Mo. 08.06. – Newtonmore – Nethy Bridge – 46 km/360 Hm

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7.00 Uhr – Die Bettdecke war minimal zu dünn. Ich habe, wenn ich wach wurde, ein klein wenig gefroren, aber keine Zusatzdecke gefunden. Ansonten habe ich gut geschlafen.

Heute könnte es bis um zwei Uhr trocken sein. Mal sehen.

8.18 Uhr – Die laute Busladung ist aus dem Frühstücksraum, Ruhe kehrt ein, ich esse gemütlich den vierten oder sechsten Toast, keine Ahnung, und lese. Ich lasse die Sonne draußen die Luft noch etwas weiter aufwärmen.

9.11 Uhr – Fertig mit dem Packen. Noch ein paar Worte mit Victor gewechselt. Jetzt raus aufs Rad!

9.19 Uhr – Tiefhängende Wolken, kalter Wind, aber viel blauer Himmel. Abfahrt!

Heute habe ich eine kurze und relativ flache Etappe vor mir. Von hier nach Inverness ist in einer Etappe zu viel, zumal ich noch Loch Ness sehen möchte, wenn ich schon mal hier bin. Da es aber nur sehr wenige Orte in dieser Gegend gibt, habe ich heute eine kurze Tour nach Nordosten und fahre morgen relativ genau nach Westen bis zum Loch und an dessen Ufer, bzw. dem River Ness bis nach Inverness.

Sieht gut aus, schöner Radweg, trocken, frisch!

9.30 Uhr – Ein sehr schöner Platz für den Morgengruß: Freude, Entspannung, Ruhe, Freundlichkeit.

Vor mir kreist ein Bussard. 12° C. Leichter Rückenwind.

So kommt der Ginster viel besser zur Geltung!

Blick zurück. Ich fahre ja gerade der Sonne entgegen.

Der Zug nach Inverness.

Sonnenscheinfotos.

Ruthven Barracks, das besterhaltene Fort von vieren, die 1719 nach dem Jakobiten-Aufstand von 1715 gebaut worden waren. Die Jakobiten wollten die Wiedereinsetzung des schottischen Hauses Stuart auf den englischen Thron und kämpften damit gegen das Haus Hannover. Es gab aber auch noch andere Interessen, die die Jakobiten mit ihren Aufständen verfolgten. 1746 schlug die englische Armee unter dem Duke of Cumberland die Jakobiten in Culloden, nahe Inverness, vernichtend. Auf ihrem Rückzug zerstörten die Jakobiten Ruthven Barracks. Die Zeit der Jakobiten-Aufstände endete mit dieser Schlacht. Sie spielt in den Highlander-Büchern natürlich eine wichtige Rolle.

Auf einem künstlichen Hügel im Moor.

10.07 Uhr – Ob das Trittsteine sind, die da vorstehen? Damit man über die Mauer klettern kann? Sehe ich hier überall.

River Tromie.

10.33 Uhr – Blick zurück.

Blick nach vorne. Es geht leicht auf und ab am Rande der Ebene entlang, mit immer wieder sehr schöner Aussicht. Der Wind schiebt, oft ist es, wie in einer Rikscha anstrengungslos durch die wunderschöne Landschaft gefahren zu werden.

10.54 Uhr – Am Straßenrand saß ein junger Bikepacker. Er wartet auf seinen Kumpel. Er kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Palma del Rio, zwischen Sevilla und Córdoba, wo ich im letzten Jahr war. Er lebt jetzt in der Nähe von Porto. Wir haben über Mücken, Regen, Wind in Schottland und die Schönheit Galiciens und der Pyrenäen gesprochen. Er war sehr zerstochen.

11.13 Uhr – River Feshie. Man kann sich die springenden Lachse vorstellen.

Das war jetzt ein bisschen eine Kletterei.

Aber sehr schön!

11.14 Uhr – Entspannt windet sich die Straße durch den sonnigen Wald. Knapp 16° C zeigt der Tacho.

11.42 Uhr – Dort oben, in den Cairngorm Mountains, liegt sogar noch etwas mehr Schnee. Vier der fünf höchsten Gipfel Großbritanniens liegen am Rande dieser Ebene hier. Der Cairngorm ist 1245 m hoch, der Ben Macdui 1309 m. Das ist schon ganz ordentlich.

12.06 Uhr – Inverdruie. Eine sehr schöne Bank mit Sonne auf den Beinen aber nicht im Gesicht. Gegenüber ist ein sehr einladend aussehendes Café mit Wandernden und Radlern. Aber ich habe ja Kaffee und Toast vom Frühstück. Ich radle nach Aviemore auf der anderen Flussseite. Damit weiche ich von der geplanten Route ab, aber ich habe Zeit und das Zimmer erst ab 15 Uhr.

Aviemore ist ein Straßendorf mit vielen Geschäften, Andenkenläden, Outdoor-Geschäften und Cafés. Gute Bus- und Bahnverbindungen machen den Ort gut erreichbar.

12.55 Uhr – Sitze im Café, das Victor mir heute Morgen empfohlen hat, und lese den Roman von Stephan Frey zu Ende.

13.20 Uhr – Fertig und weiter! Die Wolken sind etwas dichter, das macht es etwas kühler. Also ordentlich reintreten zum Aufwärmen.

13.37 Uhr – Kiefernwald im Talgrund, auf dem NCN-7, bis zur nächsten Brücke.

Hier hat es gebrannt.

13.57 Uhr – Weiterhin im Kiefernwald.

14.16 Uhr – Das Tal wird weit, keine Berge mehr zu sehen.

14.26 Uhr – Nethybridge.

14.27 Uhr – Ankunft, vor drei Uhr!

Das Zimmer ist schon fertig und einfach grandios!

16.59 Uhr – Gewaschen, geduscht und Müsli gegessen, dazu Kaffee und Scottish Shortbread. Die Wäsche hängt im Erker in der prallen Sonne. Wer hätte das gedacht?

Auf die Anregung eines sachkundigen Lesers hin, habe ich an den Anfang dieses Beitrags einen Link gesetzt mit dem man direkt zum Ende des Beitrag springen kann. Dafür steht jetzt als letztes Wort «Ende» im Beitrag. Gerne mal ausprobieren. Wenn es nützlich ist, mache ich das im morgigen Beitrag auch.

Jetzt habe ich noch fast zwei Stunden Zeit bis zum Abendessen. Vielleicht gehe ich mal in den Garten oder um den Block.

18.45 Uhr – Ich sitze im Restaurant. Auf dem Weg hierher musste ich an einer Koffer schleppenden Busladung Deutscher oder Schweizer vorbei, was in dem engen Flur etwas mühsam war. Meine Wäsche ist quasi trocken. Sonne ist wirklich zur Abwechslung mal eine Wohltat.

19.30 Uhr – Das Essen geht, wie auch gestern schon, sehr schnell. Das ist bei einer Busladung Leute, die hier gleich eintrudelt, auch gut. Mir geht es zu schnell. Ich würde gerne die wohlverdienten Kalorien genüsslich langsam verzehren. Hier muss ich jede Bestellung bei Kellner abzeichnen.

Für morgen ist die Vorhersage etwas wechselhaft, vormittags trocken, dann mit Schauerrisiko. Klingt deutlich gar nicht so schlecht für die lange Etappe zum Loch Ness.

20.06 Uhr – Die Reisegruppe hat die Lautstarke massiv erhöht. Ich ziehe gut gesättigt ab.

Die Dame an der Rezeption hat einen Spaziergang am Flussufer empfohlen.

20.29 Uhr – Ich drehe lieber um, bevor mich der Regen noch erwischt.

20.43 Uhr – Sogar ein doppelter Regenbogen! Bin aber trocken bis zum Zimmer. Der Schauer zieht hinter dem Hotel vorbei.

Der kleine Spaziergang hat unglaublich gut getan. Kein Fahrrad dabei, nur ein paar Schritte, alle Körperteile in natürlicher Bewegung, ein kraftvoller Fluss, tiefes moorig braunes Wasser, satt grünes Gras, Wolken, Regenbogen. Heute bin ich noch direkt an der Natur dran, bevor ich morgen wieder in einer großen Stadt übernachte.

21.11 Uhr – Ich schaue auf den kleinen Park gegenüber vom Hotel, die Vögel singen ihr Abendlied. lange Schatten, letzte Streifen von Sonnenlicht. Nach den Regentagen und Anstrengungen und fehlenden Pausen, die sie mit sich bringen, war der Sonnentag heute ein großartiges Geschenk. Ich trinke Kaffee, esse Shortbread und genieße noch ein bisschen die Atmosphäre.

Gute Nacht!

Ende

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