6.22 Uhr – Die Nacht war etwas unruhig, bin mehrmals wach geworden.
Heute wird es mit etwa 25° C nochmal ziemlich warm, bevor das Thermometer morgen um zehn Grad fällt. Es könnte heute ein, zwei Tropfen regnen.
7.06 Uhr – Draußen geht mit viel Getöse ein ordentliches Gewitter runter, soll aber in einer Viertelstunde durch sein.
8.12 Uhr – Es klart auf und ein blauer Streifen Himmel zeigt sich schon wieder.
8.26 Uhr – Abfahrt.

Heute geht es in den landschaftlich sehr reizvollen Lake District. Alle schwärmen davon. Bin sehr gespannt. In Windermere nehme ich die Fähre über den gleichnamigen See. Vielleicht sehe ich vorher noch etwas vom Meer.

8.32 Uhr – Recht neue Rad-Fußgänger-Brücke über den River Lune, bei Ebbe.

Erstmal Richtung Morecambe, dann gleich gen Norden nach Kendal.

8.49 Uhr – Lancaster Canal.

9.07 Uhr – Blick über die Morecambe Bay in die Berge des Lake District.
Neben sehr schlechtem Belag und vielen Pfützen hat der Weg hier am Kanal überraschend viele Bänke und Picknickplätze zu bieten.
Die Sonne zeigt sich. Der Wind ist böig. Ich muss bei dem holprigen Weg und dem Wasser so nahe neben mir sehr aufpassen.

9.54 Uhr – bin jetzt weg vom Kanal. In den Salzmarschen von Silverdale. Morgengruß: Loslassen, Freude an der Natur, Freude an der Begegnung, Gelassenheit.

10.27 Uhr – Ruine Arnside Tower, oberhalb von der Farm.

10.57 Uhr – Arnside, Eisenbahnbrücke über den River Kent. Die Flut lässt das Wasser gerade sehr schnell steigen. Hinter der Brücke liegt der Lake District und Windermere. Ich fahre noch eine Weile rechts an den Hügeln vorbei, nähere mich also dem See von Osten.

Hinter mir: Arnside hat eine kleine Promenade mit Cafés. Aber mein mitgebrachter Kaffee und die Sandwiches waren wieder sehr lecker.
Jetzt versuche ich noch, das etwas nervige Quietschen der vorderen Taschenhalterungen zu beseitigen. Die Kette bekommt dabei gleich auch noch mal etwas Ballistolöl.
Habe jetzt exakt 1002 km hinter mir.
11.17 Uhr – Mal sehen, ob das auf den Low-Rider-Rohren aufgeklebte Gewebeband etwas bringt.
Ein wahrscheinlich achtzigjähriger Rennradler gesellte sich kurz zu mir. Er radelt eine morgendliche Runde. Es wird voll in den Bergen, sagt er. Nun gut, weiter in das windige aber ansonsten herrliche Wetter.

Süße Deko.

11.56 Uhr – Ziemlich eng hier. Das sagte ich zu einer Spaziergängerin, die drei Schritte zurück in einen Passing Place auswich. «It is a bit, isn’t it.», antwortete sie.

12.15 Uhr – Nahe Hincaster überquere ich mal wieder den Lancaster Canal.

Weiter auf der 6 Richtung Kendal, jetzt steil bergauf.

12.30 Uhr – Das war gerade ein 14%-Anstieg.
Die Berge vor mir sind im Dunst kaum auszumachen.

12.58 Uhr – Ich habe vorhin zwei Rennradfahrer angehalten und nach einem Café gefragt. Wahrscheinlich meinten sie dieses hier in Kendal am River Kent.

Es gibt Fritz-Limo! Und die super nette junge Frau an der Theke war am Wochenende in den Galloways. Viele Mücken dort, sagt sie. Aber super schön!

River Kent, dem folge ich jetzt ein Stück flussauf.

Holy Trinity in Kendal.

Fünfschiffig, eine der breitesten Kirchen Englands. Sie wurde im 13. Jhd. begonnen, der größte Teil des Baus entstand aber in der Blütezeit der Wollweberei im 14.-16. Jhd. Das Mittelschiff ist nicht sehr viel höher als die Seitenschiffe. Die regelmäßigen Arkadenreihen in einer Halle erinnern mich ein bisschen an die Moschee-Kathedrale in Córdoba.

Innenstadt.

14.04 Uhr – Tal des River Kent. Ich biege vorne links zu einem Nebenfluss ab.

14.30 Uhr – Kurz vor der Anhöhe von der es nach Windermere runtergeht. Sehr viel Verkehr. Der Radweg ist aber sehr gut, nur das Queren, was ich gerade machen musste, ist ohne Ampel etwas mühsam.

14.38 Uhr – Blick zurück.

14.45 Uhr – Höchster Punkt 181 m. Eine Delle kommt noch.

Erster Blick auf den südlichen Teil des Sees. Er ist 17 Kilometer lang, bis zu 65 m tief und hat 18 Inseln. Er ist der größte natürliche See Englands und entstand in der letzten Eiszeit, vor etwa 17.000 – 14.700 Jahren. Damals hat sich das Tal mit Schmelzwasser gefüllt.

14.55 Uhr – In Windermere. Der Ort wurde erst nach dem Bau der Eisenbahn von Kendal hierher Windermere genannt. Er liegt gut fünfzehn Minuten zu Fuß vom See entfernt. Auf 120 m Höhe. Jetzt rolle ich runter zur Fähre.

Endlose Straße mit Bars, Souvenirs, Hotels, etc. vorne kann ich den See sehen.

Wie an der Mosel beim Weinfest.

Rappelvoll das Ausflugsboot. Mal sehen, wie es mit der Fähre ist.

An den geschlossenen Toiletten vorbei geht es zur Fähre.

15.22 Uhr – Am Fähranleger. Müsli gibt es erst auf der anderen Seite.
Schade, dass es so diesig ist. Erinnert an den Saharasand in Istrien, der auch alle Farbe aus der Landschaft genommen hat.

15.31 Uhr – Sie kommt.

Es ist eine Seilfähre. Das Boot zieht sich an den Seilen von der einen auf die andere Seite.

15.56 Uhr – Das Sträßchen bringt mich jetzt am Westufer entlang nach Norden. Noch etwa zwölf Kilometer.

Blick in die Berge.

Privater Picknickplatz. Auf der anderen Seite liegt der Ort, durch den ich vorhin gekommen bin. Man sieht von hier nur einzelne Häuser zwischen den Bäumen.
16.25 Uhr – Mal weiter zum Hotel.
16.34 Uhr – Noch mit Zuhause telefoniert. Jetzt aber los.

Endlich ohne Autos.

17.06 Uhr – Die Hügel werden bergiger.

17.27 Uhr – Noch sechshundert Meter.

17.33 Uhr – Ankunft.

19.49 Uhr – Doch nur dreißig Minuten auf das Essen gewartet. Es ist sehr voll hier im Pub des Hotels. Zum Bestellen an der Theke musste ich mich in die Schlange der Gäste einreihen.
21.27 Uhr – Kaffee und Keks auf dem Zimmer.
Die Berge ziehen mich schon auch hinauf. Mit dem Rad muss ich aber leider im Tal bleiben. Es gibt keinen wirklichen Pass zu überwinden, erst in den Highlands. Vom abfließenden Gletscherwasser sind die Täler died eingeschnitten, haben aber auch Verbindungen. Hier bin ich auf 40 m Höhe, morgen ist der höchste Punkt auf 300 m.
Keine Ahnung, wie voll es auf den Wanderwegen ist. Im Juli, August kann man dort wahrscheinlich kaum laufen.
Mir gefallen die Schafweiden mit den teils moosbewachsenen Steinmauern, der hohe Farn im Wald, die mächtigen Douglasien.
Fingerhut habe ich schon viel gesehen.
Gute Nacht!
Der Lake District erfreut mein Anglistenherz