Di. 26.05. – Blackburn – Nelson – Foulridge – 35 km/290 Hm

6.31 Uhr – Bis um drei habe ich ohne Decke geschlafen. Dann habe ich das Plumeau aus dem Bezug genommen und unter dem Bezug weiter geschlafen, aber nicht mehr am Stück. Die Straße unter dem Fenster war die Nacht über ruhig, jetzt ist wieder lebhafter Verkehr.

Wegen der schwülen Hitze habe ich den Mückentod-Stecker eingesetzt.

Wolkenloser Himmel. Die Temperatur im Zimmer ist nur auf 26° C gesunken.

Heute kann ich mir wieder im Hotel beim Frühstück den Bauch vollschlagen, hoffe ich zumindest.

7.35 Uhr – Bin der einzige frühe Gast im Speisesaal. Es gibt gutes Müsli. Dazu bestelle ich vier Scheiben Toast und Schinken. Käse gibt es nicht. Wie meist, liegt die Butter ohne Kühlung bei den Marmeladen. Ich nehme an, sie ist nicht schlecht, wenn sie normal aussieht. Da das Müsli ausreichte, um satt zu werden, nehme ich zwei Scheiben Toast mit Schinken für den Tag mit.

8.30 Uhr – Abfahrt in einen bereits sehr warmen Morgen.

Heute fahre ich erstmal zur Fabrik von Carradice in Nelson. Das sind etwa 26 Kilometer. Meinen Besuch habe ich vor Monaten angekündigt. Man schrieb zurück, dass ich gerne vorbeikommen könne, sie seien immer von neun bis fünf dort. Ich hatte auch gefragt, ob kleine Reparaturen möglich seien. Da sind sie nicht genau drauf eingegangen, aber im Netz findet man schöne Berichte dazu. Mal gespannt. Die Unterkunft ist etwa elf Kilometer entfernt. Wenn ich warten muss, mache ich das in Nelson, ich könnte aber auch schon zum Hotel fahren. Ich schau halt mal.

8.43 Uhr – Es geht los mit Kanalradweg, ziemlich schlechter Zustand, viele Glasscherben. Aber kein Autoverkehr, was mir guttut.

Ich halte ja die Augen immer sehr genau auf den Weg, da es Schlaglöcher, Bodenwellen, Wurzelerhebungen, Pflastersteine, Glasscherben etc. zu beachten gilt. Da fällt mir natürlich jeder Müll, der auf dem Weg liegt ganz besonders auf. In der Nähe der Städte und an großen Straßen gibt es jedenfalls oft eine Menge davon. Das trübt dann etwas die Stimmung.

8.54 Uhr – Der Kanal hat sehr, sehr viele Windungen. Also verlasse ich ihn jetzt und hoffe auf einen Radweg neben der Straße.

Solange der Bürgersteig ok ist, bleibe ich lieber darauf.

9.33 Uhr – Lief gut auf der A-Straße. Hier komme ich in ein Naherholungsgebiet.

Der Teer auf dem Bahntrassenradweg ist so neu, er ist quasi noch warm. Und ganz ohne Quälgittet.

Und schöne Landschaft am River Calder.

9.51 Uhr – Ich nehme einen Umweg auf der schönen Straße in Kauf. Habe vielleicht eine Abfahrt verpasst.

10.27 Uhr – Am Leeds and Liverpool Canal. Sehr schönes weites Tal. Guter Platz für den Morgengruß: Freude am Schönen, Freundlichkeit, Akzeptanz, Innehalten.

Noch etwa vier Kilometer bis zur Firma.

10.46 Uhr – Hinter diesem Gebäude auf der anderen Seite des Kanals müsste es sein.

Ziemlich alte und etwas heruntergekommene Gegend.

Hier geht es rein. In der Öffnung oben ist nur eine Schnur gespannt. Oh, lala. Links hängt die Wäsche der Nachbarn auf der Leine.

Ziemliches, nettes Chaos.

Sue hat mich beraten. Jetzt näht sie mir für £10 neue Klettstreifen auf die Lenkradtasche. Die Verschluss-Gurte für die Außentaschen an den hinteren Taschen flicke ich selber. Einen habe ich vor der Fahrt schon mit einem Stück vom Lenkertaschen-Gurt repariert.

Ich warte hier am übervollen Arbeitstisch.

Oben im Regal steht auf einer Kiste «Do not count».

Ein alter Mann läuft durch den Gang. Vielleicht hat er vor 38 Jahren meine Taschen produziert.

Mittlerweile stellen sie auch Taschen aus Plastikmaterial her.

Wie neu, quasi. Jedenfalls hält der Klettverschluss wieder super.ich könne ihn ja noch zurechtschneiden, wenn ich mir überlegt habe, wie ich es genau haben will.

Der Laden wirkt so chaotisch, wie ich es auf YouTube schon gesehen hatte. Toll, dass sich gleich jemand Zeit für mich genommen hat. Das hatte ich nicht erwartet. Ein Interesse an meinen Radgeschichten zeigte erwartungsgemäß niemand, sie müssen ja arbeiten. Keine Ahnung, wie die Firma sich halten kann. Der Zauber ist für mich etwas verflogen, es bleibt aber das Bewusstsein, robuste, langlebige Taschen zu haben, die nicht jeder hat, und die mich schon an sehr viele Orte begleitet haben.

11.15 Uhr – Jetzt habe ich bis drei Uhr Zeit, die 12 Kilometer zum Hotel zu radeln. Pausentag!!!

11.47 Uhr – Sehr schön schattig am leerstehenden Pub Lord Nelson. Das Städtchen ist ein vielfältiges Gemisch von Menschen mit kulturellem Hintergrund aus Pakistan, Bangladesch, Indien, Türkei, Syrien, Afrika, die die Straßen bevölkern und Geschäfte mit ihren Spezialitäten anbieten. Viele hier tragen traditionelle indische Kleidung, die bei der Hitze sehr angenehm erscheint. Ich wechsle immer mal wieder ein Wort mit jemandem der vorbeigeht. Kurz setze sich jemand zu mir auf die Bank, um schwer atmend zu verschnaufen. In der prallen Sonne ist es unangenehm heiß.

Es gibt so gut wie keine öffentlichen Brunnen, an denen man sich erfrischen kann.

12.22 Uhr – Ein Park mit schattigen Bänken, Eisdiele etc. käme jetzt gut. Ich packe und rolle mal langsam weiter.

Ansonsten gibt es nicht viel Schatten hier.

12.50 Uhr – Das Barrowford Reservoir sieht ziemlich leer aus. Noch vier Kilometer.

130.1 Uhr – Hier beginnt ein Foulridge-Kanaltunnel, eine Meile lang, sagte mir der Mann, der gerade seinen Kindern den Tunnel gezeigt hat. Wow!

Er wurde 1792 begonnen. Die Hälfte der Länge wurde horizontal vorangetrieben, der Rest durch Abtragen der Erde und Wiederverfüllen. Das war nötig, weil auf diesem Stück die Erde in 21 Metern Tiefe nicht stabil genug war.

Es gibt keinen Treidelpfad für die Zugpferde. Bootsleute mussten sich auf den Eücken legen und sich mit den Füßen an der Wand oder Decke abstoßen, Legging genannt. 1880, nach dem Tod eines Leggers, wurden dampfbetriebene Schlepper eingesetzt. Die Zugpferde wurden währenddessen über den Berg geführt.

In drei Phasen gebaut, war der Leeds and Liverpool-Kanals 1816 vollständig fertig. Hauptnutzen war der Kohletransport. 1860 wurden mehr als eine Million Tonnen Kohle nach Liverpool transportiert.

Und hier oben fließt der Bach als wäre nichts.

13.12 Uhr – In dem kleinen Örtchen vor mir liegt die Unterkunft.

Die letzten Gatter, die ich am Kanal überwinden musste, waren alle recht einfach zu meistern. Manche waren auch aufgeklappt oder es gab ein offenes Tor daneben. Das hat mich jedes Mal gefreut.

13.19 Uhr – Am Ziel der heutigen Pausen-Etappe.

13.46 Uhr – Genial: Das Zimmer war schon fertig. Jetzt gibt es Radler, das einzige, was es mit Zitrone gibt. Ich muss ja nicht mehr fahren!

15.42 Uhr – Kaffee, Kekse vom Zimmer, Wäsche, Duschen, Etappen-Vorbereitung für morgen: Alles schon erledigt. Natürlich könnte ich ein Stück wandern, aber ich mache lieber mal die Augen zu.

In der Tagesschau-App wird ausführlich über die Hitzewelle in Großbritannien berichtet. So heiß war es im Mai noch nie, seit dem Beginn der Aufzeichnungen.

17.24 Uhr – Ich wurde vom Wecker geweckt, damit ich nicht zu lange schlafe.

19.01 Uhr – Cheese and Onion Pie mit pürierten Erbsen. War schmackhaft und sättigend. Für das Drumherum nehme ich noch zwei Kugeln Eis.

Abendstimmung , leichter Wind, angenehm kühl.

Stylische Frisur! Das arme Tier hechelte aber sehr. Ob ihm zu heiß ist?

21.16 Uhr – Dumfries erreiche ich am Samstag, da könnte es nachmittags regnen. Der erste Tag in den Galloways ist auch ok. Es sieht also keineswegs nach Dauerregen aus, was mich sehr freut.

Durch das gekippte Fenster kommt ein bisschen von der kühlen Luft ins Zimmer. Es sind allerdings immer noch 26° C.

Jetzt räume ich noch etwas, mache mir noch einen Kaffee und lege mich danach schlafen.

Gute Nacht!

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