Fr. 22.05. – Swinscoe – Weston – 58 km/510 Hm

7.26 Uhr – Lange und ausgiebig geschlafen. Ich bin aber mehrfach aus einem unangenehmen «Ich kann etwas nicht finden» Traum aufgewacht.

Könnte damit zu tun haben, dass ich gestern Abend zum zweiten Mal die Radtaschen nach der zweiten Merino-Unterhose abgesucht habe. Nach der positiven Erfahrung am Canterbury-Tag wollte ich gerne mal ausprobieren, wie es ist, wenn ich sie unter der Radhose trage, da ich schon länger den Verdacht habe, das Kunststoff-Material des Polsters scheuert.

Na, jetzt mal aufstehen.

9.00 Uhr – Es ist warm, die Sicht ist klar. Ich werde mich schon gleich jetzt mit Sonnencreme einschmieren.

9.06 Uhr – Abfahrt.

Ich fahre weiter auf die Westküste zu. Der Wind kommt im Wesentlichen aus Süden, hilft also wenig, könnte aber schwächer sein als gestern. Ich fahre lange am Caldon Canal entlang, Stoke-on-Trent umfahre ich. Ich hoffe auf Cafés oder Pubs an der Straße.

9.17 Uhr – Nur noch 1,4 km auf der A523. Läuft gut.

9.22 Uhr – Hier gibt es jetzt Steinwälle statt der Hecken. Die Landschaft wirkt gleich ganz anders.

Jetzt bin ich auf einem Feldweg und lasse mich langsam bergab rollen.

9.34 Uhr – Weiter hinunter in ein kleines Aral.

Hier blüht noch der Weissdorn und die Bäume sind noch nicht vollständig grün.

Die Staffordshire Moorlands gehören noch zum Peak District. Ich bin gerade am roten Punkt.

Und hier ein riesiges Zementwerk, das ich schon von oben hatte sehen können.

10.04 Uhr – Auch die Kühe genießen den Ausblick.

10.12 Uhr – Auf 350 m Höhe mit sehr schöner Aussicht, wenn auch etwas diesig. 24° C zeigt der Tacho.

Jetzt werde ich die lange Abfahrt auf dem kleinen Teersträßen genießen.

Ein wirklich schönes Tier, sitzt in Ruhe auf der Mauer und lässt sich nicht stören.

11.03 Uhr – Museumsbahnhof Cheddleton mit teils sehr gut hergerichtetem Wagon-Material.

Hier stoße ich auf den Kanalradweg, flach, schattig, windgeschützt.

In die Schleuse passt genau ein Narrow Boat.

Am roten Punkt sieht man, wo ich inzwischen bin.

Tatsächlich, die fahren auch!

Alles sieht gleich aus, daher sind die Brücken nummeriert.

Keine Brücke, sondern ein kreuzender Kanal, also ein Aquädukt.

11.46 Uhr – Pause auf einer Bank in der Sonne. Vier Radler in meinem Alter hielten an und fragten, wohin ich unterwegs bin. Einer von ihnen macht auch mehrtägige Radtouren. Nette Truppe.

Hier ist richtig was los, noch mehr Radler und Boote. Die Boote sind sehr leise. Sie dürfen maximal fünf bis sieben Meilen fahren, hatte der freundliche Bootsmann nördlich von London erzählt. Einen Führerschein braucht man nicht.

11.57 Uhr – Das ist wie im Urlaub heute. Mal entspannt weiter.

Der Hausbootclub von Stoke-on-Trent.

12.20 Uhr – Hier gibt es jetzt öfter diese kleinen Klappbrücken. Viele der nummerierten Brücken haben nur eine Wiese mit einer auf der anderen Seite verbunden.

Ich bleibe auf dem Treidelpfad, statt den Bogen durch die Vororte von Stoke-on-Trent abzukürzen. Schöner hier!

13.03 Uhr – Habe jetzt fast zwanzig Minuten mit einem Engländer, Alan, etwas älter als ich, gesprochen, der viele Jahre als Soldat in Deutschland war, Berlin, Osnabrück, etc. Im Sommer radelt er mit seinen Army-Kumpels wieder Coast to coast. Er hat ein Dawes-Rad mit 531er Raynolds Rohren. Er hat auch gefragt, ob meine Vorderradbremse links sei. An englischen Rädern ist sie rechts. Alan konnte noch ein paar Worte Deutsch. Was er an Deutschland merkwürdig fand, war, dass man das Auto nicht vor dem Haus waschen darf und die Wäsche nicht am Sonntag draußen aufhängt.

Er hat viel erzählt, und wir haben sehr nett gefachsimpelt.

13.16 Uhr – Später Morgengruß: Freude beim Zuhören, Freude am guten Wetter, Kraft für die Anstiege, Hier-Ankommen.

Bahntrasse mit Tunnel. Wow!

13.56 Uhr – Kein schönes Pub im Grünen, aber es gab Fanta Lemon. Jetzt suche ich mir eine Bank für das Müsli.

15.20 Uhr – An einer Kreuzung in Alsager. Schattiger Platz für die Müslipause und ein schönes Telefonat mit Zuhause. Noch elf Kilometer. Der Tacho zeigt 31° C im Halbschatten. Der böige Wind macht es angenehm. Weiter.

Passt. Die Beschreibung auf der weißen Tafel klingt aber, als ob man erst beide Gatter aufmachen soll, dann queren. Wie auch immer.

16.08 Uhr – Ankunft am Ziel, mit Biergarten !!

18.32 Uhr – Im Biergarten kann man nur etwas trinken. Mit einer Limo habe ich noch eine Weile draußen gesessen. Danach folgte die Ankunftsroutine, mit waschen, duschen und entspannen. Ich lege mich auf das Bett und gehe, wie bei der Endentspannung nach den Yoga-Übungen, mit dem rechten Daumen beginnend den ganzen Körper durch, alle Finger, alle Zehen einzeln, die Gelenke und alle Körperteile. Danach habe ich heute auch mal wieder Atemzüge gezählt, von 54 runter bis 1.

Den Blogbeitrag habe ich jetzt auch nochmal durchgelesen und korrigiert bzw. ergänzt. Mittlerweile kann ich mich aber nur noch schwer konzentrieren, da direkt vor meinem Fenster im Erdgeschoss schon die Partiemusik der privaten Feier läuft, die heute hier stattfindet. Mal gespannt, wie lange das geht. Rosinante musste mit auf das Zimmer. Sonst scheint es keinen trockenen Platz zu geben.

Ich gehe mal was essen.

19.47 Uhr – Der Chicken Burger mit extra Schinken und Käse war enorm und sollte bis morgen Abend, oder so, reichen. Das Pint of Lager gibt mir dazu die nötige Alkoholkonzentration. Ich muss ja nicht mehr fahren.

21.49 Uhr – Boah, der Krach draußen ist schon schwer auszuhalten. Ich versuche es mal mit Ohrstöpseln und mache die Fenster zu, die ich für das Trocknen der Wäsche noch offen habe.

Bisher lief die Musik nur als Hintergrund, jetzt wird vor meinem Fenster getanzt und mitgesungen. Immerhin sind die jungen Leite gut gelaunt. Sie sollen ihren Spaß haben. Die Musik ist eigentlich auch gar nicht so schlecht.

22.20 Uhr – Die zweite Merino-Unterhose hat sich zu Hause finden lassen. Hm, ich dachte, sie stände auf der Packliste. Dann halt für die nächste Tour.

Mit den Ohrstöpseln aus meinem Notfallpäckchen (Feuerzeug, Messer, Schere, Pinzette, Stift, 20€, Vaseline, ..) geht es etwas besser. Noch ein Sudoku, dann ziehe ich mir die Decke über den Kopf.

Gute Nacht!

One thought on “Fr. 22.05. – Swinscoe – Weston – 58 km/510 Hm”

  1. Lieber Leonhard, ein paar Tage habe ich gebraucht bis ich zumindest in der Phantasie mitradeln konnte und bin jetzt in swinscoe angekommen, einem mir unbekannten Ort in einer fremden Gegend. Weil ich noch nie in England war, konnte ich gespannt das neue Land mit deinen Beschreibungen erkunden. Und mich an alte radreisen erinnern. Sehr gut gefällt mir, dass du uns Begleiter auch mitnimmst zum chinesischen morgengruß und zu vielen Begegnungen. Ich freue mich auf weitere Tage Radtour mit dir und wünsche dir noch viele schöne Orte und Begegnungen in England und schottland

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