-op-Supermarkt.

Mit einer Video-Schalte habe ich ein paar Live-Eindrücke nach Hause gesendet.

Der zentrale Platz und Treffpunkt.

Das Uni-Gemeindezentrum, Chaplaincy.

16.36 Uhr – Lancaster: Biergarten am Lancaster Canal. Ich mache eine kleine Rundfahrt.

Vorhin war ich kurz beim Vorbeifahren an Fussgängern auf der falschen Seite vom Radweg gelandet und jemand kam mir entgegen. Ganz automatisch ist der Linksverkehr also bei mir doch noch nicht.

Die moderne Lancaster Cathedrale liegt direkt am Kanal.

Auf dem Hügel vor mir steht Lancaster Castle.

Lancaster Castle, das lange als Gefängnis gedient hat. Das Gefängnis kann man besichtigen. Nichts für mich.

17.00 Uhr – Jetzt rolle ich runter zum Hotel.

17.08 Uhr – Ankunft.

19.11 Uhr – Mal wieder klassisch.

21.40 Uhr – Das Essen war sehr lecker. Wie schon in anderen Lokalen wurde eine optionale Service Charge auf die Rechnung gesetzt. Habe ich übersehen und zusätzliches Trinkgeld gegeben. Die Kellnerin hat es aber durch ihre schnelle und umsichtige Arbeit durchaus verdient.

Ich habe auf dem Zimmer noch einiges im heutigen Beitrag ergänzt und dafür viel in Wikipedia recherchiert. Jetzt nehme ich als Nachtisch die Schokokugeln, die beim Wasserkocher liegen, natürlich mit einem Kaffee.

Do. 28.05. – Lancaster – Ambleside – 76 km/810 Hm

6.22 Uhr – Die Nacht war etwas unruhig, bin mehrmals wach geworden. Heute wird es mit etwa 25° C nochmal ziemlich warm, bevor das Thermometer morgen um zehn Grad fällt. Es könnte heute ein, zwei Tropfen regnen.

7.06 Uhr – Draußen geht mit viel Getöse ein ordentliches Gewitter runter, soll aber in einer Viertelstunde durch sein.

8.12 Uhr – Es klart auf und ein blauer Streifen Himmel zeigt sich schon wieder.

8.26 Uhr – Abfahrt.

Heute geht es in den landschaftlich sehr reizvollen Lake District. Alle schwärmen davon. Bin sehr gespannt. In Windermere nehme ich die Fähre über den gleichnamigen See. Vielleicht sehe ich vorher noch etwas vom Meer.

8.32 Uhr – Recht neue Rad-Fußgänger-Brücke über den River Lune, bei Ebbe.

Erstmal Richtung Morecambe, dann gleich gen Norden nach Kendal.

8.49 Uhr – Lancaster Canal.

9.07 Uhr – Blick über die Morecambe Bay in die Berge des Lake District.

Neben sehr schlechtem Belag und vielen Pfützen hat der Weg hier am Kanal überraschend viele Bänke und Picknickplätze zu bieten.

Die Sonne zeigt sich. Der Wind ist böig. Ich muss bei dem holprigen Weg und dem Wasser so nahe neben mir sehr aufpassen.

9.54 Uhr – Bin jetzt weg vom Kanal und in den Salzmarschen von Silverdale. Morgengruß: Loslassen, Freude an der Natur, Freude an der Begegnung, Gelassenheit.

10.27 Uhr – Ruine Arnside Tower, oberhalb von der Farm.

10.57 Uhr – Arnside, Eisenbahnbrücke über den River Kent. Die Flut lässt das Wasser gerade sehr schnell steigen. Hinter der Brücke liegt der Lake District und Windermere. Ich fahre noch eine Weile rechts an den Hügeln vorbei, nähere mich also dem See von Osten.

Hinter mir: Arnside hat eine kleine Promenade mit Cafés. Aber mein mitgebrachter Kaffee und die Sandwiches waren wieder sehr lecker.

Jetzt versuche ich noch, das etwas nervige Quietschen der vorderen Taschenhalterungen zu beseitigen. Die Kette bekommt dabei gleich auch noch mal etwas Ballistolöl.

Habe jetzt exakt 1002 km hinter mir.

11.17 Uhr – Mal sehen, ob das Gewebeband, das ich auf die Low-Rider-Rohre aufgeklebt habe, etwas bringt.

Ein wahrscheinlich achtzigjähriger Rennradler gesellte sich kurz zu mir. Er radelt eine morgendliche Runde. Es wird voll in den Bergen, sagt er. Nun gut, weiter in das windige, aber ansonsten herrliche Wetter.

Süße Deko.

11.56 Uhr – Ziemlich eng hier. Das sagte ich zu einer Spaziergängerin, die drei Schritte zurück in einen Passing Place auswich. «It is a bit, isn’t it.», antwortete sie.

12.15 Uhr – Nahe Hincaster überquere ich mal wieder den Lancaster Canal.

Weiter auf der 6 Richtung Kendal, jetzt steil bergauf.

12.30 Uhr – Das war gerade ein 14 %-Anstieg.

Die Berge vor mir sind im Dunst kaum auszumachen.

12.58 Uhr – Ich habe vorhin zwei Rennradfahrer angehalten und nach einem Café gefragt. Wahrscheinlich meinten sie dieses hier in Kendal am River Kent.

Es gibt Fritz-Limo! Und die super nette junge Frau an der Theke war am Wochenende in den Galloways. Viele Mücken dort, sagt sie. Aber super schön!

River Kent, dem folge ich jetzt ein Stück flussauf.

Holy Trinity in Kendal.

Fünfschiffig, eine der breitesten Kirchen Englands. Sie wurde im 13. Jhd. begonnen, der größte Teil des Baus entstand aber in der Blütezeit der Wollweberei im 14.-16. Jhd. Das Mittelschiff ist nicht sehr viel höher als die Seitenschiffe. Die regelmäßigen Arkadenreihen in einer Halle erinnern mich ein bisschen an die Moschee-Kathedrale in Córdoba.

Die Innenstadt von Kendal.

14.04 Uhr – Tal des River Kent. Ich biege vorne links zu einem Nebenfluss ab.

14.30 Uhr – Kurz vor der Anhöhe von der es nach Windermere runtergeht. Sehr viel Verkehr. Der Radweg ist aber sehr gut, nur das Queren, was ich gerade machen musste, ist ohne Ampel etwas mühsam.

14.38 Uhr – Blick zurück.

14.45 Uhr – Höchster Punkt 181 m. Eine Delle kommt noch.

Erster Blick auf den südlichen Teil des Sees. Er ist 17 Kilometer lang, bis zu 65 m tief und hat 18 Inseln. Er ist der größte natürliche See Englands und entstand in der letzten Eiszeit, vor etwa 17.000 – 14.700 Jahren. Damals hat sich das Tal mit Schmelzwasser gefüllt.

14.55 Uhr – In Windermere. Der Ort wurde erst nach dem Bau der Eisenbahn von Kendal hierher Windermere genannt. Er liegt gut fünfzehn Minuten zu Fuß vom See entfernt auf 120 m Höhe. Jetzt rolle ich runter zur Fähre.

Endlose Straße mit Bars, Souvenir Shops, Hotels, etc. vorne kann ich den See sehen.

Es herrscht ein Betrieb hier, wie an der Mosel beim Weinfest.

Rappelvoll das Ausflugsboot. Mal sehen, wie es mit der Fähre ist.

An den geschlossenen Toiletten vorbei geht es zur Fähre.

15.22 Uhr – Am Fähranleger. Müsli gibt es erst auf der anderen Seite.

Schade, dass es so diesig ist. Erinnert an den Saharasand in Istrien, der auch alle Farbe aus der Landschaft genommen hat.

15.31 Uhr – Die Fähre kommt.

Es ist eine Seilfähre. Das Boot zieht sich an den Seilen von der einen auf die andere Seite.

15.56 Uhr – Das Sträßchen bringt mich jetzt am Westufer entlang nach Norden. Noch etwa zwölf Kilometer.

Blick in die Berge.

Privater Picknickplatz. Auf der anderen Seite liegt der Ort, durch den ich vorhin gekommen bin. Man sieht von hier nur einzelne Häuser zwischen den Bäumen.

16.25 Uhr – Mal weiter zum Hotel.

16.34 Uhr – Noch mit Zuhause telefoniert. Jetzt aber los.

Endlich auf einem Waldweg ohne Autos.

17.06 Uhr – Die Hügel werden bergiger.

17.27 Uhr – Noch sechshundert Meter.

17.33 Uhr – Ankunft.

19.49 Uhr – Doch nur dreißig Minuten auf das Essen gewartet. Es ist sehr voll hier im Pub des Hotels. Zum Bestellen an der Theke musste ich mich in die Schlange der Gäste einreihen.

21.27 Uhr – Kaffee und Keks auf dem Zimmer.

Die Berge ziehen mich schon auch hinauf. Mit dem Rad muss ich aber leider im Tal bleiben. Es gibt keinen wirklichen Pass zu überwinden, erst in den Highlands. Vom abfließenden Gletscherwasser sind die Täler tief eingeschnitten, haben aber auch Verbindungen. Hier bin ich auf 40 m Höhe, morgen ist der höchste Punkt auf 300 m.

Keine Ahnung, wie voll es auf den Wanderwegen ist. Im Juli, August kann man dort wahrscheinlich kaum laufen.

Mir gefallen die Schafweiden mit den teils moosbewachsenen Steinmauern, der hohe Farn im Wald, die mächtigen Douglasien.

Fingerhut habe ich schon viel gesehen.

Fr. 29.05. – Ambleside – Carlisle – 77 km/970 Hm

6.50 Uhr – Bis kurz nach vier habe ich fest geschlafen und merkwürdige Träume gehabt. Danach wurde es draußen lauter. Ich hatte einen kurzen Krampf im Fuß und spüre jetzt leichte Kopfschmerzen.

Es ist bewölkt, könnte aber trocken bleiben.

8.04 Uhr – Beim Frühstück, es laufen auf einem Monitor Fotos aus den Bergen in Dauerschleife. Blauer Himmel, kleine, blau schimmernde Kare, weite, völlig offene Landschaft, weite Aussichten, Steinmauern, die in den Tälern, die Hänge hinauf und über die Grate laufen. Mal sehen, ob ich davon heute etwas mitbekomme.

8.45 Uhr – Gar nicht mal so kalt, wie ich dachte. Hier und da kommt die Sonne durch die Wolken. Abfahrt.

Heute durchquere ich den Lake District in nördlicher Richtung und komme dann nach Carlisle.

In England liegen alle geographischen Punkte über 3.000 Fuß Höhe (914,4 m) hier im Lake District. «The Lakes» wurden im frühen 19. Jhd. durch die Gedichte und Literatur von William Wordsworth berühmt. Neben der Schafzucht ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle. Der Nationalpark ist nur 55 km lang und 55 km breit. Neben den vielen Seen gibt es viele Hochmoore und Sümpfe.

Der höchste Berg, Scafell Pike. 978 m, ist der höchste Berg Englands. Das Massiv ist aber nur auf Sackgassen zu erreichen. Vielleicht kann ich es ja aus der Ferne sehen.

Carlisle ist die letzte Stadt vor der schottischen Grenze. Es gab eine römische Stadt, die Teil einer Kette befestigter Lager war. 122 kam Kaiser Hadrian zu Besuch und beauftragte den Bau einer Grenzmauer zum Schutz gegen die Pilze, bzw. gegen die Pikten. Der Tippfehler bleibt drin, ist sehr lustig.

1092 wurde Carlisle Castle errichtet, in dem Maria Stuart gefangen gehalten wurde. Die im 16. Jhd. zur Festung ausgebaute Burg ist noch gut erhalten. Die Stadt ist ein wichtiges Handelszentrum und eine Eisenbahnknotenpunkt. Die Kathedrale wurde 1122 begonnen. Zu Beginn war es ein Augustinermönchspriorat, eine von vier englischen Ordensniederlassungen, die nicht benediktinisch waren. Die Kirche würde ich mir gerne anschauen. Sie ist heute bis 18.30 Uhr geöffnet. Es wird aber zeitlich sicher ziemlich knapp.

8.55 Uhr – Und schon bin ich raus aus dem Städtchen. Auf der Weide versucht ein Mann auf einem Quad zusammen mit seinem Hund die Tiere irgendwo hin zu treiben. Wirkt etwas aussichtslos.

Vielleicht eine frühere kleine Schaffarm.

Landschaft und so…

9.14 Uhr – Rydal Water.

Morgengruß: Freude an der Natur, Freude an der Begegnung, Innehalten, Freude am Unterwegssein.

Der junge Mann sprach mich an. Er hat für einige Monate in Friedrichshafen am Bodensee Germanistik studiert und freut sich immer, wenn er seine (sehr guten) Deutschkenntnisse anwenden kann. Er hat mir ein Video von einem Specht gezeigt, den er vorhin bei der Fütterung der Jungen beobachtet hat. Diesen Pfad hier am Wasser findet er am allerschönsten in den ganzen Lakes.

Wegen der vielen großen Steine ist mir hier das Durchfahren zu heikel

Hier dagegen sollte es gehen.

Ja, geht!

Der Weg durch den Wald bergab war gerade ziemlich heikel. Es sind sehr viele Wanderer und Familien unterwegs.

In kleinen Serpentinen steil bergan, auch wenn man das auf dem Foto nicht sieht.

Hier fließt der River Rothay aus dem Grasmere.

9.50 Uhr – Rosinante und ich kommen sehr auf unsere Kosten, auch wenn es nur langsam vorangeht.

Jets der RAF donnern im Tiefflug durch das Tal.

10.10 Uhr – Im Örtchen Grasmere. Bin wieder auf Teerstraßen.

Auf dem Weg hinauf zum Thirlmere.

10.28 Uhr – Das sieht leider nicht nach Radwegfahren aus. Nun denn!

Wunderbar! Die Bergauf-Spur ist so breit, dass man mich und langsame Wohnmobile sehr gut überholen kann.

Steinmauern wie Landschaftskunst.

10.46 Uhr – Ich fange schon an, nach Murmeltieren Ausschau zu halten. Dabei bin ich nur auf 220 m Höhe.

Mit 6 – 8 % Steigung geht es zügig auf gutem Belag nach oben. Endlich mal langweilig meditatives Bergauffahren. Da bete ich dann wieder mal den Rosenkranz. Bis hierhin waren es nur anderthalb Gesätze.

Auf 240 m Höhe. Ich probiere den geteerten Radweg, der hier links abzweigt. Die Abfahrt auf der vierspurigen Straße wäre sicher ein sehr schneller Höllenritt.

Gemütlich und mit ordentlichem Rückenwind.

Die engen Kurven und die Hubbel fahren sich wie eine Achterbahn: toll!

Hätte ich fast übersehen. Hier pfeifen nicht die Murmeltiere, hier blöken die Lämmer.

Weiter geht es auf einer kleinen Nebenstraße.

Baum.

11.12 Uhr – Markanter Felsen. In den Lakes gibt es viel Schiefer, aus dem viele der Häuser gebaut sind, daneben Granit und auch Basalt.

17° C, fühlt sich durch den Wind frisch an. vielleicht ziehe ich doch die Ärmel der Windjacke noch an.

Holzstämme aus dem Wald werden für den Abtransport auf Stapel nach Dicke sortiert.

11.32 Uhr – Kein Autoverkehr, ich rolle zügig gen Norden.

Thirlmere ist ein Stausee, gebaut 1890.

Der Abfluss des Stausees.

Ich fahre gleich am Fuß der Berge entlang nach rechts aus den Lakes hinaus.

In der Ferne kann ich die hohen Gipfel der westlichen Lakes ausmachen.

12.28 Uhr – Coffee Shop des nagelneuen Gemeindehauses in Threlkeld. Ich habe ihn vorhin auf Google Maps gefunden.

Auch hier wird kreativ gehäkelt, wie man an den Fähnchen sehen kann.

Es gibt Frühstück, Mittagessen, Kuchen, und andere Kleinigkeiten. Die meisten sehen nach Wanderern aus. Es stehen aber auch ein paar Räder ohne Gepäck auf dem Hof.

Hier in der Gegend gab es Blei- und Nickel-Bergwerke. Heute wird noch ein Granit-Steinbruch betrieben.

12.45 Uhr – Könnte sogar sein, dass ich trocken nach Carlisle komme.

Reizvolle Natur, sich ständig ändernde Aussicht, warmes Café mit leckerem Kuchen: Das macht mich glücklich!

Blick zurück.

13.08 Uhr – Der Wind schiebt mich auf dem super glatten Teer bergauf.

13.19 Uhr – Blick zurück. Sehr schöner Panoramaweg.

Wie auf Kreta, nur Schafe statt Ziegen.

13.39 Uhr – Sieht aus wie eine Wiese, ist aber ein riesiges Farnfeld.

Das Tal sieht sumpfig aus. Deshalb verläuft die Straße wahrscheinlich auch hier im Hang. Einen längeren Anstieg habe ich noch vor mir.

13.55 Uhr – Gar keine Mauern rechts und links! Was ist hier los?

Das ändert irgendwie alles! Die Enge ist weg. Ich kann die Landschaft als Ganzes sehen, nicht nur über die Hecke hinweg den obersten Teil. Grad vorhin habe ich noch gedacht, dass die Schafe auf der Weide mehr von der Landschaft haben, als ich.

Hier wird an mehreren Felsblöcken gebouldert.

Blick zurück: Wirklich wunderschön hier.

14.51 Uhr – Minimaler Windschutz für die Mittagspause. Bei Heckenwegen konnte ich nicht so einfach auf die Wiese und mich auf einen Stein setzen.

Jetzt muss ich noch über den Kamm und dann runter nach Carlisle.

Das Durchfahren der Furt müsste gehen.

Ging!

15.09 Uhr – Es geht bergab. Vor mir ist es dunstig. Hier auf 315 m Höhe ist der Wind sehr kräftig und böig.

15.34 Uhr – Sonnig, 24° C im Schatten. Uff. Alles ausziehen, bis auf die Windjacke.

Herrenhaus Rose Castle.

Marktplatz Dalston.

16.32 Uhr – Heimelige Kirche. War zu sehr mit dem Gedanken unterwegs, möglichst bald in Carlisle anzukommen. Ich habe es doch gar nicht eilig und es ist auch nicht mehr weit. Vor 18.30 Uhr die Kathedrale zu besuchen, sollte klappen, auch ohne Raserei.

Irgendwie spanischer Glockenturm.

16.55 Uhr – River Caldew kurz vor Carlisle.

17.04 Uhr – An der Stadtmauer von Carlisle.

Carlisle Castle.

Evening Prayer findet um 17.45 Uhr statt.

Das Chorfester ist das größte in England, das im Decorated Style der Gotik gebaut wurde.

Da ich beim Reinfahren in die Stadt einmal um die Kirche herum gefahren bin, habe ich nicht gleich verstanden, dass dies die Ostseite der Kirche ist.

17.12 Uhr – Ankunft, gleich neben der Kathedrale.

Rosinante hat einen ganzen Saal im ersten Stock für sich alleine. Es sind gerade etwa zwanzig Radfahrer im Hotel, sagte die Dame an der Rezeption. Da kam eine Stimme von hinter mir: «Nein, wir sind 29.» Sie fahren morgen, wie ich, gen Norden. Außerdem gibt es eine Feierlichkeit und die Küche ist etwas im Stress.

Ich wurde mal wieder durch eine unbekannte Badewannenamatur überrascht. Ich lasse Wasser in die Wanne laufen, bis es warm ist, schalte dann auf Dusche um. Alles klar. Aber als ich das Wasser abstellen wollte, habe ich es nur zwischen Dusche und Wanne umschalten, aber nicht abstellen können. Dabei wollte ich doch pünktlich sein. Am Ende habe ich es hinbekommen, keine Ahnung wie.

Blick aus dem Flurfenster des Hotels. Man sieht den Chor mit dem großen Fenster. Er ist sieben Joche lang.

Wir waren nur sechs Besucherinnen. Es gab keinen Chor, der gesungen hat, auch keinen Organisten. Ich konnte der komplizierten alttestamentarischen Lesung nur schwer folgen. Aber der Ablauf wird mir langsam vertrauter. Schön, wieder mehr als nur eine Besichtigung einer Kathedrale zu machen.

Dreigeschossige Mittelschiffwand, nur relativ kleine Obergaden. Der Chor wurde im 13. und 14. Jhd. erbaut. Die Bemalung der noch ursprünglichen Holzdecke ist aus dem 19. Jhd. Das Glas im außergewöhnlich großen Chorfenster ist teils noch aus dem 14. Jhd.

Die sehr imposanten Orgelpfeifen hängen in der Vierung.

Model mit Zustand der Kirche um 1540. Rechts vom Vierungsturm der Chor. Vom ursprünglichen Langhaus aus dem 12. Jhd., links vom Turm, sind nur zwei Joche erhalten. Vom Kreuzgang steht nur noch ein kleiner Teil.

Reste des Kreuzgangs.

Rest des wesentlichen Langhauses mit den Rundbogen-Fenstern aus dem 12. Jhd. Im hellroten Neubau befindet sich das Kirchencafé.

Marktplatz von Carlisle, rechts das alte Radhaus, links das Hotel.

Ich hin zurück in die Unterkunft und habe erstmal noch die Wäsche gemacht.

19.23 Uhr – War ja irgendwie klar: Meine Reservierung im Hotelrestaurant für acht Uhr habe ich gerade abgesagt, weil ich mehr Lust auf Pizza habe. Da komme ich in die Pizzeria und die schließt, weil die ganze Straße keinen Strom hat. Dann bin ich jetzt mal etwas flexibel und suche mir was anderes.

20.05 Uhr – Bei einem anderen Italiener am Rand der Innenstadt esse ich Penne Amatriciana und einen kleinen Salat. Sehr lecker.

23.38 Uhr – Fertig mit Telefonieren und dem Nacharbeiten des heutigen Eintrags. Jetzt fallen mir doch fast die Augen zu.

Sa. 30.05. – Carlisle – Gretna – Dumfries – 72 km/315 Hm

6.18 Uhr – Gut geschlafen, vielleicht etwas kurz. Das Wetter sieht gut aus. Am späten Nachmittag zieht ein Regengebiet durch. Möglicherweise bin ich dann aber schon am Ziel.

7.52 Uhr – Die Kathedrale im Morgenlicht. Ich habe mich ein bisschen beeilt, um nicht mit den 29 anderen Radlern gleichzeitig auszuchecken. Es ist schon zu warm für Arm- und Beinlinge.

Ich ziehe sie vor dem Hotel wieder aus und schmiere mich noch mit Sonnencreme ein. Abfahrt.

Nach etwa 17 km überquere ich heute den River Sark und damit die Grenze zu Schottland. Gretna ist der Zollposten auf schottischer Seite, bekannt durch den Hochzeitsort Gretna Green, der neben Gretna liegt. Dann folgt Annan an der Mündung des River Annan. Dumfries liegt am River Nith. Monika hat hier damals ein Praktikum gemacht.

Der Dichter Robert Burns, der unter anderem das bekannte Lied «Auld Lang Syne» geschrieben hat, hat sein letztes Lebensdrittel in Dumfries verbracht.

Die Burg von Carlisle auch nochmal mit Sonnenschein.

River Eden. Auf dem Straßenschild steht «The NORTH». Sollte hinkommen.

8.54 Uhr – River Esk. Eine flache, sonnige Fahrt.

9.06 Uhr – Schon am Grenzflüsschen Sark. Im Süden kann ich noch die Gipfel der Lakes sehen.

9.09 Uhr – Jetzt bin ich also nach 1145,76 Kilometern in Schottland angekommen. Gegenüber liegt das alte Zollhaus. Die sonnige Begrüßung gefällt mir! Gerne weiter so.

Und die Gemeinde begrüßt mich auch. Wie schön.

9.18 Uhr – Das Ortszentrum von Gretna besteht aus dieser kleinen Ladenzeile.

Gegenüber steht ein Denkmal für die Menschen, die während des ersten Weltkriegs in den Munitionsfabriken in Gretna gearbeitet haben.

9.28 Uhr – Noch ein etwas wehmütiger Blick zu den Peaks der Lakes. Dazwischen liegt der Solway Firth. Ich fahre gen Westen und habe leichten Gegenwind.

9.38 Uhr – Das Schild sagt in etwa: Der Radweg endet hier, sorry, wird jetzt etwas gefährlich auf der Straße. Bitte pass auf! Danke für den Hinweis.

9.56 Uhr – Der enge vermüllte Streifen könnte der Radweg sein. Da fühle ich mich auf der Straße sicherer.

10.02 Uhr – Die Straße fährt sich sehr gut. Wenig Verkehr, niedrige Hecken und daher gute Sicht in die Landschaft.

10.16 Uhr – Annan Marktplatz. Schon 31 Kilometer gefahren. Es läuft einfach richtig gut.

Jetzt suche ich mir ein Café.

10.35 Uhr – Im Quarter Cake. Das war gar nicht so einfach. Mehrere Bäckereien, eine mit einer langen Schlange auf der Straße, verkaufen nur zum Mitnehmen. Bei Google habe ich an der Hauptstraße kein Café mit Plätzen draußen gefunden. Ist vielleicht auch zu kalt hier.

Das Quarter Cake hat nur kleine Fenster und den kleinen Eingang hinter dem Haus. Ich dachte erst, es sei geschlossen.

10.53 Uhr – Gemächlich weiter.

11.05 Uhr – Bin aber doch noch zu dem Mann, der die Bänke abschleift gegangen und habe ihn in ein Gespräch verwickelt. Er macht die Arbeit aus Freude daran, bekommt mal einen Kaffee rausgebracht. Er würde die Bänke ja lieber ölen, statt sie zu lackieren. Ich auch! Er kommt ursprünglich aus der Nähe von Dover. Der Winter war lang hier, nicht zu kalt, aber sehr wolkig, ohne Sonnenschein. Er freut sich über das Wetter heute.

Als ich los wollte sprach mich noch ein Paar an, das sich in der Zwischenzeit auf eine der Bänke gesetzt hatte. Woher ich komme, sie hätten zugehört. Sie haben Freunde in Bayern. Sie leben in Yorkshire, aber sie kommt aus Dumfries. Sie überlegen, wieder hierher zu ziehen.

11.13 Uhr – Das macht wirklich Freude! Jetzt weiter!

Von der Fußgängerbrücke über den River Annan sieht die Stadt sehr ländlich aus.

Die Schleierwolken halten die Sonne ab und es wird windiger. Ich ziehe die Armlinge an, bis mir wieder warm ist.

11.39 Uhr – Vor mir das Meer. Hier wird auch unter Folien angebaut.

Powfoot.

11.54 Uhr – Großer Mobile-Home-Platz direkt am Meer. Der Blick vom Café ist sicher toll. Ich suche mir eine Bank für mein Sandwich.

12.06 Uhr – Marschland bei Ruthwell. Im Hintergrund der Criffel, 570 m. Er liegt im County Dumfries and Galloways und ist auch von den Gipfeln der Lakes aus oft gut zu sehen. Durch seine Alleinlage (Prominenz) wirkt er höher, als er tatsächlich ist.

Ein Stück mit Rückenwind.

Das kleine Strassendorf Ruthwell.

12.31 Uhr – Am Ortsrand von Ruthwell steht eine Bank. Ich kann das Meer und die Galloways sehen. Es zieht sich zu. In zwölf Minuten soll ein kurzer Schauer durchziehen. Dahinter ist es wieder trocken. Vielleicht radle ich bis zu einer Scheune.

12.52 Uhr – Es sind bis jetzt nur ein paar Tropfen gefallen. Ich ziehe mir die Regenjacke und den Helmregenschutz an und fahre mal weiter von Baum zu Baum.

So sieht es auf dem Regenradar aus, aber es fallen weiterhin nur wenige Tropfen.

Also mal weiter zum Weiler Bankend.

13.12 Uhr – Es regnet nur noch ein paar Tropfen. Die Sonne kommt raus. Jetzt erst die Regenjacke im Fahrtwind trocknen, dann die Windjacke.

13.23 Uhr – Sumpfiges Marschland.

13.51 Uhr – Keine Aussicht von der Picknickbank aus, aber ein bisschen Windschutz durch die Hecke. Hinter der Hecke liegt das Marschland. Hier in der Nähe steht die Ruine von Caerlaverock Castle. Von weitem habe ich sie vorhin sehen können, dann wurden die Hecken zu hoch. Das letzte Stück bis Dumfries radle ich jetzt am River Nith entlang gen Norden.

Salzmarschen. Die Berge tragen eine dicke Daunendecke aus Wolken. Der heftige Wind schiebt mich jetzt wunderbar.

Es kommt noch ein bisschen Regen nach.

14.13 Uhr – Dumfries liegt vor mir, noch etwa acht Kilometer landeinwärts.

Nachtrag: Als ich mich umdrehte, bemerkte ich, dass dort ein großes Café mit breiter Glasfront zum Wasser hin liegt. Dort wollte ich gleich rein, da ich ja früh dran war. Ein Mann stieg gerade aus seinem Auto und zog sich eine Art Geschirr an, hätte auch eine Babytrage sein können. Den habe ich gefragt, ob das Café geöffnet ist. Er meinte, nein, da dort eine Hochzeit stattfinde, um 15 Uhr. An seinem Geschirr hingen mehrere Kameras. Ja, er sei der Hochzeitsfotograf. Dann fragte er nach meiner Reise und erzählte gleich begeistert von den Highlands. Aber das Wetter und die Mücken würden mit jedem Kilometer schlimmer. Er habe mich gewarnt, sagte er.

Es fällt mir leicht, Leute anzusprechen und nach etwas zu fragen, oder danach, was sie da gerade machen. Macht mir einfach Freude.

14.43 Uhr – Dock Park am River Nith in Dumfries, kurz vor der Stadtmitte. Bin trocken hierher gekommen.

14.52 Uhr – Ich esse einen supersüßen Carrot Muffin im Dock Park. Die Unterkunft öffnet ja auch erst um 15 Uhr.

15.35 Uhr – Minimal zu lange gewartet, jetzt tröpfelt es.

Marktplatz von Dumfries. Ich werde etwas nass.

15.43 Uhr – Ankunft.

16.07 Uhr – Blick aus dem Fenster auf das Koi-Becken der Nachbarn und die St. John’s Korche. Collin, der Hausherr, ist total nett. Das Verstauen des Fahrrads im Schuppen und die detaillierte Hausführung haben zwanzig Minuten gedauert. Das Haus aus dem 19. Jhd. unterliegt strengen Denkmalschutzregeln. Da muss dann ein Holzklötzchen das Fenster offenhalten, weil der alte Mechanismus mit dem Gewicht des Fenstern nicht klarkommt. Usw.

Es gibt aber zum Glück fließend warmes Wasser und Steckdosen. Just joking.

Frühstück morgen erst um halb neun. Das ist für einen neunzig Kilometer Tag natürlich echt spät. Aber mit etwas Glück ist bis dahin der Regen durchgezogen.

So, jetzt probiere ich mal die Dusche aus

18.25 Uhr – Duschen und Fahrradkleidung waschen hat geklappt. Die heutigen Aufzeichnungen habe ich schon fast vollständig ergänzt. Die Begegnung mit dem Hochzeitsfotografen fehlt noch.

Dafür aber schon mal die Gesamtübersicht über die bisher zurückgelegte Strecke. Das war England. Jetzt beginnt die Schottlandrundfahrt.

Der Marktplatz bei besserem Wetter und von der Rathausseite aus.

Dumfries erhielt 1186 die Rechte einer Royal Burgh. Das Schloss existiert nicht mehr. Robert the Bruce, der spätere schottische König, hat hier in einer Kirche seinen Rivalen John Comyn im Zorn mit einem Dolch schwer verletzt. 1633 schuf König Charles I. den bis heute bestehendenTitel Earl of Dumfries.

19.06 Uhr – Ich sitze im La Dolce Vita, ohne Reservierung, daher muss ich bis um acht fertig sein. Der kleine gemischte Salat war schon mal gut und kam sehr schnell.

19.20 Uhr – Und da ist auch schon die Pizza!

19.46 Uhr – Sehr lecker, etwas scharf, aber sehr gut.

Die Hochzeitsfotografenbegegnung habe ich inzwischen ergänzt.

Am 6. Juni gibt es in Dumfries nachmittags ein 5Rhythmen-Tanz-Angebot. Da würde ich ja glatt hingehen. Der Aushang war, zusammen mit vielen anderen Angeboten, im Schaukasten am Rathaus zu sehen.

Noch schnell einen Espresso, dann bin ich auch schon fertig.

Wehr und alte Devorgilla-Brücke aus dem 17. Jhd.

Burns-Denkmal und Greyfnars Kirk.

21.19 Uhr – Zurück auf dem Zimmer. Ich habe mir noch einen Kaffee gemacht und kann jetzt noch lesen. Kann ja bis um acht Uhr schlafen. Was mir aber wahrscheinlich nicht gelingen wird.

22.12 Uhr – Ich habe doch noch weiter recherchiert und ergänzt. Jetzt ist aber wirklich Schluss für heute.

So. 31.05. – Dumfries – Newton-Stewart – 90 km/1000 Hm

6.47 Uhr – Wer hätte gedacht, dass ich mich so gut auf das frühe Aufstehen einstellen kann. Wobei, nach deutscher Zeit ist es ja auch schon 7.47 Uhr und damit wieder völlig normal für mich.

Jedenfalls hätte ich vor einer halben Stunde schon aufstehen können. Draußen ist blauer Himmel mit einigen Wolken. Der morgendliche Regen ist im Wesentlichen schon weiter nördlich durchgezogen. Bezüglich des Wetters bin ich, bis auf den Wind, ganz frohgemut.

9.09 Uhr – Ich war um zwanzig nach acht unten. Alles war fertig, daher ging das Frühstücken recht zügig.

9.19 Uhr – Abfahrt. Bin recht warm angezogen. Mal sehen, ob das Wetter nicht doch zu warm dafür ist.

Ich fahre relativ weit nördlich am Criffel vorbei in südwestlicher Richtung, also genau in den Wind. Etwa vier Mal steige ich auf hundert bis hundertfünfzig Meter Höhe an und fahre wieder runter auf Meereshöhe. Alles keine großen Sachen. Ich fahre durch folgende kleine Ortschaften: Nach 27 km kommt Castle Douglas, nach 45 km Kirkcudbright, nach 58 km Gatehouse of Fleet, nach 77 km Creetown.

Wehr und alte Brücke in Dumfries. Sonne und dunkle Wolken voraus.

9.35 Uhr – Die Wolken hängen etwas mehr in den Bergen als vor mir. Als würde der Criffel die Wolkendecke zu sich heran ziehen. Kann er gerne haben.

Aus den dünnen Wolken fallen immer noch ein paar Tröpfchen.

10.02 Uhr – Auf 122 m. Ich wische mal die Tropfen von der Schutzbrille und hoffe, es fängt nicht gleich wieder an zu regnen.

10.20 Uhr – Sehr schöner Platz für den Morgengruß: Gelassenheit, Kraft, Freude an der Begegnung, Freude an der Natur.

Von der nahen Farm schallt das laute Blöken vieler Schafe herüber. Die Sonne gewinnt an Kraft.

Laut wie ein Kindergarten.

10.40 Uhr – Eine mit Schafen gesprenkelte Weide. Hier sind sie aber viel ruhiger.

10.55 Uhr – Es tröpfelt.

11.10 Uhr – Kein Tröpfeln mehr. Jetzt kurz steil runter und steil wieder rauf.

11.18 Uhr – Doch ein paar mehr Tröpfchen. Ich ziehe die Regenjacke an und den Regenschutz über den Ledersattel.

11.29 Uhr – Natürlich gibt es in dieser Gegend auch Kühe, nicht nur Schafe. Keine Tropfen mehr.

Alle stehen auf und kommen neugierig näher.

Mal ein Blick nach Norden. Es gibt neben Weiden auch Ackerbau.

11.50 Uhr – Castle Douglas. Habe mir schon ein Coffee House rausgesucht.

Ah, da ist es!

12.00 Uhr – Kaffeepause!

Es gibt acht verschiedene Kuchen. Der Laden wird von drei Frauen meines Alters betrieben. Er ist jetzt voll, alle Tische sind besetzt.

Filz-Kunstwerke.

12.25 Uhr – Etwas mehr Sonne als vorhin. Weiter.

Carlingwark Loch bei Castle Douglas. Der Berg am Horizont könnte der Bengairn, 391 m, sein.

13.03 Uhr – 13 – 15 km/h, mehr ist mir bei dem strammen Gegenwind zu anstrengend.

Der Bengairn von nahem.

13.34 Uhr – Auf Kilometer 42. Der Wald hält den Wind ab. Der Teer ist nagelneu und wunderbar glatt. Es geht sanft bergab. Still ist es, bis auf säuselnde Blätter und zwitschernde Vögel.

Kirkcudbright – Rhododendron in allen Farben.

Gedenkstein aus dem 19. Jhd.

13.47 Uhr – Ich suche mir eine Picknickbank.

MacEllan’s Castle.

Endlich einmal Picknickbänke an vielen Stellen: im Park, am Castle, an der Kirche und auch hier. Ich bleibe hier am Wasser.

14.20 Uhr – Leckere Sandwiches mit Kaffee. Mal weiter.

Fisch frisch vom Trawler.

Ich habe den River Dee überquert. Jetzt ändert sich meine Richtung von Südwest auf Nordwest. Mal sehen, was das beim Wind bringt.

14.45 Uhr – Der Wind hilf sehr! Ich nehme die A-Straße nach Gatehouse of Fleet, wenig befahren und sanfte Steigungen. Zur Leistungssteigerung habe ich Beinlinge und Armlinge ausgezogen. Sie sind mir zu warm.

15.09 Uhr – Aus lauter Freude an der schönen Abfahrt auf der A755 habe ich die Abzweigung auf das kleine Sträßchen glatt verpasst und musste umkehren.

Blick nach vorne.

Blick zur Seite runter zum Meer.

Hier beginnt der Galloway Forest Park.

15.29 Uhr – Der Radweg führt durch dieses Gate.

15.34 Uhr- In Gatehouse of Fleet. Der Ort ist erst zweihundert Jahre alt. Er wird als Tor zum Galloway Park bezeichnet. Man hat hier damals Baumwollspinnereien angesiedelt, weil das Wasser vom Loch Whinyeon zum Antrieb der Mühlen genutzt werden konnte.

Noch reicht meine Energie. Daher radle ich weiter. Noch 31 Kilometer. Jetzt kommt ein langer Anstieg, rüber nach Creetown.

15.56 Uhr Der Wind hilft mir beim Anstieg. Bei der Abfahrt, die wieder nach Südwesten verläuft, sollte der Gegenwind nicht so sehr stören.

16.07 Uhr – Auf 100 m Höhe. Ich komme sehr gut voran. Könnte etwas Kraft rausnehmen.

Sie sind ganz behutsam miteinander, üben nur.

Sieht aus wie ein Hochmoor.

Ob die auf den Bus warten?

Nachtrag: Natürlich nicht, ist ja eine Ausweichstelle. Sie machen mir Platz! Danke für die Richtigstellung!

16.25 Uhr – Auf 154 m Höhe. Ich fahre links ab.

Warm anziehen für die Abfahrt.

16.37 Uhr – Mir kamen zwei Gravelbikerinnen entgegen. «How is it going?» «Excellently!», rufe ich.

Sehr schön!

16.46 Uhr – Plötzlich eine große Weite.

17.00 Uhr – Kleine Müslipause in Creetown.

17.13 Uhr – Gleich weiter. Der letzte Anstieg.

River Cree.

Cree und Wigtown Bay.

Ich habe noch überlegt, einfach auf der super schönen Hauptstraße zu bleiben. Aber Radweg, sagt man ja immer, ist viel schöner. Denkste! Es ging extrem steil den Berg hoch. Nicht sehr lange, daher irgendwie fahrbar. Hier steht 30%, na ja, waren vielleicht weniger. Hier oben ist das Warnschild echt nötig, so furchtbar steil geht es von hier runter.

Mit abklingendem Puls hoffentlich flach und mit Aussicht weiter.

Diese Aussicht zählt, aber noch war es das nicht wert.

Hier oben bin ich auf einer gut ausgebaute Bahntrasse. Die Kombination erinnert mich an die Etappe von Pamplona nach San Sebastián.

17.43 Uhr – Hier fehlt wieder ein Stück Brücke. Der Radweg verlässt die Bahntrasse.

17.50 Uhr – Nochmal 80 Höhenmeter mit rot markierter Steigung. Aber mit Rückenwind!

18.02 Uhr – Anstieg mit etwa 10% Steigung. Gut machbar, wenn auch etwas spät am Tag. Jetzt runter nach Newton-Stewart.

Hier noch runter, dann noch etwas über drei Kilometer.

Brücke über den Cree mit Blick auf Newton-Stewart.

18.18 Uhr – Der zentrale Platz in Newton.

18.20 Uhr – Ankunft. Yeah, geschafft!!

Geduscht, gewaschen, jetzt habe ich aber einen Hunger.

21.39 Uhr -Irgend etwas davon war das berühmte Haggis, da war sich der junge Kellner ziemlich sicher. War jedenfalls sehr lecker und ausreichen. Vorher habe ich wieder einen kleinen Salat genommen. Zur Verdauung gab es nach dem alkoholfreien Bier noch ein Pint Lager.

Auf die Frage, ob es in der Gegend für Wanderer Schutzhütte gebe, hatte er keine klare Antwort. könnte also sein, dass es keine gibt. Und morgen ist Regen angesagt.

Da es aber normaler Regen sein soll, lasse ich es bei der langen Version der Etappe und kürze sie nicht ab. Morgen Abend kann ich dann sagen, ob das eine gute Idee war.

Die heutige Etappe hat mir wieder sehr gut gefallen, das Café, die Picknickbänke, der nur sehr geringe Regen. Die vielen Abschnitte mit neuem Teer haben mir jedesmal ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Bis auf die 30%-Geschichte ein toller Tag draußen.

Die Gegend ist ziemlich abgelegen. Wenn man die Berge besteigen will, muss man lange Zuwege laufen. Ich glaube nicht, dass man mit dem Auto weit ab von den schon ziemlich kleinen Nebenstraßen noch ins Gelände fahren kann.

22.06 Uhr – Für heute erstmal Schluss.

Mo. 01.06 – Newton-Stewart – Maybole – 83 km/1510 Hm

6.47 Uhr – Gut geschlafen und vom Wecker wach geworden. Draußen ist es nass und neblig. Laut Vorhersage könnte es auch mal kurz aufhören zu regnen. Ob es dabei aber aufklart? Wird wohl eine Niesel-Nebel-Fahrt.

7.36 Uhr – Der Nebel ist etwas weniger dicht. Neben der sportlichen Herausforderung wird es wohl im Wesentlichen eine moralische. Wie halte ich die Stimmung hoch? Wie finde ich Freude am Draußen-Sein?

8.44 Uhr – Joghurt und Banane im Co-op gekauft. Der Mann in der Bushaltestelle hat mir einen schönen Tag gewünscht. Wäre eine tolle Strecke, die ich da vorhabe. Wenn es regnet, dann schau nach unten auf den Weg, wenn die Sonne rauskommt, dann nach oben in den Himmel, meinte er noch.

Der Regen ist erstmal durch. Ich ziehe die Regenhose wieder aus. Dann los!

Heute habe ich die einzige Etappe mit über 1000 Höhenmetern vor mir. Es gibt drei größere Anstiege. Der höchste Punkt liegt bei 400 m Höhe.

Nach 15 km komme ich an dem Kunstwerk «The Eye» vorbei, nach 35 km an Bruce’s Stone., einem Gedenkstein für eine von Robert the Bruce gewonnene Schlacht.

Die Wege sind teils nur geschottert. Das könnte bei der Nässe mühsam werden. Orte mit Cafés zum Aufwärmen gibt es keinen einzigen. Ob es Schutzhütten gibt, in denen ich mich für eine Pause unterstellen kann, ist unklar, die ausgehängten Wanderkartenwände könnten aber Dächer mit etwas Platz zum Unterstellen haben. So sieht es auf einem Foto im Netz aus. Mal gespannt, was ich mir da vorgenommen habe.

8.57 Uhr – Nebel aber trocken.

Moos-feucht.

9.07 Uhr – Ohne Regen hat es was. Die erste Mücke kam.

9.16 Uhr – Ich nehme das Teersträßchen, das als Sackgasse gekennzeichnet ist. Am Ende sollte ein Radweg weitergehen.

Die Regenjacke tausche ich gegen die Windjacke. Nur ganz leichter Wind. Kuckuck, Krähen, Enten, viele Vogelstimmen, Wasserrauschen, Blätter im sanften Wind.

9.29 Uhr – Der Penklin Bum macht die Wassergeräusche.

Es geht auf die Forststraße. Sieht gut aus. Ist als Mountainbike-Trail gekennzeichnet. Rosinante kann das!

Schaffen wir das, Rosinante?

Klar, kein Problem!

9.46 Uhr – Morgengruß: Zuversicht, Gelassenheit, Neugier, Genuss.

Mit schwerem Gerät wird hier der Nadelwald kahl geschlagen.

10.01 Uhr – Auf 160 m Höhe ist der Nebel natürlich dichter. Aber kein Regen und mit 14° C nicht kalt.

10.19 Uhr – Hier bin ich sehr froh, dass es eine Brücke gibt.

10.23 Uhr – The Eye am Black Loch.

Eine Nadel aus Bruchstein-Kacheln.

Eine Beschreibung zu den Kunstwerk habe ich auf der Homepage der Künstlerin Colin Rose nicht gefunden.

Mit einem Loch wie ein Fernrohr. Ich sehe leider nur Nebel.

10.40 Uhr – Hundert Höhenmeter mit 9% Steigung auf nassem Schotter. Ich sehe weniger als vorher. Aber, es läuft gut und regnet nicht!

10.52 Uhr – Steinbruch.

11.01 Uhr – Auf 355 m. Könnte sein, dass es jetzt etwas bergab geht. Zu viel Wind für Brotpause.

11.23 Uhr – Wieder auf dem normalen Radweg 7. Das war ein steile steinige Abfahrt. Kaffee ohne Wind wäre gut.

11.34 Uhr – Auf 225 m, Sicht etwas besser.

11.57 Uhr – Eine Bank! Aber nicht einladend.

«High there», und weg war er.

12.04 Uhr – Den Sitzplatz nehme ich.

Mauerreste tauchen aus dem Nebel auf. sehr viele winzige Fliegen.

Und Berge tauchen auf.

Und das Loch Dee taucht aus den Nebeln auf. Wow!

Wegweiser für Radfahrer. Habe mich schon lange gefragt, was das für Dinger sind.

Dafür hat sich die Anstrengung gelohnt! Nach 30 km und 700 Hm.

Die Seite mit dem Berg wirkt irgendwie besser.

12.31 Uhr – Blick nach vorne. Na, da kann man nicht meckern.

Aber laut Regenradar beginnt es in zehn Minuten zu regnen.

Blick zurück, weil es so schön ist! Jetzt aber über den Pass und weiter.

12.42 Uhr – Sieht nach einer längeren Abfahrt aus.

Der Zulauf des Sees inkl. Wasserfall ganz oben.

Sehr langer Wasserfall.

Tolles enges Tal.

Es geht noch ein gutes Stück weiter bergab.

Übel steinige steile Abfahrt auf dem letzten Stück. Danach geht es wieder rauf. Es regnet leicht.

Plötzlich ein Café. Kann doch nicht wahr sein.

13.30 Uhr – Doch! Ich frage gleich, wie es sein kann, dass es hier ein Café gibt. Hier ist doch niemand. Ein Mann meines Alters sagt, doch, wir wussten ja, dass du kommst. So unterhaltsam ging es weiter. .

Er kauft Profilfräsen in Deutschland für seinen Fensterbaubetrieb in Newton-Stewart. Aber er lässt seinen Sohn die deutsche Firma bei Paderborn alleine besuchen. «Dafür bin ich zu alt», sagt er. Die junge Frau hinter der Theke ist auch aus der Newton-Stewart. Wir haben viel Spaß. Ich lade das Handy an der Steckdose. Ich mache unterwegs viel zu viele Fotos für den inzwischen sechs Jahren alten Akku

Ich habe einen Flat White und ein Stück Kuchen genommen. Als ich noch einen Softdrink wollte, haben sie mir IRN-BRU empfohlen, ein schottisches Getränk mit Koffein, Zucker etc. Dann gab der Mann mir noch einen Schoko-Snack mit den Worten: Den wirst du für die Steigung brauchen.

Stellt sich raus, dem Mann gehört auch das Café. Er arbeitet die junge Frau gerade ein.

13.43 Uhr – Ganz beseelt weiter.

Der Regen ist erstmal vorbei. In dreißig Minuten könnte es aber wieder losgehen.

13.58 Uhr – Sauber zerlegt, der Baumriese

Sehr viele Wasserfälle gibt es hier, einer schöner als der andere.

15% Steigung auf Schotter! Puh, da waren die Limo und die geschenkte Schokolade echt nötig.

Hier beginnt eine Teerstraße. Links sollte der Bruce’s-Stone sein.

Loch Trool. Hier hat Robert the Bruce den englischen Earl Pembroke besiegt.

Blick auf Loch Trool vom Bruce’s Stone.

Rosinante macht sich gut auf dem Foto.

Nun habe ich von allen Seiten ein Foto.

14.45 Uhr – Glentrool Visitor Centre.

Die violette Strecke bin ich gefahren.

Bin schon mit Kaffee bedient. Daher leider weiter.

Water of Minnoch.

Und hier ist plötzlich alles flach.

Regenhose aus.

Maybole ist ausgeschildert.

15.07 Uhr – Langweilig, aber sehr gut zum Vorankommen und sanft Höhe gewinnen. Ankunft könnte erst 19.30 Uhr sein.

Mehr Nieselregen. Alles wieder anziehen.

Ab jetzt gibt es viele Tippfehler im Text, die abends korrigiert habe. Die Hände sind nass. Es tropft vom Helm in die Lenkradtasche, wenn ich sie öffne.

15.22 Uhr – Dauerniesel. Kaum Aussicht.

15.43 Uhr – Dauerniesel.

16.10 Uhr – Ich denke, ich bin oben, dann geht der Anstieg doch weiter. Etwas weniger Dauerniesel. Auf 384 m.

16.16 Uhr – Nach diesem Anstieg zählt die Anhöhe als Pass! Schließlich steht da ja auch ein Pass-Schild von ayreshirealps.org

Wieder ein tolles Tal mit langer Abfahrt, diesmal bequem auf Teer und sogar mit Leitplanken.

Ein bisschen kann ich immerhin erkennen.

Alpine Abfahrt, und unten liegt ein kleiner Talkessel.

16.41 Uhr – Wieder raus aus dem Kessel. Letzter Anstieg. Nur noch Nebel.

Vielleicht ist der Pass schon dort oben, aber ich will nichts versprechen.

16.54 Uhr – Hinter mir im Talkessel ist es deutlich heller.

Hier wurden sehr große Plantagen mit Nadel- und Laubbäumen angepflanzt.

17.00 Uhr – Ich muss doch noch, wie zu erwarten, ein gutes Stück, mit sanfter Steigung und Rückenwind weiter den Berg hinauf. Langsam habe ich Hunger.

17.12 Uhr – Da vorne sieht es so aus, als läge tief unten eine Ebene unter der Nebeldecke.

17.16 Uhr – Da unten könnte Maybole liegen. Ich esse mal die Kekse aus dem Hotel und trinke den lauwarmen Rest Kaffee, hier auf der Straße im Stehen.

Lecker!!!!!!

Tolle super gemächliche Abfahrt.

17.42 Uhr – Es gibt wieder etwas zu sehen.

17.55 Uhr – Regensachen aus, Windjacke an. Noch fünf Kilometer, mit kleinen Anstiegen. Oben im Wald kamen mehrere Pickups an mir vorbei. Feierabendverkehr der Forstleute, nehme ich an.

18.08 Uhr – Kildoon Monument, im Gedenken an Sir Charles Fergusson of Kilkerran. Auf und am Hügel gibt es Reste prähistorischer Befestigungen.

Vorne Maybole, nehme ich an.

18.20 Uhr – Maybole Hauptstraße.

18.23 Uhr – Ankunft. Was für ein toller Tag!

19.31 Uhr – Geduscht, gewaschen, Rad mit Hilfe einer herbeigerufenen Mitarbeiterin sicher verstaut. Jetzt muss ich dringend etwas essen.

Maybole Castle.

Und, was soll ich sagen, die Sonne ist rausgekommen. Morgen wird es wohl auch regnen, aber angeblich nur 2 mm. Heute waren es 12 mm.

20.11 Uhr – Gar nicht so einfach, ein Restaurant zu finden. Fast alle sind geschlossen, selbst Take-Aways. Im Pub war die Küche zu. Ist es, weil heute Montag ist?

Jetzt bin ich in einem Take-Away mit Tischen. Die beiden kleinen Kinder der Besitzerin sind mit ihren Handys beschäftigt. Irgendwie traurig. Die Frau hat mich kaum verstanden, ich sie aber auch nicht. Habe 16 Inch statt nur 10 Inch genommen.

Aber, oh Mann, nachdem ich sieben der acht Stücke gegessen habe, bin ich echt voll. Dazu zwei IRN-BRU getrunken.

Die Banane, die ich heute Morgen gekauft habe, nehme ich morgen für das Müsli-Frühstück. Das Hotel bietet keines an.

22.36 Uhr – Beim Spar an der Tankstelle habe ich Alpen-Müsli ohne Zucker gekauft, und einen schottischen Cidre zur Verdauungsförderung.

Nachdem ich heute Morgen den Eindruck hatte, die Wäsche sei nicht hundertprozentig trocken, habe ich im Bad die Heizung am Handtuchhalter eingeschaltet und trockne das Shirt und die Radhose zusätzlich, so lange ich noch wach bin.

Gerne wäre ich die Strecke heute bei Sonnenschein gefahren. Ich bin aber sehr guten Mutes und mit vielen tollen Eindrücken und dem Gefühl, dass ich wirklich ziemlich fit bin, durch den heutigen Tag. Das Café mit den zwei sehr netten Leuten hat den Tag extrem bereichert.

22.42 Uhr – Zeit zum Kräftesammeln im Schlaf.

Di. 02.06. – Maybole – Kilmarnock – 58 km/510 Hm

6.39 Uhr – Ziemlich gut geschlafen. Draußen ist es neblig, aber die Straße ist trocken.

Es gibt im Hotel kein Frühstück, daher mache ich mir gleich ein leckeres großes Müsli mit viel Kaffee.

8.11 Uhr – Kurzfristig kam vorhin sogar die Sonne raus. Deutlich weniger Nebel.

Einige der Fotos, die ich gestern in der WordPress-App in den Beitrag eingefügt habe, sind offensichtlich nicht hochgeladen worden, obwohl sie in der App korrekt als hochgeladen angezeigt werden. Ich musste die Fotos über «ersetzen», noch einmal hochladen. Meist lädt die App Fotos später hoch, wenn gerade mal kein guter Empfang ist. Falls Euch also beim abendlichen Lesen auffallen sollte, dass es eine Bildunterschrift ohne Bild gibt, dann lasst es mich gerne wissen.

So, jetzt muss ich mal das Chaos hier im Zimmer aufräumen und in die Taschen packen.

9.03 Uhr – Es hat vorhin doch etwas geregnet. Die Straßen sind nass, aber es scheint aufgehört zu haben. Abfahrt ans Meer.

Die heutige Etappe ist wieder deutlich kürzer und flacher. Ich fahre durch mehrere Küstenstädte, auch durch Ayr, die Hauptstadt der Grafschaft.

9.08 Uhr – Komoot meint, ich soll das Rad die Stufen dahinten hochtragen?!?!? Da fahre ich doch lieber ein paar hundert Meter Umweg. Ist mir zu Hause wohl beim Checken der Strecke durchgegangen.

9.16 Uhr – Der erste steile Anstieg ist mit Müsli-Kraft schon gemacht. «Keep going», rief ein Mann aus dem Auto mir zu.

9.33 Uhr – In den Bergen hinter mir, aus denen ich gestern gekommen bin, scheint es zu regnen.

Ich bin gerade einer neu geteerten Hofzufahrt steil den Berg hinauf gefolgt. Dann habe ich festgestellt, dass das Navi meckert. Wegen einer zu groben Zoomstufe auf der Karte, hatte ich Radweg und Zufahrt verwechselt. Also bin ich steil wieder runter und dann steil hier rauf. Was man nicht im Kopf hat….

9.40 Uhr – Ich hoffe, das vor mir ist nur Nebel.

Bei den gelb blühenden Büschen handelt es sich um Stechginster mit langen Dornen. Schlecht für Fahrradreifen.

9.47 Uhr – Morgengruß mit Panorama: Freude am Unterwegssein, Leichtigkeit, Kraft, Neugier.

Der Wind kommt böig von der Seite. Immer mehr Nebel vor mir, der über den Buckel kommt. Über mir singt eine Lerche. Weiter.

10.05 Uhr – Mitten in einer wunderschönen langen Anfahrt. Hab ich schon gesagt, wie toll es ist, zwei gut funktionierende Bremsen zu haben? Ich freue mich beim Bremsen!

Die ganzen Höhenmeter muss ich danach noch einmal hinauf, aber egal!

Eine Scharlachfuchsie.

Im Stechginsterwald.

10.36 Uhr – Auf der zweiten Anhöhe. Unten liegen Ayr und das Meer.

Sehr schöner Aussichtspunkt.

Und unten grast zufrieden Rosinante. 14° C und neblig kalter Wind. Jetzt runter ans Meer.

Wow, das war eine genial schnelle Strecke mit neuem Tourrekord von 63 km/h! Ging völlig angstfrei, wegen der funktionierenden Bremsen.

Jetzt biege ich auf die Hauptstraße ein.

10.58 Uhr – Mal eine sehr schöne Picknickanlage.

Nach einem kleinen Anstieg, den ich auf dem Bürgersteig gefahren bin, zog eine Gruppe Rennradler vorbei. Ich bin vom Bürgersteig auf die Straße und hinter ihnen her, mit 35 – 45 km/h den leichten Hang runter. Das war echt cool, auch wenn ich sie nicht einholen konnte, bevor meine Abzweigung kam. Puh, jetzt muss ich Luft holen.

11.06 Uhr – Greenan Castle.

Der Firth of Clyde.

Auf der anderen Seite des Firth liegt die Isle of Arran.

11.17 Uhr – Die Fußgängerbrücke über den River Doon wird repariert. Muss mir eine andere suchen.

Sehr lange Promenade mit vielen gemütlichen Bänken. Der Wind schiebt weiterhin. Ich rolle zum nächsten Café.

11.41 Uhr – Gleich das erste Café, komplett voll. Den Vater mit Kind, links im Bild, habe ich gefragt, ob ich mich dazusetzen kann. Klar! Aber dann wurde dieser Tisch hier frei. Sie haben tatsächlich Fanta Lemon! Und Meerblick rüber zur Isle of Arran.

Mal ein Blick auf die Karte.

Rain-Today behauptet schon die ganze Zeit, dass es gleich regnet. Tatsächlich kommt gerade die Sonne raus. Ich trinke die Fanta noch zu Ende, dann mal entspannt weiter.

Sonne am Strand.

Die Sicht wird auch besser.

Kindergartenstrandtag.

Ganz nett hier.

Reste einer Festungsmauer. Oliver Cromwell hat die Festung 1652, nach dem Ende des Bürgerkriegs, hier bauen lassen. Aber schon 1660, nach Cromwells Tod und der Monarchiereform, wurde die Festung aufgelöst.

Der markante, nadelförmige Rathausturm und die Brücke über den River Ayr.

Blick zum Hafen.

13.03 Uhr – Bruce’s Well. Ich mache eine sehr langsame Stadtrundfahrt. Zu warm, ich muss etwas ausziehen.

Warm ist es nur mit Rückenwind. Und vor mir liegt eine Nebelbank oder Regen.

13.27 Uhr – Am Flughafen. Armlinge wieder angezogen.

13.36 Uhr – Da war eine Bordsteinkante so geschickt, dass sie mir die linke hintere Tasche aus der Halterung gewippt hat. Wahrscheinlich war der Sicherungshaken aber auch nicht richtig fest zu. Puh, das hat mich ein ganz kleines bisschen geschockt. Werde die Haken besser kontrollieren.

13.49 Uhr – Wir, Rosinante und ich, stehen in einer verglasten Bushaltestelle und warten darauf, dass der Bus kommt. Ach, nein, Quatsch, dass der Regen nachlässt, natürlich. Wo ich doch gerade auf Sonne umgeschaltet hatte. Und RainToday: kein Regen in Sicht. Ok, Autos haben die Scheibenwischer aus, ich wage es.

Sieht man den Nebel über dem Teer und den fallenden Regen in den Pfützen? Ach, egal, auch wenn die Golfer unter dem Vordach des Clubs stehen.

Ich gebe auf und nutze einen Baum als Vordach. Und hoffe, dass die Sonne gleich die Feuchtigkeit in meiner Kleidung auch zu Nebel verwandelt.

Nachtrag: Zwei Frauen kamen vorbei. Ich habe gefragt, wie man das Wetter nennen würde, Regen, oder Nebel? Sie machen einen Walk and Talk. Es würde sicher bald aufhören. Sie lobten mein Englisch, warnten mich dann aber vor dem Norden: Je weiter man komme, desto schwerer seien die Leute zu verstehen. Man sage dort z.B. nicht «two», sondern «…». Ich kann es nicht wiedergeben. Aber nett seien die Menschen, sehr nett!

14.08 Uhr – Trool liegt vor mir. Es tröpfelt weiter.

14.19 Uhr – Eigentlich wollte ich in diese Kirche, für Pause und zum Regen abwarten.

Diese rote Tür war die einzige offene. Also bin ich da rein und habe gefragt. Die beiden Frauen stellten gerade ihre Rikscha ab. Die Kirche sei geschlossen und schon verkauft worden. Noch nutzen sie vom Cycling Without Age (CWS) Trool einen Raum in diesem Anbau, um die Rikschas unterzustellen. Die beiden haben ihre für heute Mittag geplanten Touren aber wegen des Regens abgesagt. Der Club hat derzeit zwei Rikschas, eine dritte soll bald folgen. Sie kaufen sie in Dänemark, wie wohl die meisten Clubs von «Radeln ohne Alter». An dieser Stelle ein Gruß an meinen Kollegen aus Hennef, der den dortigen Club organisiert.

Ich fahre an der Mole entlang, dann zum Spar-Supermarkt oder Morrisons, zu denen mir die Frauen den Weg noch erklärt haben.

14.33 Uhr – Eine halbe Molenrunde, jetzt zum Einkaufen.

Blick in die Stadt.

14.58 Uhr – Kundentoilette genutzt, dann einen Apfel und zwei Bio-Naturjoghurt gekauft, was man so im Supermarkt erledigt. Jetzt auf zu einem schönen Platz für die Pause.

15.16 Uhr – Fällt in die Kategorie «besonders schön»! Hinter den Büschen liegt der Strand. Ich kann über den Firth of Clyde auf die Insel Arran schauen.

Ein schöner Stifterspruch auf der Bank

15.37 Uhr – Die Sonne kommt raus. Aufbruch!

Die beiden Pferde wurden mir von einer entgegenkommenden Radlerin schon angekündigt.

15.57 Uhr – Schnelle Bahntrasse.

16.29 Uhr – Mittlerweile eine andere Trasse, aber ebenfalls mit Sonnenschein und Rückenwind und zusätzlich mit leichter Steigung und Aussicht.

16.55 Uhr – Kilmarnock, das Fußballstadion, direkt neben dem Hotel.

Eigentlich hätte der Zaun ein Tor haben müssen. Wegen der Bauarbeiten muss ich aber außen rum.

17.04 Uhr – Ankunft. Wurde beim Abbiegen von einem Taxidfahrer sehr eng überholt, der auch hierher musste. Das atme ich gerade noch weg.

17.22 Uhr – Bin sehr nett in Empfang genommen worden. Die Dame an der Rezeption hat den Vermerk gelesen, dass ich das Rad unterstellen möchte. Ich habe kurz erzählt, dass ich seit Barcelona immer beim Hotel nachfrage, ob das möglich ist.

Für sieben Uhr habe ich im Restaurant einen Tisch, das sollte mir ausreichend Zeit für das übliche Programm lassen. Frühstück ab sieben. Prima!

19.28 Uhr – Der Kaloriengehalt entspricht wahrscheinlich einer oder zwei Ecken von der Riesenpizza, die ich gestern verdrückt habe. Sie hält noch vor, habe ich das Gefühl.

20.20 Uhr – Zwei Kugeln Eis nehme ich doch noch als Nachtisch. Auf dem Zimmer gibt es dann einen Espresso und zwei Kekse.

Nachtrag: Danach habe ich noch lange für den nächsten Tag recherchiert.

Mi. 03.06. – Kilmarnock – Glasgow – 53 km/320 Hm

6.29 Uhr – Gut geschlafen, aber etwas kurz, da ich noch bis nach Mitternacht zu Glasgow recherchiert habe.

Gestern hatte ich ein paar der gewaschenen Teile für eine halbe Stunde auf den elektrischen Handtuchwärmer gehängt, danach dann auf die Leine. Alle Teile fühlen sich trocken an.

Heute wird es wohl auch wieder ein wechselhafter Tag. Ich werde mich an der Sonne erfreuen, wenn sie rauskommt. Ab 13.30 Uhr kann ich das Zimmer in Glasgow beziehen. Vielleicht mache ich nach der Stadtrundfahrt mit dem Rad und einem frühen Check-In noch einen Stadtspaziergang.

7.49 Uhr – Im Frühstücksraum wuselte die große asiatische Reisegruppe herum, die gestern Abend noch spät angereist war. Ich habe mich in eine ruhige Ecke gesetzt. Neben mir saßen zwei Deutsche, die über Eisenbahn, Stahl, Chinareisen und nicht laufende Maschinen sprachen. Zum Abschied habe ich einen erfolgreichen Tag gewünscht.

Dann wollte ich aufs Zimmer, denke noch, war es 206 oder 208? Entscheide mich für 208 und die Schlüsselkarte führt zu einem roten Signal an der Tür. Dreimal probiert. Dann bin ich runter zur Rezeption und habe gefragt, ob ich oder die Karte das Problem ist. Er meinte, wenn die Karte zu nahe an einem Mobiltelefon ist, könne sie dadurch schon mal gelöscht werden. Jedenfalls, keep calm, ist das Problem behoben und ich bin auf dem Zimmer. Was es alles gibt.

Draußen ist der Boden nass, aber es regnet gerade nicht. Laut RainToday, dem niemand mehr glaubt, geht es aber in einer Viertelstunde los und dann für relativ lange. Keep calm and carry on!

8.42 Uhr – Gestern Abend hatte ich ganz vergessen, den Beitrag mit Gute Nacht zu beschließen. War zu sehr schon mit Glasgow beschäftigt.

Es ist trüb und feucht, aber es regnet nicht.

Abfahrt.

Heute erreiche ich in einer recht kurzen Etappe Glasgow. Ich muss über nur einen Berg hinweg. Die Stadt erkunde ich teils vom Ufer des River Clyde aus. Dann steuere ich die Kathedrale und den nahegelegenen Friedhof auf dem Berg an, der in der Krimiserie Annika, oft vorkommt.

Glasgow ist mit über 600.000 Einwohnern die größte Stadt Schottlands und die drittgrößte des United Kingdoms. Im Großraum von Glasgow leben über 1 Million Menschen. Im 6. Jhd. kam St. Mungo und gründete die erste Kirche am Ort der heutige Kathedrale, die ihm geweiht ist. Die Kathedrale wurde 1197 geweiht, im folgenden Jahrhundert in größerem Umfang umgestaltet. St. Mungo ist in der Kirche begraben. Besichtigung ist bis um 17 Uhr möglich. Die Universität wurde im 15. Jhd. gegründet. Im 18. Jhd. war der Hafen am Dreieckshandel (Sklaven- und Güter zwischen Afrika, Amerika und Europa) beteiligt. Ab dem 17. Jhd. war die Textilindustrie vergleichbar mit der von Manchester. Nach der Entdeckung von Eisenvorkommen gewannen die Eisen- und Stahlproduktion an Bedeutung. Glasgow war das Weltzentrum des Schiffbaus und war die größte Produktionsstätte für Lokomotiven in ganz Europa. Universität und Hochschulen unterstützen die Entwicklungen. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Japan und Deutschland in vielen Bereichen Glasgow eine starke Konkurrenz gemacht, es kam zu enormen wirtschaftlichen Einbrüchen. Seither versucht die Stadtverwaltung neue Wege zu gehen. Es gibt viel Kultur, Museen, Oper, Ballet, Sport usw. 1990 war Glasgow europäische Kulturhauptstadt. Den Titel trug auch Matera, siehe Radtour 2022.

8.57 Uhr – Es tröpfelt doch ein bisschen. Also ziehe ich die Regenhose an, dann bin ich auch für mehr Regen gerüstet.

Robert Burns wurde hier in der Nähe geboren.

Hochmodern sind das Ayrshire College und der Innovation Park.

9.11 Uhr – Dicke Regentropfen, die gemächlich fallen. Langsam weiter.

9.33 Uhr – Radweg an der Hauptstraße mit sehr gutem Belag. den Regen nehme ich gelassen.

10.10 Uhr – Unter einer Autobahnbrücke im Trockenen. Ich probiere mal den Kaffee, den ich mit der Nespresso-Maschine gemacht habe. Eine Kapsel Caramel, eine Vanille. Mit nur einer Kapsel wollte er mir den großen Becher nicht voll machen.

10.19 Uhr – Der warme Kaffee tat gut. Dazu gab es zwei leckere Kekse. Es zieht hier im Tunnel, außerdem bin ich unter den Regensachen nass geschwitzt. Ich muss also gleich wieder los, da mir schon kalt wird. Der sanfte Anstieg geht noch ein Stück weiter, dann kommt eine lange Abfahrt runter an den River Clyde.

Hochmoor auf 230 m Höhe.

10.53 Uhr – Von einer Brücke über die Autobahn kann ich im Dunst Glasgow sehen. Es hat aufgehört zu regnen.

11.06 Uhr – Ich fahre lange zügig auf diesem breiten Radstreifen, der an die Adenauer Allee erinnert, bergab. Natürlich stehen gelegentlich parkende Autos darauf und ich muss mich kurz in den Verkehr einordnen. Der ist aber auch nicht sehr schnell unterwegs. Ein bisschen nieselt es noch.

Danach gab es rechts und links kombinierte Rad-Bus-Spuren, dann nichts, dann Radweg auf dem Bürgersteig.

11.34 Uhr – Ich fahre in den Pollok Park. Plötzlich ist es still.

11.52 Uhr – Etwas frustrierend: Ich bin bis zu einer Gärtnerei gekommen. Da könne ich aber nicht weiter, sagte der Arbeiter, den ich gefragt habe. Muss mir einen neuen Weg suchen.

Ok, einfach auf der Hauptstraße weiter.

12.00 Uhr – Geht gut auf der Hauptstraße. Ab hier ein Stück Protected Bike Lane.

Das nach kurzer Zeit abrupt zu Ende ist.

12.36 Uhr – Am River Clyde. Hier beginnt die Stadtrundfahrt. Clyde Auditorium. Rechts daneben OVO Hydro.

Finnieston Crane und Bogenbrücke über den River Clyde.

12.44 Uhr – Unter dem Vordach des Premier Inn gibt es Picknickbänke, die wohl zu dem Inn gehören. Der Rest Kaffee ist noch lauwarm, die Toastbrote sind sehr lecker. Eine Bank weiter wird Deutsch gesprochen.

National Cycling Network – Links geht’s zum Loch Lemond, sagt das Schild.

Der gläserne Wal ist das Glasgow Science Centre. Links daneben das IMAX Theatre, dann das BBC Scotland Gebäude. Alles sehr modern und interessant gemacht.

Ich fahre näher ran.

Die andere Seite. Die finde ich noch spannender.

Auch beim Kino. Es regnet wieder.

Es gibt aber auch die normalen Hochhäuser, von denen immer noch mehr gebaut werden.

Die dritte reine Fuß-Rad-Brücke.

Statue in Gedenken an die spanische Freiheitskämpferin Dolores Ibarruri, deren Slogan «¡No Pasarán!» bekannt ist Sie hat ihn bei der Schlacht um Madrid, 1936, ausgegeben.

Noch eine autofreie Brücke.

Saint Andrew, Metropolitan Cathedral.

Das häufige Wechseln der Straßenseite ist am kompliziertesten.

Ich kann die Nekropole auf einem Hügel hinter der Kathedrale sehen. Da kann ich nicht mit dem Fahrrad hin. Ob ich es wirklich so lange unbeaufsichtigt irgendwo stehen lassen will?

Die Kathedrale, sehr lang, keine echte Kreuzform, da das Querschiff nicht über des Seitenschiff hinausreicht.

Das Westportal mit Fenstern auch in den Seitenschiffen und deren Giebeln. Es gab Bauarbeiten an Türmen rechts und links des Portals. Ich habe aber nicht erfahren können, warum sie nicht zu Ende gebaut wurden.

Sehr schöner schmaler, hoher Raum. Holzdecke im Mittelschiff und Chor.

Gemauerte Chorschranke.

Wie von außen zu sehen war, ist die Krypta eine große Unterkirche.

Das Grab von St. Mungo.

Für die Highlander-Serie wurde auch hier in der Kirche gedreht.

Der Chor hat im Erdgeschoss einen Umgang, wie die französischen Kathedralen, schließt darüber aber mit dem klassisch englischen Ostfenster ab. Es gibt kein Chorgestühl mehr im Mittelschiff des Chores. Es wurde während der protestantischen Reformation entfernt.

Aber in den Seitenschiffen findet sich eine Reihe von Bänken, die zur Mitte, nicht zum Altar ausgerichtet sind.

Zweiteilige Schwalbennestorgel. Der Spieltisch ist über der Chorschranke.

Ein bisschen wirkt es, als habe man das Ostfenster nachträglich reingesetzt.

Das Querschiff ist nur ein Joch tief und geht nicht über die Seitenschiffe des Mittelschiffs hinaus. Man sieht den Eingang zur Unterkirche.

Die modernen Fenster wurden von verschiedenen Künstlern gestaltet.

Auf dem Hügel der Nekropole.

Ich denke, das Rad steht unter einem Baum vor der Kirche sicher. Aufstieg zur Nekropole, die mit vielen Grabmälern reicher Bürger sehr sehenswert ist.

Außerdem ist die Aussicht etwas sehr Besonderes.

Jetzt ist es trocken, ich musste kurz die Kappe aufziehen, wegen der Sonne.

Aber am Horizont regnet es.

14.58 Uhr – Auf diesem Hügel spielen immer wieder Szenen des schottischen Krimis Annika.

15.10 Uhr – Im St. Mungo Museum gibt es eine öffentliche Toilette. Und, weil es jetzt gerade doch wieder regnet, auch trockenen Unterstand.

15.22 Uhr – Sieht aus, als habe es aufgehört. Weil aber alles nass ist, bleiben die Regensachen dran. Noch etwa fünf Kilometer durch die Innenstadt bis zur Unterkunft.

Uni Campus.

Der George Square ist eine große Baustelle.

Wir reiten durch die John Street.

15.40 Uhr – Das Rathaus am George Square.

Gallery of Modern Art.

Fußgängerzone Buchanan Street.

Da muss ich lang.

Lange Rad-Fuß-Brücke

Die Rad-Fuß-Brücke führt über den Autoverkehr, der auf mehreren Ebenen verläuft.

Noch siebenhundert Meter.

16.12 Uhr – Es gibt schon wirklich viel zu entdecken in dieser Stadt.

16.17 Uhr – Ankunft.

16.52 Uhr – Das Wetter ist heute sehr launig: Während ich einchecken war, stand das Rad noch draußen und hat in den fünf Minuten eine große Menge Wasser abbekommen, die ich jetzt in Form der nassen Taschen in meinem kleinen Kellerzimmer habe. Glücklicherweise laufen die Heizung und der Lüfter im Bad. So hoffe ich, die Feuchtigkeit wieder aus dem Zimmer zu bekommen. Abgetrocknet habe ich sie natürlich schon. Rosinante steht oben im Flur.

Ich habe mir einen Kaffee und das noch ausstehende Müsli gemacht.

19.05 Uhr – Wäsche gewaschen, geduscht. Zum Lüften habe ich kurzfristig einen Holzkleiderbügel unter das Schiebefenster geklemmt. Ich hoffe, er bricht nicht.

Die Dusche hat, wie auch schon anderswo, einen fest montierten Duschkopf. Am Anfang kommt natürlich immer kaltes Wasser. Diesmal habe ich mich nicht in die enge Dusche gequetscht, und versucht, dem kalten Wasser auszuweichen. Ich habe das Wasser angestellt und für einige Zeit die Tür von außen zugemacht. Ok, ein paar Tropfen hat der Boden abbekommen. Das hält er aus.

21.09 Uhr – Bei einem Italiener um die Ecke habe ich einen sehr leckeren kleinen Salat und eine (kleine!) Pizza gegessen. San Pellegrino Lemon schmeckt fast so gut wie Lemonsoda, habe ich festgestellt.

Leider kann ich in der Booking-App nicht die Nachrichten aller Hotels sehen. Das Problem hatte ich letztes Jahr auch. Unter anderem sehe ich die Nachricht der morgigen Unterkunft nicht. Auf dem Tablet konnte ich sie vorhin sehen und habe der Vermieterin geschrieben, wann ich komme und ob ich mir Nudeln mit Soße dort kochen kann. Danach waren die Nachrichten aber auch auf dem Tablet nicht mehr zu sehen. Damit habe ich jetzt relativ viel Zeit verbracht. Ich werde morgen Vormittag dort anrufen und fragen. Zwölf Kilometer vorher gibt es einen kleinen Supermarkt. Bis dahin muss ich es wissen, oder auf Verdacht Nudeln und Soße kaufen.

21.27 Uhr – Jetzt zahle ich mal, gehe aufs Zimmer, lese den heutigen Beitrag nochmal und lege den morgigen an.

Ich bin sehr nass geworden heute. Trotzdem hat mich Glasgow mit seinen vielen beeindruckenden neuen und alten Gebäuden sehr fasziniert. Ich habe relativ oft Deutsch gehört. Hier am Nebentisch sitzt eine Gruppe Japaner in schwarzen Anzügen, die wahrscheinlich auf Dienstreise in Glasgow sind, so wie die deutschen Tischnachbarn heute Morgen. Glasgow ist wirklich eine sehr moderne und geschäftstüchtige Stadt.

Weiterlesen in Teil 2