Mi. 03.06. – Kilmarnock – Glasgow – 53 km/320 Hm

6.29 Uhr – Gut geschlafen, aber etwas kurz, da ich noch bis nach Mitternacht zu Glasgow recherchiert habe.

Gestern hatte ich ein paar der gewaschenen Teile für eine halbe Stunde auf den elektrischen Handtuchwärmer gehängt, danach dann auf die Leine. Alle Teile fühlen sich trocken an.

Heute wird es wohl auch wieder ein wechselhafter Tag. Ich werde mich an der Sonne erfreuen, wenn sie rauskommt. Ab 13.30 Uhr kann ich das Zimmer in Glasgow beziehen. Vielleicht mache ich nach der Stadtrundfahrt mit dem Rad und einem frühen Check-In noch einen Stadtspaziergang.

7.49 Uhr – Im Frühstücksraum wuselte die große asiatische Reisegruppe herum, die gestern Abend noch spät angereist war. Ich habe mich in eine ruhige Ecke gesetzt. Neben mir saßen zwei Deutsche, die über Eisenbahn, Stahl, Chinareisen und nicht laufende Maschinen sprachen. Zum Abschied habe ich einen erfolgreichen Tag gewünscht.

Dann wollte ich aufs Zimmer, denke noch, war es 206 oder 208? Entscheide mich für 208 und die Schlüsselkarte führt zu einem roten Signal an der Tür. Dreimal probiert. Dann bin ich runter zur Rezeption und habe gefragt, ob ich oder die Karte das Problem ist. Er meinte, wenn die Karte zu nahe an einem Mobiltelefon ist, könne sie dadurch schon mal gelöscht werden. Jedenfalls, keep calm, ist das Problem behoben und ich bin auf dem Zimmer. Was es alles gibt.

Draußen ist der Boden nass, aber es regnet gerade nicht. Laut RainToday, dem niemand mehr glaubt, geht es aber in einer Viertelstunde los und dann für relativ lange. Keep calm and carry on!

8.42 Uhr – Gestern Abend hatte ich ganz vergessen, den Beitrag mit Gute Nacht zu beschließen. War zu sehr schon mit Glasgow beschäftigt.

Es ist trüb und feucht, aber es regnet nicht.

Abfahrt.

Heute erreiche ich in einer recht kurzen Etappe Glasgow. Ich muss über nur einen Berg hinweg. Die Stadt erkunde ich teils vom Ufer des River Clyde aus. Dann steuere ich die Kathedrale und den nahegelegenen Friedhof auf dem Berg an, der in der Krimiserie Annika, oft vorkommt.

Glasgow ist mit über 600.000 Einwohnern die größte Stadt Schottlands und die drittgrößte des United Kingdoms. Im Großraum von Glasgow leben über 1 Million Menschen. Im 6. Jhd. kam St. Mungo und gründete die erste Kirche am Ort der heutige Kathedrale, die ihm geweiht ist. Die Kathedrale wurde 1197 geweiht, im folgenden Jahrhundert in größerem Umfang umgestaltet. St. Mungo ist in der Kirche begraben. Besichtigung ist bis um 17 Uhr möglich. Die Universität wurde im 15. Jhd. gegründet. Im 18. Jhd. war der Hafen am Dreieckshandel (Sklaven- und Güter zwischen Afrika, Amerika und Europa) beteiligt. Ab dem 17. Jhd. war die Textilindustrie vergleichbar mit der von Manchester. Nach der Entdeckung von Eisenvorkommen gewannen die Eisen- und Stahlproduktion an Bedeutung. Glasgow war das Weltzentrum des Schiffsbaus und war die größte Produktionsstätte für Lokomotiven in ganz Europa. Universität und Hochschulen unterstützen die Entwicklungen. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Japan und Deutschland in vielen Bereichen Glasgow eine starke Konkurrenz gemacht, es kam zu enormen wirtschaftlichen Einbrüchen. Seither versucht die Stadtverwaltung neue Wege zu gehen. Es gibt viel Kultur, Museen, Oper, Ballet, Sport usw. 1990 war Glasgow europäische Kulturhauptstadt. Den Titel trug auch Matera, siehe Radtour 2022.

8.57 Uhr – Es tröpfelt doch ein bisschen. Also ziehe ich die Regenhose an, dann bin ich auch für mehr Regen gerüstet.

Robert Burns wurde hier in der Nähe geboren.

Hochmodern sind das Ayrshire College und der Innovation Park.

9.11 Uhr – Dicke Regentropfen, die gemächlich fallen. Langsam weiter.

9.33 Uhr – Radweg an der Hauptstraße mit sehr gutem Belag. den Regen nehme ich gelassen.

10.10 Uhr – Unter einer Autobahnbrücke im Trockenen. Ich probiere mal den Kaffee, den ich mit der Nespresso-Maschine gemacht habe. Eine Kapsel Caramel, eine Vanille. Mit nur einer Kapsel wollte er mir den großen Becher nicht voll machen.

10.19 Uhr – Der warme Kaffee tut gut. Dazu gab es zwei leckere Kekse. Es zieht hier im Tunnel, außerdem bin ich unter den Regensachen nass geschwitzt. Ich muss also gleich wieder los, da mir schon kalt wird. Der sanfte Anstieg geht noch ein Stück weiter, dann kommt eine lange Abfahrt runter an den River Clyde.

Hochmoor auf 230 m Höhe.

10.53 Uhr – Von einer Brücke über die Autobahn kann ich im Dunst Glasgow sehen. Es hat aufgehört zu regnen.

11.06 Uhr – Ich fahre lange zügig auf diesem breiten Radstreifen, der an die Adenauer Allee erinnert, bergab. Natürlich stehen gelegentlich parkende Autos darauf und ich muss mich kurz in den Verkehr einordnen. Der ist aber auch nicht sehr schnell unterwegs. Ein bisschen nieselt es noch.

Danach gab es rechts und links kombinierte Rad-Bus-Spuren, dann nichts, dann Radweg auf dem Bürgersteig.

11.34 Uhr – Ich fahre in den Pollok Park. Plötzlich ist es still.

11.52 Uhr – Etwas frustrierend: Ich bin bis zu einer Gärtnerei gekommen. Da könne ich aber nicht weiter, sagte der Arbeiter, den ich gefragt habe. Muss mir einen neuen Weg suchen.

Ok, einfach auf der Hauptstraße weiter.

12.00 Uhr – Geht gut auf der Hauptstraße. Ab hier ein Stück Protected Bike Lane.

Das nach kurzer Zeit abrupt zu Ende ist.

12.36 Uhr – Am River Clyde. Hier beginnt die Stadtrundfahrt. Clyde Auditorium. Rechts daneben OVO Hydro.

Finnieston Crane und Bogenbrücke über den River Clyde.

12.44 Uhr – Unter dem Vordach der Premier Inn gibt es Picknickbänke, die wohl zu dem Inn gehören. Der Rest Kaffee ist noch lauwarm, die Toastbrote sind sehr lecker. Eine Bank weiter wird Deutsch gesprochen.

National Cycling Network – Links geht’s zum Loch Lemond, sagt das Schild.

Der gläserne Wal ist das Glasgow Science Centre. Links daneben das IMAX Theatre, dann das BBC Scotland Gebäude. Alles sehr modern und interessant gemacht.

Ich fahre näher ran.

Die andere Seite. Die finde ich noch spannender.

Auch beim Kino. Es regnet wieder.

Es gibt aber auch die normalen Hochhäuser, von denen immer noch mehr gebaut werden.

Die dritte reine Fuß-Rad-Brücke.

Statue in Gedenken an die spanische Freiheitskämpferin Dolores Ibarruri, deren Slogan «¡No Pasarán!» bekannt ist, den sie bei der Schlacht um Madrid, 1936, ausgegeben hat.

Noch eine autofreie Brücke.

Saint Andrew, Metropolitan Cathedral.

Das häufige Wechseln der Straßenseite ist am kompliziertesten.

Ich kann Nekropole auf einem Hügel hinter der Kathedrale sehen. Da kann ich nicht mit dem Fahrrad hin. Ob ich es wirklich so lange unbeaufsichtigt irgendwo stehen lassen will?

Die Kathedrale, sehr lang, keine echte Kreuzform, da das Querschiff nicht über des Seitenschiff hinausreicht.

Das Westportal mit Fenstern auch in den Seitenschiffen und deren Giebeln. Es gab Bauarbeiten an Türmen rechts und links des Portals. Ich habe aber nicht erfahren können, warum sie nicht zu Ende gebaut wurden.

Sehr schöner schmaler, hoher Raum. Holzdecke im Mittelschiff und Chor.

Gemauerte Chorschranke.

Wie von außen zu sehen war, ist die Krypta eine große Unterkirche.

Das Grab von St. Mungo.

Für die Highlander-Serie wurde auch hier in der Kirche gedreht.

Der Chor hat im Erdgeschoss einen Umgang, wie die französischen Kathedralen, schließt darüber aber mit dem klassisch englischen Ostfenster ab. Es gibt kein Chorgestühl mehr im Mittelschiff des Chores. Es wurde während der protestantischen Reformation entfernt.

Aber in den Seitenschiffen findet sich eine Reihe von Bänken, die zur Mitte, nicht zum Altar ausgerichtet sind.

Zweiteilige Schwalbennestorgel. Der Spieltisch ist über der Chorschranke.

Ein bisschen wirkt es, als habe man das Ostfenster nachträglich reingesetzt.

Das Querschiff ist nur ein Joch tief und geht nicht über die Seitenschiffe des Mittelschiffs hinaus. Man sieht den Eingang zur Unterkirche.

Die modernen Fenster wurden von verschiedenen Künstlern gestaltet.

Nekropole

Ich denke, das Rad steht unter einem Baum vor der Kirche sicher. Aufstieg zur Nekropole, die mit vielen Grabmälern reicher Bürger sehr sehenswert ist.

Außerdem ist die Aussicht etwas sehr Besonderes.

Jetzt ist es trocken, ich musste kurz die Kappe aufziehen, wegen der Sonne.

Aber am Horizont regnet es.

14.58 Uhr – Auf diesem Hügel spielen immer wieder Szenen des schottischen Krimis Annika.

15.10 Uhr – Im St. Mungo Museum gibt es eine öffentliche Toilette. Und, weil es jetzt gerade doch wieder regnet, auch trockenen Unterstand.

15.22 Uhr – Sieht aus, als habe es aufgehört. Weil aber alles nass ist, bleiben die Regensachen dran. Noch etwa fünf Kilometer durch die Innenstadt bis zur Unterkunft.

Uni Campus.

Der George Square ist eine große Baustelle.

Wir reiten durch die John Street.

15.40 Uhr – Das Rathaus am George Square.

Gallery of Modern Art.

Fußgängerzone Buchanan Street.

Da muss ich lang.

Lange Rad-Fuß-Brücke

Über den Autoverkehr auf mehreren Ebenen.

Noch siebenhundert Meter.

16.12 Uhr – Es gibt schon wirklich viel zu entdecken in dieser Stadt.

16.17 Uhr – Ankunft.

16.52 Uhr – Das Wetter ist heute sehr launig: Während ich einchecken war, stand das Rad noch draußen und hat in den fünf Minuten eine große Menge Wasser abbekommen, die ich jetzt in Form der nassen Taschen in meinem kleinen Kellerzimmer habe. Glücklicherweise laufen die Heizung und der Lüfter im Bad. So hoffe ich, die Feuchtigkeit wieder aus dem Zimmer zu bekommen. Abgetrocknet habe ich sie natürlich schon. Rosinante steht oben im Flur.

Ich habe mir einen Kaffee und das noch ausstehende Müsli gemacht.

19.05 Uhr – Wäsche gewaschen, geduscht. Zum Lüften habe ich kurzfristig einen Holzkleiderbügel unter das Schiebefenster geklemmt. Ich hoffe, er bricht nicht.

Die Dusche hat, wie auch schon anderswo, einen fest montierten Duschkopf. Am Anfang kommt natürlich immer kaltes Wasser. Diesmal habe ich mich nicht in die enge Dusche gequetscht, und versucht, dem kalten Wasser auszuweichen. Ich habe das Wasser angestellt und für einige Zeit die Tür von außen zugemacht. Ok, ein paar Tropfen hat der Boden abbekommen. Das hält er aus.

21.09 Uhr – Bei einem Italiener um die Ecke habe ich einen sehr leckeren kleinen Salad und eine (kleine!) Pizza gegessen. San Pellegrino Lemon schmeckt fast so gut wie Lemonsoda, habe ich festgestellt.

Leider kann ich in der Booking-App nicht die Nachrichten aller Hotels sehen. Das Problem hatte ich letztes Jahr auch. Unter anderem sehe ich die Nachricht der morgigen Unterkunft nicht. Auf dem Tablet konnte ich sie vorhin sehen und habe der Vermieterin geschrieben, wann ich komme und ob ich mir Nudeln mit Soße dort kochen kann. Danach waren die Nachrichten aber auch auf dem Tablet nicht mehr zu sehen. Damit habe ich jetzt relativ viel Zeit verbracht. Ich werde morgen Vormittag dort anrufen und fragen. Zwölf Kilometer vorher gibt es einen kleinen Supermarkt. Bis dahin muss ich es wissen, oder auf Verdacht Nudeln und Soße kaufen.

21.27 Uhr – Jetzt zahle ich mal, gehe aufs Zimmer, lese den heutigen Beitrag nochmal und lege den morgigen an.

Ich bin sehr nass geworden heute. Trotzdem hat mich Glasgow mit seinen vielen beeindruckenden neuen und alten Gebäuden sehr fasziniert. Ich habe relativ oft Deutsch gehört. Hier am Nebentisch sitzt eine Gruppe Japaner in schwarzen Anzügen, die wahrscheinlich auf Dienstreise in Glasgow sind, so wie die deutschen Tischnachbarn heute Morgen. Glasgow ist wirklich eine sehr moderne und geschäftstüchtige Stadt.

Gute Nacht!

2 thoughts on “Mi. 03.06. – Kilmarnock – Glasgow – 53 km/320 Hm”

  1. Sehr interessant, was du über Glasgow schreibst. Danke, für die vielen Bilder, auch über architektonische Besonderheiten! Du könntest aus deinen Reisen glatt einen Reiseführer für Kultur- Biker zusammenstellen 🙂

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