6.32 Uhr – Bis um zwanzig nach fünf habe ich an einem Stück geschlafen. Danach noch eine Stunde drangehängt, trotz des zunehmend lauten Verkehrs.
Es ist etwas bewölkt und nur 14° C. Sieht gut aus.
7.36 Uhr – Ein sehr netter junger Mann hat mich beim Frühstück bedient. Er hat mir Cheddar und Bacon aus der Küche besorgt. Ich könne mir gerne ein Sandwich für unterwegs machen, meinte er. Wir haben über Radfahren und die Hügel hier gesprochen. Radfahren am Kanal ist beliebt, auch von Anfang bis Ende eines Kanals, was eine Mehrtagestour ist. Dass ich selten Reiseradler sehe, liegt wahrscheinlich daran, dass es wohl noch ein bisschen früh im Jahr ist.

7.46 Uhr – Nachschub für die durstigen Pubbesucher. Der junge Mann steht jetzt mit Klemmbrett da und erfasst die Lieferung.
8.23 Uhr – Ich ziehe die Windjacke an. Es ist doch etwas frisch. Abfahrt.

Heute fahre ich zurück nach Westen. Die Etappe ist eher lang und hügelig. Sie führt mich durch den Forest of Bowland.
In Lancaster hat Monika ein halbes Jahr studiert. Vielleicht finde ich ja ihr College-Gebäude noch.
Lancaster war Garnisonssstadt der Römer. Über die Zeit zwischen dem Abzug der Römer bis zu Eroberung durch die Normannen im 11. Jhd. weiß man nicht viel. Das House of Lancaster hat als Emblem eine rote Rose, das House of York eine weiße. Die Zeit des Kampfes der beiden Häuser um den englischen Thron nennt man daher War of Roses. Lancaster gehört zum Plantagenet-Zweig der Königsfamilie. Richard Löwenherz war auch ein Plantagenet. Er verlieh Lancaster 1193 den Titel einer Gemeinde (Borough). Im 14. Jhd. überfielen immer mal wieder Schotten die Stadt. 1322 zerstörte Robert the Bruce zwar vieles, konnte die Stadt aber nicht einnehmen. Lancaster hat einen Seehafen, über den auch Sklavenhandel lief. Der industrielle Schwerpunkt der Stadt waren Schiffe, Segelstoffe, Seile und Kerzen. Aktuell versucht die Stadt neue Technologiefirmen anzusiedeln.
Lancaster war von 2005 bis 2011 neben Derby eine von sechs Cycling Demonstration Towns. In diesen Städten hat man den Radverkehr fördern wollen, in dem gezielt die Infrastruktur für das Radfahren verbessert wurde. Bin gespannt, was davon übrig geblieben ist.
8.33 Uhr – Ist mir zu kalt. Armlinge und Beinlinge angezogen.

Uriger Bauwagen neben dem Kanal.

Zwei-Brücken-Blick: Ich rolle jetzt gemütlich in den Tag.

Hier kann ich das große Gatter öffnen. Prima!

Ich hänge mich an die Rennradtruppe dran. Sie sind gemächlich unterwegs.

9.18 Uhr – Habe alle überholt. Selbst am Berg. Hier lasse ich sie jetzt vorbeiziehen und winke.

Weiter bergauf mit toller Aussicht.

Der Mann erfreut sich auch daran, wenn er seine tägliche große Runde mit den Hunden läuft.

9.37 Uhr – Morgengruß: Freude an der Natur, Freude an der Begegnung, Gelassenheit, Neugier.
Der Wind kühlt, kommt netterweise im Wesentlichen von hinten. 19° C.

10.20 Uhr – Stopp an einer kleinen Dorfkirche mit Singen und Innehalten.

Schöner Platz für ein Sandwich mit Instant-Kaffee, der schmeckt, wie in Taizé. Um die Gräber ist ein Weidezaun gezogen. Ob hier Schafe die Kirchwiese abgrasen?
Der Berg vor mir ist der Pendle Hill mit 558 m Höhe. Er liegt abseits der Pennines, dem Mittelgebirge, das sich von der schottischen Grenze bis zum Peak District ausdehnt. Auf dem. Weg wurden neolithische und bronzezeitliche Siedlungsspuren gefunden.
1612 hat man zwölf Männer und Frauen aus der Umgebung des Berges der Hexerei beschuldigt und zehn bei einem Prozess in Lancaster für schuldig befunden und hingerichtet. Es ist einer der berühmtesten Hexenprozesse Englands.
Am Pendle Hill hatte George Fox, der spätere Begründer der Quäker, 1652 seine Vision.

11.02 Uhr – In Waddington. Ich probiere mal Kombucha, ein fermentierter Tee mit Zitrone und Ingwer und Sprudel. Geht so, würde ich sagen. Dazu Kaffee und Rhabarber-Kuchen. Drei sehr nette junge Leute betreiben das Café seit einem Jahr. Es wird ganz gut angenommen, sagte einer von ihnen.
Der Kuchen ist sehr lecker. Kombucha-Fan werde ich aber eher nicht.
Die Strecke ist heute ganz nach meinem Geschmack. Tolle Aussicht, leichtes Auf und Ab. Die Steigungen sind manchmal auch mit 12% – 14% ordentlich steil. Mit dem kleinsten Gang sind sie aber gut machbar.
Hier im Ort biege ich in den Forest of Bowland ab.
11.25 Uhr – Mal langsam weiter.

11.55 Uhr – Der Wind ist zwar kühl, aber es ist mittlerweile zu warm für Arm- und Beinlinge.

Der River Hodder, ganz flach und ohne Stauwehr.

12.42 Uhr – Sehr süß, die beiden Kleinen!

12.49 Uhr – Gerade kamen mir die Rennradlerinnen von heute Morgen entgegen und erkannten mich wieder: «We’ve seen this bloke!» Sehr nette Truppe!

13.25 Uhr – Von Rückenwind unterstützt rolle ich gemütlich runter in die Ebene und Richtung Meer. Gleich wende ich mich nordwärts auf Lancaster zu.

13.43 Uhr- Auf nur noch 21 m Höhe.

14.34 Uhr – Müsli und das zweite Sandwich hier im Schatten gegessen. sehr böiger Wind.

15.33 Uhr – Auf dem Campus der Uni Lancaster, wo Monika mal ein halbes Jahr studiert hat.

Lonsdale College.

Die recht modernen Wohnheime.

Haupteingang des Colleges, das eines von mehreren auf dem sehr weitläufigen Campus ist.

Der co-op-Supermarkt.
Mit einer Video-Schalte habe ich ein paar Live-Eindrücke nach Hause gesendet.


Der zentrale Platz und Treffpunkt.

Das Uni-Gemeindezentrum, Chaplaincy.

16.36 Uhr – Lancaster: Biergarten am Lancaster Canal. Ich mache eine kleine Rundfahrt.
Vorhin war ich kurz beim Vorbeifahren an Fussgängern auf der falschen Seite vom Radweg gelandet und jemand kam mir entgegen. Ganz automatisch ist der Linksverkehr also bei mir noch nicht.

Die moderne Lancaster Cathedrale, direkt am Kanal.

Auf dem Hügel vor mir steht Lancaster Castle.

Lancaster Castle, das lange als Gefängnis gedient hat. Das Gefängnis kann man besichtigen. Nichts für mich.
17.00 Uhr – Jetzt rolle ich runter zum Hotel.

17.08 Uhr – Ankunft.

19.11 Uhr – Mal wieder klassisch.
21.40 Uhr – Das Essen war sehr lecker. Wie schon in anderen Lokalen wurde eine optionale Service Charge auf die Rechnung gesetzt. Habe ich übersehen und zusätzliches Trinkgeld gegeben. Die Kellnerin hat es aber durch ihre schnelle und umsichtige Arbeit durchaus verdient.
Ich habe jetzt noch einiges im heutigen Beitrag ergänzt und dafür viel in Wikipedia recherchiert. Jetzt nehme ich als Nachtisch die Schokokugeln, die beim Wasserkocher liegen, natürlich mit einem Kaffee.
Gute Nacht!