6.47 Uhr – Wer hätte gedacht, dass ich mich so gut auf das frühe Aufstehen einstellen kann. Wobei, nach deutscher Zeit ist es ja auch schon 7.47 Uhr und damit wieder völlig normal für mich.
Jedenfalls hätte ich vor einer halben Stunde schon aufstehen können. Draußen ist blauer Himmel mit einigen Wolken. Der morgendliche Regen ist im Wesentlichen schon weiter nördlich durchgezogen. Bezüglich des Wetters bin ich, bis auf den Wind, ganz frohgemut.
9.09 Uhr – Ich war um zwanzig nach acht unten. Alles war fertig, daher ging das Frühstücken recht zügig.
9.19 Uhr – Abfahrt. Bin recht warm angezogen. Mal sehen, ob es nicht zu warm dafür ist.

Ich fahre relativ weit nördlich am Criffel vorbei in südwestlicher Richtung, also genau in den Wind. Etwa vier Mal steige ich auf hundert bis hundertfünfzig Meter Höhe an und fahre wieder runter auf Meereshöhe. Alles keine großen Sachen. Ich fahre durch folgende kleine Ortschaften: Nach 27 km kommt Castle Douglas, nach 45 km Kirkcudbright, nach 58 km Gatehouse of Fleet, nach 77 km Creetown.

Wehr und alte Brücke in Dumfries. Sonne und dunkle Wolken voraus.

9.35 Uhr – Die Wolken hängen etwas mehr in den Bergen als vor mir. Als würde der Criffel die Wolkendecke zu sich heran ziehen. Kann er gerne haben.

Aus den dünnen Wolken fallen immer noch ein paar Tröpfchen.

10.02 Uhr – Auf 122 m. Ich wische mal die Tropfen von der Schutzbrille und hoffe, es fängt nicht gleich wieder an.

10.20 Uhr – Sehr schöner Platz für den Morgengruß: Gelassenheit, Kraft, Freude an der Begegnung, Freude an der Natur.
Von der nahen Farm schallt das laute Blöken vieler Schafe herüber. Die Sonne gewinnt an Kraft.

Laut wie ein Kindergarten.

10.40 Uhr – Eine mit Schafen gesprenkelte Weide. Hier sind sie aber viel ruhiger.

10.55 Uhr – Es tröpfelt.

11.10 Uhr – Kein Tröpfeln mehr. Jetzt kurz steil runter und steil wieder rauf.

11.18 Uhr – Doch ein paar mehr Tröpfchen. Ich ziehe die Regenjacke an und den Regenschutz über den Ledersattel.

11.29 Uhr – Natürlich gibt es in dieser Gegend auch Kühe, nicht nur Schafe. Keine Tropfen mehr.

Alle stehen auf und kommen neugierig näher.

Mal ein Blick nach Norden. Es gibt neben Weiden auch Ackerbau.

11.50 Uhr – Castle Douglas. Habe mir schon ein Coffee House rausgesucht.

Ah, da ist es!

12.00 Uhr – Kaffeepause!
Es gibt acht verschiedene Kuchen. Der Laden wird von drei Frauen meines Alters betrieben. Er ist jetzt voll, alle Tische sind besetzt.

Filz-Kunstwerke.
12.25 Uhr – Etwas mehr Sonne als vorhin. Weiter.

Carlingwark Loch bei Castle Douglas. Der Berg am Horizont könnte der Bengairn, 391 m, sein.

13.03 Uhr – 13-15 km/h, mehr ist mir bei dem strammen Gegenwind zu anstrengend.

Der Bengairn von nahem.

13.34 Uhr – Auf Kilometer 42. Der Wald hält den Wind ab. Der Teer ist nagelneu und wunderbar glatt. Es geht sanft bergab. Still ist es, bis auf säuselnde Blätter und zwitschernde Vögel.

Kirkcudbright – Rhododendron in allen Farben.

Gedenkstein aus dem 19. Jhd.

13.47 Uhr – Ich suche mir eine Picknickbank.

MacEllan’s Castle.

Und Picknickbänke an vielen Stellen: im Park, am Castle, an der Kirche und auch hier. Ich bleibe hier am Wasser.
14.20 Uhr – Leckere Sandwiches mit Kaffee. Mal weiter.

Fisch frisch vom Trawler.

Ich habe den River Dee überquert. Jetzt ändert sich meine Richtung von Südwest auf Nordwest. Mal sehen, was das beim Wind bringt.

14.45 Uhr – Der Wind hilf sehr! Ich nehme die A-Straße nach Gatehouse of Fleet, wenig befahren und sanfte Steigungen. Zur Leistungssteigerung habe ich Beinlinge und Armlinge ausgezogen. Zu warm.

15.09 Uhr – Aus lauter Freude an der schönen Abfahrt auf der A755 habe ich die Abzweigung auf das kleine Sträßchen glatt verpasst und musste umkehren.

Blick nach vorne.

Blick zur Seite runter zum Meer.

Hier beginnt der Galloway Forest Park.

15.29 Uhr – Der Radweg führt durch dieses Gate.

15.34 Uhr- In Gatehouse of Fleet. Der Ort ist erst zweihundert Jahre alt. Er wird als Tor zum Galloway Park bezeichnet. Man hat hier damals Baumwollspinnereien angesiedelt, weil das Wasser vom Loch Whinyeon zum Antrieb der Mühlen genutzt werden konnte.

Noch reicht meine Energie. Daher radle ich weiter. Noch 31 Kilometer. Jetzt kommt ein langer Anstieg, rüber nach Creetown.

15.56 Uhr Der Wind hilft mir beim Anstieg. Bei der Abfahrt, die wieder nach Südwesten verläuft, sollte der Gegenwind nicht so sehr stören.

16.07 Uhr – Auf 100 m Höhe. Ich komme sehr gut voran. Könnte etwas Kraft rausnehmen.

Sie sind ganz behutsam miteinander, üben nur.

Sieht aus wie ein Hochmoor.

Ob die auf den Bus warten?
Nachtrag: Natürlich nicht, ist ja eine Ausweichstelle. Sie machen mir Platz! Danke für die Richtigstellung!

16.25 Uhr – Auf 154 m Höhe. Ich fahre links ab.
Warm anziehen für die Abfahrt.

16.37 Uhr – Mir kamen zwei Gravelbikerinnen entgegen. «How is it going?» «Excellently!», rufe ich.

Sehr schön!

16.46 Uhr – Plötzlich eine große Weite.

17.00 Uhr – Kleine Müslipause in Creettown.
17.13 Uhr – Gleich weiter. Der letzte Anstieg.

River Cree.

Cree und Wigtown Bay.

Ich habe noch überlegt, einfach auf der super schönen Hauptstraße zu bleiben. Aber Radweg, sagt man ja immer, ist viel schöner. Denkste! Es ging extrem steil den Berg hoch. Nicht sehr lange, daher irgendwie fahrbar. Hier steht 30%, na ja, waren vielleicht weniger. Hier oben ist das Warnschild echt nötig, so furchtbar steil geht es von hier runter.
Mit abklingendem Puls hoffentlich flach und mit Aussicht weiter.

Zählt, aber noch war es das nicht wert.

Hier oben eine gut ausgebaute Bahntrasse. Die Kombination erinnert mich an Pamplona nach San Sebastián.

17.43 Uhr – Hier fehlt wieder ein Stück Brücke. Der Radweg verlässt die Bahntrasse.

17.50 Uhr – Nochmal 80 Höhenmeter mit rot markierter Steigung. Aber mit Rückenwind!
18.02 Uhr – Anstieg mit etwa 10% Steigung. Gut machbar, wenn auch etwas spät am Tag. Jetzt runter nach Newton-Stewart.

Hier noch runter, dann noch etwas über drei Kilometer.

Brücke über den Cree mit Blick auf Newton-Stewart.

18.18 Uhr – Der zentrale Platz in Newton.

18.20 Uhr – Ankunft. Yeah, geschafft!!
Geduscht, gewaschen, jetzt habe ich aber einen Hunger.

21.39 Uhr -Irgend etwas davon war Haggis, da war sich der junge Kellner ziemlich sicher. War jedenfalls sehr lecker und ausreichen. Vorher habe ich wieder einen kleinen Salat genommen. Zur Verdauung gab es nach dem alkoholfreien Bier noch ein Pint Lager.
Auf die Frage, ob es in der Gegend für Wanderer Schutzhütte gebe, hatte er keine klare Antwort. könnte also sein, dass es keine gibt. Und morgen ist Regen angesagt.
Da es aber normaler Regen sein soll, lasse ich es bei der langen Version der Etappe und Kürze sie nicht ab. Morgen Abend kann ich dann sagen, ob das eine gute Idee war.
Die heutige Etappe hat mir wieder sehr gut gefallen, das Café, die Picknickbänke, der nur sehr geringe Regen. Die vielen Abschnitte mit neuen Teer haben mir jedesmal ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Bis auf die 30%-Geschichte ein toller Tag draußen.
Die Gegend ist ziemlich abgelegen. Wenn man die Berge besteigen will, muss man lange Zuwege laufen. Ich glaube nicht, dass man mit dem Auto weit von den schon kleinen Nebenstraßen noch ins Gelände fahren kann.
22.06 Uhr – Für heute erstmal Schluss. Gute Nacht!
Das mit den Schafen am Strassenrand lieber Leonhard hast du offenbar nicht verstanden. Die Schafen schon – die haben das Schild gelesen und wollten dir schlichtweg passieren lassen 😉
Ich wünsche dir weiterhin eine wunderbare Tour mit guter Gesundheit und ohne Pannen