Sa. 30.05. – Carlisle – Gretna – Dumfries – 72 km/315 Hm

6.18 Uhr – Gut geschlafen, vielleicht etwas kurz. Das Wetter sieht gut aus. Am späten Nachmittag zieht ein Regengebiet durch. Möglicherweise bin ich dann aber schon am Ziel.

7.52 Uhr – Die Kathedrale im Morgenlicht. Ich habe mich ein bisschen beeilt, um nicht mit den 29 anderen Radlern gleichzeitig auszuchecken. Es ist schon zu warm für Arm- und Beinlinge.

Ich ziehe sie vor dem Hotel wieder aus und schmiere mich noch mit Sonnencreme ein. Abfahrt.

Nach etwa 17 km überquere ich heute den River Sark und damit die Grenze zu Schottland. Gretna ist der Zollposten auf schottischer Seite, bekannt durch den Hochzeitsort Gretna Green, der neben Gretna liegt. Dann folgt Annan an der Mündung des River Annan. Dumfries liegt am River Nith. Monika hat hier damals ein Praktikum gemacht.

Der Dichter Robert Burns, der unter anderem das bekannte Lied «Auld Lang Syne» geschrieben hat, hat sein letztes Lebensdrittel in Dumfries verbracht.

Die Burg von Carlisle auch nochmal mit Sonnenschein.

River Eden. Auf dem Straßenschild steht «The NORTH». Sollte hinkommen.

8.54 Uhr – River Esk. Eine flache, sonnige Fahrt.

9.06 Uhr – Schon am Grenzflüsschen Sark. Im Süden kann ich noch die Gipfel der Lakes sehen.

9.09 Uhr – Jetzt bin ich also nach 1145,76 Kilometern in Schottland angekommen. Gegenüber liegt das alte Zollhaus. Die sonnige Begrüßung gefällt mir! Gerne weiter so.

Und die Gemeinde begrüßt mich auch. Wie schön.

9.18 Uhr – Das Ortszentrum von Gretna besteht aus dieser kleinen Ladenzeile.

Gegenüber steht ein Denkmal für die Menschen, die während des ersten Weltkriegs in den Munitionsfabriken in Gretna gearbeitet haben.

9.28 Uhr – Noch ein etwas wehmütiger Blick zu den Peaks der Lakes. Dazwischen liegt der Solway Firth. Ich fahre gen Westen und habe leichten Gegenwind.

9.38 Uhr – Das Schild sagt in etwa: Der Radweg endet hier, sorry, wird jetzt etwas gefährlich auf der Straße. Bitte pass auf! Danke für den Hinweis.

9.56 Uhr – Der enge vermüllte Streifen könnte der Radweg sein. Da fühle ich mich auf der Straße sicherer.

10.02 Uhr – Die Straße fährt sich sehr gut. Wenig Verkehr, niedrige Hecken und daher gute Sicht in die Landschaft.

10.16 Uhr – Annan Marktplatz. Schon 31 Kilometer gefahren. Es läuft einfach richtig gut.

Jetzt suche ich mir ein Café.

10.35 Uhr – Im Quarter Cake. Das war gar nicht so einfach. Mehrere Bäckereien, eine mit einer langen Schlange auf der Straße, verkaufen nur zum Mitnehmen. Bei Google habe ich an der Hauptstraße kein Café mit Plätzen draußen gefunden. Ist vielleicht auch zu kalt hier.

Das Quarter Cake hat nur kleine Fenster und den kleinen Eingang hinter dem Haus. Ich dachte erst, es sei geschlossen.

10.53 Uhr – Gemächlich weiter.

11.05 Uhr – Bin noch zu dem Mann, der die Bänke abschleift und habe ihn in ein Gespräch verwickelt. Er macht die Arbeit aus Freude daran, bekommt mal einen Kaffee rausgebracht. Er würde die Bänke ja lieber ölen, statt sie zu lackieren. Ich auch! Er kommt ursprünglich aus der Nähe von Dover. Der Winter war lang hier, nicht zu kalt, aber sehr wolkig, ohne Sonnenschein. Er freut sich über das Wetter heute.

Als ich los wollte sprach mich noch ein Paar an, das sich in der Zwischenzeit auf eine der Bänke gesetzt hatte. Woher ich komme, sie hätten zugehört. Sie haben Freunde in Bayern. Sie leben in Yorkshire, aber sie kommt aus Dumfries. Sie überlegen, wieder hierher zu ziehen.

11.13 Uhr – Das macht wirklich Freude! jetzt weiter!

Von der Fußgängerbrücke über den River Annan sieht die Stadt sehr ländlich aus.

Die Schleierwolken halten die Sonne ab und es wird windiger. Ich ziehe die Armlinge an, bis mir wieder warm ist.

11.39 Uhr – Vor mir das Meer. Hier wird auch unter Folien angebaut.

Powfoot.

11.54 Uhr – Großer Mobile-Home-Platz direkt am Meer. Der Blick vom Café ist sicher toll. Ich suche mir eine Bank für mein Sandwich.

12.06 Uhr – Marschland bei Ruthwell. Im Hintergrund der Criffel, 570 m. Er liegt im County Dumfries and Galloways und ist auch von den Gipfeln der Lakes aus oft gut zu sehen. Durch seine Alleinlage (Prominenz) wirkt er höher, als er tatsächlich ist.

Ein Stück mit Rückenwind.

Das kleine Strassendorf Ruthwell.

12.31 Uhr – Am Ortsrand von Ruthwell steht eine Bank. Ich kann das Meer und die Galloways sehen. Es zieht sich zu. In zwölf Minuten soll ein kurzer Schauer durchziehen. Dahinter ist es wieder trocken. Vielleicht radle ich bis zu einer Scheune.

12.52 Uhr – Es sind bis jetzt nur ein paar Tropfen gefallen. Ich ziehe mir die Regenjacke und den Helmregenschutz an und fahre mal weiter von Baum zu Baum.

So sieht es auf dem Regenradar aus, aber es fallen weiterhin nur wenige Tropfen.

Also mal weiter zum Weiler Bankend.

13.12 Uhr – Es regnet nur noch ein paar Tropfen. Die Sonne kommt raus. Jetzt erst die Regenjacke im Fahrtwind trocknen, dann die Windjacke.

13.23 Uhr – Sumpfiges Marschland.

13.51 Uhr – Keine Aussicht von der Picknickbank aus, aber ein bisschen Windschutz durch die Hecke. Hinter der Hecke liegt das Marschland. Hier in der Nähe steht die Ruine von Caerlaverock Castle. Von weitem habe ich sie vorhin sehen können, dann wurden die Hecken zu hoch. Das letzte Stück bis Dumfries radle ich jetzt am River Nith entlang gen Norden.

Salzmarschen. Die Berge tragen eine dicke Daunendecke aus Wolken. Der heftige Wind schiebt mich jetzt wunderbar.

Es kommt noch ein bisschen Regen nach.

14.13 Uhr – Dumfries liegt vor mir, noch etwa acht Kilometer landeinwärts.

Nachtrag: Als ich mich umdrehte, bemerkte ich, dass dort ein großes Café mit breiter Glasfront zum Wasser hin liegt. Dort wollte ich gleich rein, da ich ja früh dran war. Win Mann stieg gerade aus seinem Auto und zog sich eine Art Geschirr an, hätte auch eine Babytrage sein können. Den habe ich gefragt, ob das Café geöffnet ist. Er meinte, nein, da dort eine Hochzeit stattfinde, um 15 Uhr. An seinem Geschirr gingen mehrere Kameras. Ja, er sei der Hochzeitsfotograf. Dann fragte er nach meiner Reise und erzählte gleich begeistert von den Highlands. Aber das Wetter und die Mücken würden mit jedem Kilometer schlimmer. Er habe mich gewarnt.

Es fällt mir leicht, Leute anzusprechen und nach etwas zu fragen, oder danach, was sie da gerade machen. Macht mir einfach Freude.

14.43 Uhr – Dock Park am River Nith in Dumfries, kurz vor der Stadtmitte. Bin trocken hierher gekommen.

14.52 Uhr – Ich esse einen supersüßen Carrot Muffin im Dock Park. Die Unterkunft öffnet ja auch erst um 15 Uhr.

15.35 Uhr – Minimal zu lange gewartet, jetzt tröpfelt es.

Marktplatz von Dumfries. Ich werde etwas nass.

15.43 Uhr – Ankunft.

16.07 Uhr – Blick aus dem Fenster auf das Koi-Becken der Nachbarn und die St. John’s Korche. Collin, der Hausherr, ist total nett. Das Verstauen des Fahrrads im Schuppen und die detaillierte Hausführung haben zwanzig Minuten gedauert. Das Haus aus dem 19. Jhd. unterliegt strengen Denkmalschutzregeln. Da muss dann ein Holzklötzchen das Fenster offenhalten, weil der alte Mechanismus mit den Gewicht des Fenstern nicht klarkommt. Usw.

Es gibt aber zum Glück fließend warmes Wasser und Steckdosen. Just joking.

Frühstück morgen erst um halb neun. Das ist für einen neunzig Kilometer Tag natürlich echt spät. Aber mit etwas Glück ist bis dahin der Regen durchgezogen.

So, jetzt probiere ich mal die Dusche aus

18.25 Uhr – Duschen und Fahrradkleidung waschen hat geklappt. Die heutigen Aufzeichnungen habe ich schon fast vollständig ergänzt. Die Begegnung mit dem Hochzeitsfotografen fehlt noch.

Dafür aber schon mal die Gesamtübersicht über die bisher zurückgelegte Strecke. Das war England. Jetzt beginnt die Schottlandrundfahrt.

Der Marktplatz bei besserem Wetter und von der Rathausseite aus.

Dumfries erhielt 1186 die Rechte einer Royal Burgh. Das Schloss existiert nicht mehr. Robert the Bruce, der spätere schottische König, hat hier in einer Kirche seinen Rivalen John Comyn im Zorn mit einem Dolch schwer verletzt. 1633 schuf König Charles I. den bis heute bestehendenTitel Earl of Dumfries.

19.06 Uhr – Ich sitze im La Dolce Vita, ohne Reservierung, daher muss ich bis um acht fertig sein. Der kleine gemischte Salat war schon mal gut und kam sehr schnell.

19.20 Uhr – Und da ist auch schon die Pizza!

19.46 Uhr – Sehr lecker, etwas scharf, aber sehr gut.

Die Hochzeitsfotografenbegegnung habe ich inzwischen ergänzt.

Am 6. Juni gibt es in Dumfries nachmittags ein 5Rhythmen-Tanz-Angebot. Da würde ich ja glatt hingehen. Der Aushang war, zusammen mit vielen anderen Angeboten, im Schaukasten am Rathaus zu sehen.

Noch schnell einen Espresso, dann bin ich auch schon fertig.

Wehr und alte Devorgilla-Brücke aus dem 17. Jhd.

Burns-Denkmal und Greyfnars Kirk.

21.19 Uhr – Zurück auf dem Zimmer. Ich habe mir noch einen Kaffee gemacht und kann jetzt noch lesen. Kann ja bis um acht Uhr schlafen. Was mir aber wahrscheinlich nicht gelingen wird.

22.12 Uhr – Ich habe doch noch weiter recherchiert und ergänzt. Jetzt ist aber wirklich Schluss für heute.

Gute Nacht!

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