6.23 Uhr – Gut geschlafen, obwohl ich mehrfach wach geworden bin. Draußen ist es trüb und es nieselt. Es kommen aber auch Regenlücken, also kein Grund, im Bett zu bleiben.

Heute geht es im Wesentlichen nach Westen. Die Stadt auf der Mitte der Etappe ist Peterborough. Auch auf die Kathedrale dort freue ich mich sehr.
Der Wind kommt sogar etwas aus Osten, bzw. Nordosten. Klingt schon mal nicht nach Gegenwind.
8.24 Uhr – Windig und sehr feucht. Aber kein Regen. Abfahrt!

Der Verkehr in meiner Richtung ist recht gering. Der Rückenwind ist genial.

8.38 Uhr – Das waren sehr schnelle vier Kilometer. Jetzt bin ich auf einer Nebenstraße.
Guter Platz für den Morgengruß: Zuversicht, Geschicklichkeit, Gelassenheit, Dankbarkeit.
Die Regenjacke ist zu warm. Ich ziehe die Windjacke an.

9.23 Uhr – Mit um die dreißig km/h auf leerer Landstraße habe ich jetzt schon 19 Kilometer hinter mir. Hier kommt jetzt eine beschauliche Moor-Tourismus-Strecke. .
Die Hinterradbremse funktioniert prima! Puh!

10.05 Uhr – Auf diesem windexponierten Damm llege ich ganz schön schräg im Seitenwind. Er schiebt trotzdem.

10.14 Uhr – Nach schnellen 31 km bin ich schon, trocken, in Peterborough.

10.30 Uhr – Der Marktplatz von Peterborough. Wegen der Baustelle, die man auf dem Foto oben sieht, musste ich, ganz flexibel, auf der OpenFietsMap auf meinem Navi eine Alternativstrecke suchen.

An der Ostseite des Platzes befindet sich das Tor zum Kathedralenbezirk.

Diese Westfassade hat mich schon fasziniert, als ich sie vor sicher zwanzig Jahren zum ersten Mal in meinem Kathedralenbuch gesehen habe. Sie ist mit diesen weiten hohen Bögen einzigartig, zumal sie nicht der Größe der drei Schiffe des Langhauses entsprechen. Der mittlere Bogen ist schmaler als die äußeren und alle drei sind gleich hoch.
Die normannische bzw. romanische Abteikirche war 1193 fertig. Die frühgotische Vorhalle wurde in den Jahren 1201 bis 1220 vor die romanische Fassade gesetzt. Über dem linken Bogen sieht man einen der beiden Türme der romanischen Fassade. Der andere wurde nicht zu Ende gebaut. Der noch spätere Anbau in der Mitte ist von 1370 und wirkt wie ein Windfang. Ich finde, dass er stört.
Die Vorhalle ist das schönste frühgotische Bauwerk Englands.
Die Kirche ist Peter, Paul und Andreas geweiht. Borough ist der alte Name für Burg. Da das erste Kloster befestigt war, hat sich aus dem Schutzpatron und der Burg Peterborough als Name für den kleinen Ort eingebürgert.
Gegründet wurde das Kloster von Penda von Mercia, einem der sieben angelsächsischen Reiche, 655 als geistliches Zentrum. 870 zerstörten die Wikinger das Kloster. Im 10. Jhd. wurde eine Benediktinerabei gegründet und finanziell reich ausgestattet. Bei der Eroberung durch die Normannen wurde die Anlage nur beschädigt, brannte aber 1116. Der Sage nach rief der Bäcker den Teufel um Hilfe als er einmal das Feuer im Ofen einfach nicht in Gang bringen konnte. Der Teufel hat dann ganze Arbeit geleistet.

Auf dieser Bank mit Blick auf das Portal nehme ich ein kleines zweites Frühstück, bevor ich die Kirche besichtige.
Der Kaffee ist noch richtig heiß und das Käse-Schinken-Sandwich aus dem Hotel sehr lecker.

Das romanische Langhaus ist zehn Joche lang. In Ely sind es zwölf. Es gibt keinen Lettner, der die Sicht in den Chor versperrt. Das hölzerne Chorgestühl aus dem 19. Jhd. steht im Langhaus, vor der Vierung.
Ein Bischofssitz wurde die Klosterkirche erst 1541 bei der Aufteilung des riesigen und damit mächtigen Bistums von Lincoln.

Der Raum unter dem nördlichen Turm wird als wesentliches Querschiff bezeichnet.

Drei Geschosse, klare Rundbögen, aber schon Säulendienste. Eine Empore im zweiten Geschoss, das dritte wirkt mit der Säulenarkade eher wie ein Triforium. Die Fenster und die auf Blendarkade wurden später im gotischen Stil hinzugefügt.

Die Bemalung der Holzdecke ist noch aus dem 13. Jhd. Sie ist einzigartig in Britannien und eine von vier Decken in ganz Europa. Sie ist eines der größten erhaltenen Gemälde aus dieser Zeit. Nach dem Einsturz der steingewölbten Kathedrale in Lincoln, der auf das große Gewicht des Gewölbes zurückzuführen war, hat man hier eine Holzdecke gebaut. Den Vierungsturm Batman im 14. Jhd. zur Sicherheit teilweise wieder abgetragen, um das Gewicht auf die Fundamente zu reduzieren. Peterborough liegt in sumpfigem Gebiet der Fenns, wie wir schon wissen.

Sonne scheint in das südliche Seitenschiff. Die Gewölbekapitelle sind schmucklos. Wulstiges Kreuzrippengewölbe.
Ich habe die Führung um 11.30 Uhr gebucht. Die Dame ist Germanistin und kennt Deutschland sehr gut.
Hier jetzt einige Fotos, Text kommt später.

Chor im romanischen Stil.

In der Vierung steht ein Dino-Skelett. Witzig!

Die Tür links führt zu einem kleinen Balkon von dem aus ein Mönch die Oswald-Reliquie (hat mal jemand woanders gestohlen und nach Peterborough gebracht), die hier in der Kapelle aufbewahrt wurde. Die Kapelle ist noch aus dem Vorgängerbau.

Grab von Maria Stuart, die hier in der Nähe auf Geheiß Elisabeth I. 1587 hingerichtet wurde. 1612 hat Marias Sohn, Jakob I. von England, ihr Grab nach Westminster verlegen lassen.

Gasofen, wie man sie in vielen Kirchen findet. Leider ausgeschaltet. Ich friere.

Die östliche Chorwand wurde Ende des 15. Jhd entfernt und das rechteckige New Building im Perpendicular Style angebaut.

Der Baumeister hat auch die Kapelle des King’s College in Cambridge gebaut, siehe vorgestern.

Der Baldachin aus dem 19. Jhd. ist die Kopie eines solchen in Rom.

Grab von Katharina von Aragón, der ersten Frau Heinrichs VIII. von der er sich scheiden lassen wollte. Da der Pabst keine Erlaubnis gab, hat er sich zum Oberhaupt der Kirche von England erklärt und damit die Reformation eingeleitet. Sie starb 1536.
Die Reliquien aller Kirchen wurden auf Geheiß Heinrichs VIII. zerstört. Die Inneneinrichtung der Kirche wurde 1643, etwa hundert Jahre später, im Bürgerkrieg zwischen König und Parlament durch die Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell zerstört.

Der schmale Fassadenvorbau.

13.32 Uhr – Zwei Stunden interessante Geschichten von der Führerin, bin total durchgefroren und gleich ins Cath Café gerannt. Draußen ist es deutlich wärmer als in der Kirche.
14.07 Uhr – Jetzt geht es mir besser. Ich habe noch vierzig Kilometer. Es kommt nochmal ein Schauer.

14.20 Uhr – Viel schöneres Bild mit etwas blauem Himmel. Nun radle ich mal langsam los.

Das Becken für den hiesigen Ruderclub.

14.50 Uhr – Wildwasserkajak-Anlage. Der River Nene ist bis Peterborough von Ebbe und Flut geprägt, es gibt aber ein Stauwehr östlich der Stadt.

15.12 Uhr – Nerven sammeln und ab ins Verkehrsgetümmel. Hoffentlich mit Rückenwind.

15.29 Uhr – Auf 50 m Höhe angestiegen, mit böigem Wind von schräg vorne. Alle 500 m fahre ich aus der Spur raus und hole Luft. Ich fahre etwas links von der Mitte der Spur. Die meisten Autofahrer blinken beim Überholen, das entspannt, weil die Autos dahinter gewarnt sind.

15.59 Uhr – Eine schöne Bank im hübschen Dorf Elton, die ich für die Müslipause genutzt habe. Der griechische Joghurt von Samstag war noch gut. Weiterhin trocken und böig.

Sehr hübsches Cottage aus Kalkstein. Wie in Burgund.
Die Kirche in Peterborough ist aus Kalkstein aus einem Steinbruch ganz in der Nähe der Stadt. Ely und die frühen Cambridge Colleges haben auch diesen Stein genutzt. Der Steinbruch war für Peterborough eine wichtige Einnahmequelle.

16.37 Uhr – Auf 56 m Höhe, Wald, Wiesen, Auf und Ab. Ein langes Regenband vor mir. Da muss ich wohl durch.

17.00 Uhr – In Apethorpe – Schöne Dorfkirche für ein gesungenes Gebet in Freude und Dankbarkeit.

17.15 Uhr – Es schüttet und ich warte noch ein bisschen hier im trockenen Eingang. Noch 17 Kilometer.

Egal, los!

17.59 Uhr – Ich wäre fast vom Rad gefallen vor Hunger, bzw. Unterzuckerung. Ich habe das Zittern und muss dringend etwas essen. Mit Müsliriegel und Nüssen hoffe ich die letzten zehn Kilometer bis zum Abendessen noch zu schaffen.

Harringworth Viaduct, 1166 m lang mit 82 Bögen. 1878 gebaut ist er der längste im Vereinigten Königreich.

Fascinating!

Wie eine Schlange in der Landschaft. jetzt muss ich aber wieder aus dem Tal raus und dann noch durch ein weiteres. So wird die schnelle, leichte Fahrt heute Morgen doch ziemlich kompensiert. Mental war ich noch im Flachlandmodus.

18.49 Uhr – Am Ziel.
20.36 Uhr – Der junge Barmann ist etwas kompliziert. Er meinte, ich solle das Rad draußen am Zaun anschließen. Dabei hatte ich eine Email, dass man eine Lösung für einen trockenen Platz finden werde. Jetzt kann ich es wohl in den Vorratsraum der Küche stellen. Nun gut, nicht gleich zuvorkommend, aber ok.
Das Chicken Curry war sehr lecker. Als Nachtisch gibt es Homemade Crumble mit Eis (heute statt dem klassischen Custard) und Kaffee. Ich muss ja auf ausreichende Kalorienzufuhr achten.
Nebenbei ergänze ich den Blogbeitrag.
21.46 Uhr – Die nächsten Tage soll es trockener und wärmer werden. Das würde mich freuen, macht einfach mehr Spaß. Aber heute war ok, den größten Teil des Tages war es trocken und sogar mit Rückenwind.
Bin müde. Gute Nacht!
Ich fahre mit und freue mich mit
Mit Müsliriegel und Nüssen hoffst du die letzten 10km noch zu schaffen…oh Mann! Anstrengender Tag! (Tage…)
Ich finde beim Wandern, dass der 3. Tag der schwierigste ist, danach hat sich der Körper daran gewöhnt, dass er einfach immer weiter leisten muss. Ich drück dir die Daumen, dass sich dein Körper auch bald in sein Schicksal ergibt und die Muskeln so aufpumpt, dass die Strecken leicht werden.
Gute Erholung!